Reverse Charge bei Bauleist... / Zusammenfassung

Der Übergang der Steuerschuldnerschaft auf den Leistungsempfänger bei Bauleistungen wurde bereits mit Wirkung zum 1.10.2014 durch das sog. "Kroatien-Gesetz"[1] geändert. Seitdem kommt es nicht mehr darauf an, dass der Leistungsempfänger die bezogenen Leistungen konkret zur Ausführung von Bauleistungen verwendet. Vielmehr ist der Leistungsempfänger bereits dann Steuerschuldner, wenn er als Unternehmer selbst nachhaltig entsprechende Leistungen erbringt. Davon ist auszugehen, wenn ihm das zuständige Finanzamt einen "Nachweis zur Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers bei Bauleistungen" (Bescheinigung) erteilt. Insbesondere Subunternehmer sollten regelmäßig auf die Vorlage der Bescheinigung durch ihren Auftraggeber drängen bzw. andernfalls ihre Leistungen zuzüglich gesondert ausgewiesener Umsatzsteuer abrechnen. Klassische Bauträger gelten  in vielen Fällen nicht (mehr) als bauleistende Unternehmer, sie dürfen diese Problematik jedoch nicht aus den Augen verlieren. Innerhalb eines Organkreises muss genau geprüft werden, welche (Organ-)Gesellschaften Bauunternehmer sind bzw. an wen Bauleistungen erbracht wurden, weil hier nicht auf die Organschaft als solche abzustellen ist. In der Praxis kommt es ganz wesentlich darauf an, dass betroffene Unternehmen rechtzeitig bei ihrem Finanzamt eine Bescheinigung zum Nachweis der Steuerschuldnerschaft gegenüber ihren Geschäftspartnern beantragen und diese auch aktiv verwenden. Steuerliche Berater müssen dies besonders im Blick haben.

Hinweis: Durch das Corona-Steuerhilfegesetz II wird vorübergehend der allgemeine Umsatzsteuersatz von 19 % auf 16 % und der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 % auf 5 % reduziert. Da die Senkung der Steuersätze nur befristet vom 1.7.2020 bis 31.12.2020 gilt, wurde sie in diesem Beitrag nicht berücksichtigt. Informationen zu den Auswirkungen der Steuersatzänderung finden Sie im Beitrag "Absenkung des Umsatzsteuersatzes 2020: Herausforderungen für die Praxis".

[1] Gesetz zur Anpassung des nationalen Steuerrechts an den Beitritt Kroatiens zur EU und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften – KroatienG – v. 25.7.2014, BGBl 2014 I S. 1266.

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