Zusammenfassung

 
Überblick

Ziel dieses Beitrags ist es, Jahresabschlusserstellern bei der Rechnungslegung für Versorgungsleistungen an Arbeitnehmer unterstützende Informationen zur Wahl des maßgeblichen Rechnungszinses und der erwarteten langfristigen Inflationsrate im Euroraum zum Jahresende 2015 zur Verfügung zu stellen sowie über aktuelle Entwicklungen bei den Rechnungslegungsstandards zu informieren.

I. Einleitung

Bekanntlich sind zu jedem Bilanzstichtag anhand der dann geltenden Marktverhältnisse und Einschätzungen die für die Bewertung nach IAS 19 und ASC 715 maßgeblichen Parameter zu überprüfen und ggf. neu festzulegen. Das Annahmenpaket umfasst neben dem Rechnungszins regelmäßig auch die künftige Anpassung laufender Rentenzahlungen, Erhöhungen der Anwartschaften, sowie die biometrischen Wahrscheinlichkeiten wie Sterblichkeits- und Fluktuationsraten und Annahmen zum Pensionierungsverhalten der Mitarbeiter.

Von größter Bedeutung im Hinblick auf die Höhe des Verpflichtungsumfangs sind regelmäßig die Bewertungsannahmen "Rechnungszins" und "erwartete langfristige Inflation" auf die im Rahmen dieser jährlichen Beitragsreihe daher erneut ein Schwerpunkt gelegt wird. Bezüglich einer Beschreibung des gegenüber dem Vorjahr unveränderten Zinsverfahrens der Verf. ("RATE:Link") und des Inflationskurvenverfahrens wird dabei auf die Artikel der beiden Vorjahre verwiesen[1].

[1] Vgl. Fodor/Gohdes, BB 2014, 2987, und Fodor/Gohdes/Knußmann, BB 2013, 2987.

II. Anforderungen aus IFRS und US-GAAP an die Bewertungsparameter

Der Rechnungszins gemäß IFRS und US-GAAP soll sich an der Umlaufrendite "hochwertiger Unternehmensanleihen" (high quality corporate bonds) orientieren, die die gleiche Laufzeit haben und in gleicher Währung lauten wie die zu bewertenden Versorgungsverpflichtungen.[2] Dabei sind die Verhältnisse am Bilanzstichtag zugrunde zu legen. In der Praxis wurde spätestens seit einer Verfügung der US-Börsenaufsicht SEC aus dem Jahr 1993,[3] unter "hochwertig" mindestens ein AA-Rating[4] verstanden. Diese Vorgabe aus US-GAAP wurde zwischenzeitlich durch die Festlegung von "High Quality" als absolutem Qualitätsbegriff vom IFRS Interpretation Committee (IFRS IC) als auch dem IASB implizit bestätigt.[5]

[2] Vgl. ASC 715-30-35-44, IAS 19.83.
[3] Vgl. US-GAAP ASC 715-20-S99.
[4] Ein AA-Rating als zweithöchste Bonitätseinstufung der Ratingagenturen Standard & Poor's, Fitch Ratings oder DBRS entspricht einem Aa-Rating gem. Moody's.
[5] Vgl. IFRIC Update vom Juli 2013, abrufbar unter media.ifrs.org/2013/IFRIC/July/IFRIC-Update-July-2013.pdf (Abruf: 10.11.2015).

III. Aktuelle Rahmenbedingungen und Entwicklungen

1. Geldpolitische Rahmenbedingungen für Rechnungszins und Inflation

Dominierender Faktor für das Zins- und Inflationsgeschehen in der Eurozone in 2015 war sicherlich das zunächst auf März 2015 bis September 2016 befristete Programm der Europäischen Zentralbank zum Kauf von Staatsanleihen (quantitative easing – QE). Hauptziel des QE-Programms, so die EZB, sei die Bekämpfung der deflationären Tendenzen in der Eurozone. Im Dezember 2015 soll die Geldpolitik der EZB erneut überprüft werden, auch eine weitere Senkung des ohnehin bereits negativen Einlagenzinses sei zu diesem Zeitpunkt möglich.

Im Verlauf des Jahres 2015 rückte die sich erneut zuspitzende griechische Staatsschuldenkrise zunehmend in den Blickpunkt der Märkte. Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone ("Grexit") erschien nicht wenigen Beobachtern nahezu unvermeidlich. Schließlich gelang Mitte Juli doch noch eine Einigung auf die Rahmenbedingungen für ein drittes Hilfsprogramm.

In den Vereinigten Staaten wird nach dem Auslaufen des dritten Anleihenkaufprogramms (quantitative easing 3 – QE3) der US-Notenbank FED heftig über den Anhebungszeitpunkt der bereits seit 2008 auf einem Rekordtief befindlichen US-Leitzinsen spekuliert. Im September 2015 wurde die lang erwartete Zinswende aufgrund der Sorge um die niedrige US-Inflationsrate und zur Vermeidung möglicher Turbulenzen an den Finanzmärkten erst einmal vertagt.

In Großbritannien hat die Bank of England in 2015 den Leitzins ebenfalls auf seinem historisch niedrigen Niveau belassen. Die chinesische Zentralbank senkte zur Bekämpfung der anhaltenden Konjunkturschwäche am 23.10.2015 zum sechsten Mal seit November 2014 den Leitzins. China scheint somit ebenfalls in den von oben erwähnten Nationen und Währungszonen bereits praktizierten geldpolitischen Zyklus aus Leitzinssenkung, Quantitative Easing und versuchter Normalisierung eingestiegen zu sein.

2. Entwicklung des Rechnungszinses im Jahr 2015

Unter den Rahmenbedingungen des global weiter anhaltenden Niedrigzinsumfelds ist es nicht verwunderlich, dass sich auch die Umlaufrenditen der für die Zinsfestlegung maßgeblichen hochwertigen Unternehmensanleihen im Laufe des Jahres 2015 in den meisten Industrienationen nicht wirklich erholen konnten. Im ersten Quartal 2015 ging es mit dem internationalen Rechnungszins weiter bergab.

Demnach betrug der Zinsrückgang in der Eurozone von Dezember 2014 bis März 2015 weitere 60 bis 70 Basispunkte. Sicherlich hat das QE-Programm der EZB zu dieser weiteren Zinserosion in der Eurozone maßgeblich beigetragen.

In dieser Zeit sank zudem die Rendite vereinzelter AA-Unternehmensanleihen bis in den negati...

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