Rückstellungen / 1.1 Rückstellungen im Handelsrecht

Die Bilanzierung entspricht dem Vorsichtsprinzip. Grundsätzlich sind die handelsrechtlichen Normen auch für die Steuerbilanz maßgeblich, sofern steuerrechtliche Sondervorschriften nicht entgegenstehen. Zu unterscheiden sind Verbindlichkeitsrückstellungen für bereits realisierten Aufwand, Drohverlustrückstellungen für künftigen Mehraufwand und (echte) Aufwandsrückstellungen.

Zu jedem Abschlussstichtag ist die Bildung und Auflösung von Rückstellungen zu überprüfen und eine sog. Inventur der Risiken vorzunehmen.

Folgende Rückstellungen unterliegen einem sog. Passivierungsgebot. Sie sind handelsrechtlich als sog. Pflichtrückstellungen zu bilden:

  • für drohende Verbindlichkeiten,
  • für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften,
  • für unterlassene Aufwendungen für Instandhaltungen, die im folgenden Geschäftsjahr innerhalb von 3 Monaten nachgeholt werden,
  • für Abraumbeseitigung, die im folgenden Geschäftsjahr nachgeholt wird, sowie
  • für Gewährleistungsaufwand, der ohne rechtliche Verpflichtung erbracht wird.

Pensionsrückstellungen gehören zu den Rückstellungen wegen ungewisser Verbindlichkeiten. Sie unterliegen in Handels- und Steuerbilanz der Passivierungspflicht.

 
Achtung

Rückstellungen nur für betriebliche Steuern

Steuerrückstellungen weisen Steuern und Abgaben aus, die bis zum Ende des Wirtschaftsjahrs wirtschaftlich entstanden sind und hinsichtlich ihrer Höhe noch nicht endgültig feststehen. In der Handels- und Steuerbilanz sind nur betrieblich bedingte Schulden zu passivieren, private Schulden, wie z. B. die Einkommensteuer eines Einzelunternehmers, unterliegen einem Passivierungsverbot. Mangels privater Sphäre stellt dies für Kapitalgesellschaften keine Einschränkung dar.

Kapitalgesellschaften müssen handelsrechtlich eine Schuldrückstellung nach § 274 Abs. 1 HGB für die sog. passive latente Steuerlast bilden. Latente Steuern sind verborgene Steuerlasten oder Steuervorteile, die sich aufgrund von Unterschieden im Ansatz oder in der Bewertung zwischen der Handels- und Steuerbilanz ergeben haben und sich in folgenden Wirtschaftsjahren voraussichtlich abbauen. Steuerlich ist der Ausweis latenter Steuern nicht zulässig.

 
Wichtig

Passivierungsverbot

Weitere Rückstellungen sind handels- und steuerrechtlich nicht zulässig.

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