Selbst erstellte Anlagen / 2 Grundsätzliche Aktivierungspflicht von selbst erstellten Anlagen

Selbst hergestellte Anlagen sind grundsätzlich dann zu aktivieren, wenn ein neues Wirtschaftsgut entstanden ist und kein Bilanzierungsverbot besteht. Es gelten die allgemeinen Aktivierungsgrundsätze. Ein Wirtschaftsgut liegt dann vor, wenn die Eigenleistungen selbstständig bewertbar sind.

 
Praxis-Beispiel

Herstellung einer Lagerhalle

Im Zuge der Betriebserweiterung errichtet der Unternehmer mit eigenen Angestellten eine Lagerhalle für die Unterbringung von Vorratsvermögen. Anschaffungskosten für Baumaterial und Lohnkosten sind Herstellungsaufwand der Lagerhalle.

Eine Erweiterung oder wesentliche Verbesserung eines bestehenden Wirtschaftsguts führt auch zu Herstellungskosten. Im Einzelfall entscheiden die tatsächlichen Gegebenheiten, ob Herstellungskosten oder Erhaltungsaufwendungen vorliegen.

Zu Kosten zur Beseitigung von nach Anschaffung mutwillig herbeigeführten Substanzschäden keine "anschaffungsnahen Herstellungskosten" gem. § 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 EStG.Unvermutete Aufwendungen für Renovierungsmaßnahmen, die lediglich dazu dienen, Schäden zu beseitigen, welche aufgrund des langjährigen vertragsgemäßen Gebrauchs der Mietsache durch den Nutzungsberechtigten entstanden sind, führen unter den weiteren Tatbestandsvoraussetzungen des § 6 Abs. Nr. 1a EStG zu anschaffungsnahen Herstellungskosten. Wird ein mit einem vermieteten Gebäude bebautes Grundstück in der Absicht in ein Betriebsvermögen eingelegt, das vorhandene Gebäude abzureißen und ein neues Geschäftshaus zu errichten, so sind der Restbuchwert des Altgebäudes sowie die Abbruchkosten als Herstellungskosten des neu errichteten Gebäudes zu aktivieren.

Aufwendungen zur Nachrüstung einer Windenergieanlage zwecks Erhalt des sog. Systemdienstleistungs-Bonus stellen weder eine Erweiterung des bestehenden Wirtschaftsguts "Windkraftanlage" i. S. d. § 255 Abs. 2 Satz 1 Fallgruppe 2 HGB noch eine wesentliche Verbesserung der Windkraftanlage nach § 255 Abs. 2 Satz 1 Fallgruppe 3 HGB dar, sodass keine Herstellungskosten, sondern sofort abziehbarer Erhaltungsaufwand vorliegt.

 
Praxis-Tipp

Umbau als Erweiterung als nachträgliche Herstellungskosten

Unter dem Gesichtspunkt der Erweiterung sind (nachträgliche) Herstellungskosten – neben Anbau und Aufstockung – auch gegeben, wenn nach Fertigstellung des Gebäudes seine nutzbare Fläche – wenn auch nur geringfügig – vergrößert wird (hier: Satteldach statt Flachdach). Auf die tatsächliche Nutzung sowie auf den etwa noch erforderlichen finanziellen Aufwand für eine Fertigstellung zu Wohnzwecken kommt es nicht an.

Dies gilt insbesondere für Aufwendungen, die lediglich dazu dienen, die Nutzungsfähigkeit des Wirtschaftsguts zu erhalten.

2.1 Kosten zur Erhaltung, Renovierung, Modernisierung

Renovierungskosten sind anzunehmen, wenn durch den Umbau eines Großraumbüros in Einzelbüros nur die Aufteilung der Räume, nicht aber deren Funktion verändert wird. Das gilt beispielsweise auch für den Einbau einer Solaranlage zur Ergänzung der vorhandenen Wärmeversorgung. In diesem Fall erfolgt keine Aktivierung der Renovierungsaufwendungen.

2.2 Anschaffungsnahe Herstellungskosten

Nach § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG gehören zu den Herstellungskosten eines Gebäudes auch Aufwendungen für Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die innerhalb von 3 Jahren nach der Anschaffung des Gebäudes durchgeführt werden, wenn die Aufwendungen ohne Umsatzsteuer 15 % der Anschaffungskosten des Gebäudes übersteigen.§ 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG schließt Aufwendungen für Erweiterungen i. S. d. § 255 Abs. 2 Satz 1 HGB sowie Aufwendungen für jährlich üblicherweise anfallende Erhaltungsarbeiten von den zu berücksichtigenden Herstellungskosten bei der 15 %-Grenze aus.

Aufwendungen, die innerhalb des Dreijahreszeitraums getätigt werden und nach den Kriterien der Finanzverwaltung Herstellungskosten darstellen, in ihrer Summe aber die 15 %-Grenze nicht überschreiten, sind Herstellungskosten i. S. v. § 255 HGB.

 
Achtung

Wann eine Hebung des Standards eine Rolle spielt

Eine Hebung des Standards ist bei Unterschreiten der 15 %-Grenze in den ersten 3 Jahren nach Anschaffung nicht zu prüfen; es sei denn, es handelt sich um den Beginn einer Sanierung in Raten oder im Falle eines Erwerbs eines Gebäudes mit mehreren Wohnungen es hebt sich der Standard für einzelne Wohnungen.

Aufwendungen für Baumaßnahmen, die innerhalb des Dreijahreszeitraums des § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG durchgeführt werden, jedoch die 15 %-Grenze nicht überschreiten, sind auch dann Herstellungskosten i. S. v. § 255 Abs. 2 Satz 1 HGB, wenn die endgültigen Voraussetzungen für das Vorliegen einer Sanierung in Raten erst nach Ablauf des Dreijahreszeitraums festgestellt werden können.

2.3 Selbst erstellte immaterielle Wirtschaftsgüter

Selbst geschaffene immaterielle Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens können als Aktivposten in die Handelsbilanz aufgenommen werden.

Nicht aufgenommen werden dürfen jedoch

  • selbst geschaffene Marken,
  • Drucktitel,
  • Verlagsrechte,
  • Kundenlisten oder
  • vergleichbare immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens.

In der Steuerbilanz sind immaterielle Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens nur anzusetzen, wenn sie entgeltlich erworben oder in das Betriebsvermö...

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