Im Zeitpunkt der Anschaffung oder Herstellung des Ersatzwirtschaftsguts ist die Rücklage für Ersatzbeschaffung mit dessen Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu verrechnen. Die Bemessungsgrundlage der Absetzung für Abnutzung (AfA) mindert sich entsprechend.

Eine Rücklage für Ersatzbeschaffung ist gewinnerhöhend aufzulösen, wenn ein Ersatzwirtschaftsgut bis zum Ablauf der maßgeblichen Frist weder angeschafft, noch hergestellt oder bestellt worden ist.

Die aktuelle Rechtsprechung wendet die in § 6b EStG genannten Fristen analog an (4 Jahre für unbewegliche Wirtschaftsgüter und bei neu hergestellten Gebäuden 6 Jahre) und schließt weitere Fristverlängerungen aus. Die Finanzverwaltung wendet für Gebäude die Vier- und Sechsjahresfrist des BFH an.[1]

Bei beweglichen Wirtschaftsgütern, zu denen noch keine neue BFH-Rechtsprechung vorliegt, hält die Finanzverwaltung an ihrer bisherigen Rechtsauffassung fest. Das Ersatzwirtschaftsgut muss grundsätzlich bis zum Ende des ersten Wirtschaftsjahres nach Ausscheiden des Altwirtschaftsgutes angeschafft, hergestellt oder beschafft worden sein. Diese Frist kann aber im Einzelfall bis zu vier Jahren verlängert werden.[2]

 
Wichtig

Fristverlängerung

In Einzelfällen kann nach Auffassung der Finanzverwaltung die Frist verlängert werden, wenn der Steuerpflichtige glaubhaft macht, dass die Ersatzbeschaffung ernsthaft geplant und zu erwarten ist, aber aus besonderen Gründen noch nicht durchgeführt werden konnte, z. B. Schwierigkeiten bei der Beschaffung eines Ersatzgeländes.[3]

Die Auflösung einer Rücklage für Ersatzbeschaffung ohne Investition löst keinen Gewinnzuschlag aus. Eine noch nicht vollständig verbrauchte Rücklage für Ersatzbeschaffung darf trotz Anschaffung eines Ersatzwirtschaftsguts fortgeführt werden, wenn der Steuerpflichtige glaubhaft macht, dass er weitere Ersatzwirtschaftsgüter erwerben will.[4]

 
Hinweis

Vorübergehende Verlängerung der Reinvestitionsfristen wegen der Corona-Krise

Angesichts der vielfältigen Probleme durch "Corona" ist die Finanzverwaltung bereit, alle Reinvestitionsfristen zu verlängern, die regulär in einem nach dem 29.2.2020 und vor dem 1.1.2021 endenden Wirtschaftsjahr ablaufen würden. Diese vorübergehende Verlängerung erfolgt zunächst um ein Jahr.[5]

[1] R 6 Abs. 4 Satz 4 EStR
[2] Vgl. Kulosa, in Schmidt, EStG, 40. Auflage 2021, § 6 Rz. 113.
[3] R 6 Abs. 4 Satz 5 EStR
[4] Vgl. Kulosa, in Schmidt, EStG, 40. Auflage 2021, § 6 Rz. 113.

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