Ist der Leistungsempfänger Unternehmer, schuldet er in folgenden Fällen die Umsatzsteuer:

  • Der Unternehmer erhält in Deutschland von einem Ausländer (EG oder sonstiges Drittland) eine Werklieferung oder sonstige Leistung.
  • Der Sicherungsnehmer erhält die sicherungsübereigneten Gegenstände vom Sicherungsgeber außerhalb des Insolvenzverfahrens.
  • Grundstückserwerbe
  • Bauleistungen (= Werklieferungen und sonstige Leistungen, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dienen, mit Ausnahme von Planungs- und Überwachungsleistungen).[1] Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang auch die mögliche Verpflichtung zum Einbehalt der Bauabzugssteuer nach § 48b EStG.
  • Lieferungen von Gas und Elektrizität eines im Ausland ansässigen Unternehmers
  • Umsätze mit Emissionen
  • Umsätze mit werthaltigen Abfällen
  • Gebäudereinigung
  • Lieferungen von Gold (ohne Schmuck)
  • Lieferung von Mobilfunkgeräten, Tablet-Computern, Spielekonsolen und integrierten Schaltkreisen (Elektronik Bausteinen), wenn das Entgelt für die Bestellung mindestens 5.000 EUR beträgt
  • Lieferung von bestimmten Metallen und Edelmetallen[2]

Die Rechnung muss zwingend die Angabe "Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers" enthalten. Bei grenzüberschreitenden Umsätzen will die Bundesregierung auch den englischen Begriff "Reverse-Charge" akzeptieren.

In der Rechnung muss man die Steuernummer bzw. USt-IdNr. aufführen und auf die Steuerpflicht des Leistungsempfängers hinweisen.[3] Steuersatz und Umsatzsteuer dürfen nicht angegeben werden.[4]

Wird eine Abrechnung durch Gutschrift über eine sonstige Leistung[5] vereinbart, die im Inland ausgeführt wird und für die der Leistungsempfänger die Steuer schuldet, ist der Leistende verpflichtet, bis zum 15. des dem Umsatz folgenden Monats eine Rechnung auszustellen.[6]

 
So buchen Sie richtig

Rechnungsverbuchung bei Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers

Der deutsche Unternehmer D lässt die Hofeinfahrt seines Betriebs in Passau vom Österreicher Ö (bzw. Schweizer CH) pflastern. Der Pflasterer bringt die Steine aus seiner Heimat mit und rechnet 10.000 EUR ab.

D bucht:

Buchungsvorschlag SKR 03: Buchung Bauleistung

 

Konto

SKR 03 Soll
Konten-Bezeichnung

Betrag

EUR

Konto

SKR 03 Haben
Konten-Bezeichnung

Betrag

EUR
0100 Grundstück Hofeinfahrt 10.000      
1570 Abziehbare Vorsteuer 1.900      
      1200 Bank 10.000
      1770 Umsatzsteuer 1.900

Buchungsvorschlag SKR 04: Buchung Bauleistung

 

Konto

SKR 04 Soll
Konten-Bezeichnung

Betrag

EUR

Konto

SKR 04 Haben
Konten-Bezeichnung

Betrag

EUR
0250 Grundstück Hofeinfahrt 10.000      
1400 Abziehbare Vorsteuer 1.900      
      1800 Bank 10.000
      3800 Umsatzsteuer 1. 900
 
Achtung

Vorsteuerabzug bei Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers

Führt D teilweise/nur steuerfreie Umsätze aus, die den Vorsteuerabzug ausschließen, kann er die Vorsteuer nur teilweise/nicht abziehen. Die Umsatzsteuer ist dennoch zu entrichten!

Lässt D die Hofeinfahrt seines Einfamilienhauses pflastern, wird diese Leistung nicht für sein Unternehmen ausgeführt – ein Vorsteuerabzug ist nicht möglich. Gleichwohl gilt § 13b Abs. 2 Satz 2 UStG, wonach D aufgrund seiner Unternehmereigenschaft die Umsatzsteuer schuldet.

D bucht:

Buchungsvorschlag SKR 03: Buchung Bauleistung für Privat

 

Konto

SKR 03 Soll
Konten-Bezeichnung

Betrag

EUR

Konto

SKR 03 Haben
Konten-Bezeichnung

Betrag

EUR
1800 Privat 11.900      
      1200 Bank 10.000
      1770 Umsatzsteuer 1.900

Buchungsvorschlag SKR 04: Buchung Bauleistung für Privat

 

Konto

SKR 04 Soll
Konten-Bezeichnung

Betrag

EUR

Konto

SKR 04 Haben
Konten-Bezeichnung

Betrag

EUR
2100 Privat 11.900      
      1800 Bank 10.000
      3800 Umsatzsteuer 1.900

Lösung:

Erteilt die Ehefrau (= Nichtunternehmer-Ehegatte) des D den Auftrag, fällt keine Umsatzsteuer an.

[1] Bitte beachten Sie den ab 1.10.2014 modifizierten § 13b UStG sowie das dazugehörige BMF, Schreiben v. 31.7.2014, IV A 3 – S 0354/14/10001/IV D 3 – S 7279/11/10002 , BStBl 2014 I S. 1073.
[2] Bitte beachten Sie § 13b Abs. 5 UStG (Anwendungs- bzw. Ausschlusstatbestände).

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