Lohnsteuerermäßigungsverfah... / 2 Steuerklasse II: Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

2.1 Steuerfreie Entlastungsbeträge für Alleinerziehende

Alleinerziehende können für die Besteuerung nicht den Splittingtarif wählen und haben deshalb auch nicht die Möglichkeit des Lohnsteuerabzugs nach der Steuerklasse III.[1]"Echten" Alleinerziehenden gewährt der Gesetzgeber zum Ausgleich der erziehungsbedingten Mehraufwendungen einen Steuerentlastungsbetrag.[2] Dieser Freibetrag für Alleinerziehende beträgt 1.908 EUR. Für das zweite und jedes weitere Kind, das zum Haushalt des Alleinerziehenden gehört, wird ein zusätzlicher Freibetrag von 240 EUR gewährt.[3]

 
Wichtig

2.100-EUR-Erhöhungsbetrag zum Steuerentlastungsbetrag für Alleinerziehende

Durch das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz wird für die Jahre 2020 und 2021 zur Abmilderung der durch die Corona-Pandemie bei Alleinerziehenden entstandenen Mehrbelastungen ein zusätzlicher Freibetrag von 2.100 EUR eingeführt, der Arbeitnehmern mit der Steuerklasse II zusätzlich zum Steuerentlastungsbetrag von 1.908 EUR gewährt wird.[4] Der jährliche Gesamtentlastungsbetrag berechnet sich befristet auf 2 Jahre mit 4.108 EUR für Alleinstehende, zu deren Haushalt mindestens ein Kind gehört, für das dem Arbeitnehmer der Kinderfreibetrag oder Kindergeld zusteht. Der Erhöhungsbetrag von 240 EUR für jedes weitere zum Haushalt des Alleinerziehenden gehörenden Kindes bleibt unverändert.

Der (Grund-)Freibetrag wird im Rahmen des Lohnsteuerabzugsverfahrens durch die Steuerklasse II[5] berücksichtigt.[6] Die erstmalige Gewährung der Steuerklasse II ist im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren beim Wohnsitzfinanzamt zu beantragen.

Über die Steuerklasse II kann aber nur der Grund-Entlastungsbetrag von 1.908 EUR für das erste Kind berücksichtigt werden. Der "Corona-Erhöhungsbetrag" von 2.100 EUR ist als zusätzlicher Freibetrag ausgestaltet und deshalb neben der Steuerklasse II als ELStAM beim Wohnsitzfinanzamt zu beantragen. Dasselbe gilt für den Zusatz-Entlastungsbetrag von 240 EUR für jedes weitere haushaltszugehörige Kind, der ebenfalls als Freibetragstatbestand in das Lohnsteuerermäßigungsverfahren aufgenommen ist.[7] Der Arbeitnehmer, dem ein erhöhter Entlastungsbetrag für Alleinerziehende zusteht, kann also bei seinem Wohnsitzfinanzamt die Bescheinigung eines Freibetrags von 240 EUR in der ELStAM-Datenbank für das zweite und jedes weitere Kind, das zu seinem Haushalt gehört, beantragen. Der Freibetrag wird für einen Zeitraum von bis zu 2 Kalenderjahren als ELStAM bescheinigt. Die für bestimmte Ermäßigungsgründe zu beachtende Antragsgrenze von 600 EUR findet keine Anwendung. Die Bescheinigung des Erhöhungsbetrags von 240 EUR für das zweite und jedes weitere Kind im Lohnsteuerermäßigungsverfahren bewirkt nicht, dass der Arbeitnehmer zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung nach Ablauf des Jahres verpflichtet ist.[8]

 
Hinweis

Vereinfachtes Antragsverfahren für Corona-Entlastungsbetrag

Der 2.100-EUR-Erhöhungsbetrag kann auch ohne formelle Antragstellung im Lohnsteuerermäßigungsverfahren dem Alleinerziehenden mit der Steuerklasse II als Freibetrag in seinen ELStAM-Daten bescheinigt werden. Der Gesetzgeber räumt dem Wohnsitzfinanzamt die Befugnis ein, von Amts wegen für den Erhöhungsbetrag von 2.100 EUR einen Freibetrag in die ELStAM einzutragen. Zulässig ist damit auch die "Eintragung auf Zuruf", die ohne Verwendung des amtlichen Antragsformular (Hauptvordruck mit Anlage Kind) den zusätzlichen Steuerentlastungsbetrag für Alleinerziehende für das Lohnsteuerverfahren ermöglicht. Der beantragte Zusatz-Entlastungsbetrag wird auf die restlichen Monate des Jahres verteilt. Bei einer Eintragung ab August beträgt der monatliche Freibetrag 420 EUR (2.100 EUR : 5 Monate), der vom steuerpflichtigen Arbeitslohn abgezogen wird. Die Bescheinigung erfolgt für 2 Jahre, soweit die Steuerklasse II für 2020 und 2021 Gültigkeit hat. Wenn bei anspruchsberechtigten Arbeitnehmern im Einzelfall die Eintragung eines Freibetrags unterbleibt, kann die Entlastung für Alleinerziehende im Rahmen der späteren Einkommensteuerveranlagung 2020 immer noch nachgeholt werden. Der Freibetrag wegen Erhöhung des (Grund-)Entlastungsbetrags führt – wie der Erhöhungsbetrag von 240 EUR für jedes weitere Kind – nicht zu einer Pflichtveranlagung.

Die Finanzämter haben in zahlreichen Fällen im August 2020 den Corona-Entlastungsbetrag von Amts wegen bescheinigt, wenn in den ELStAM-Daten des Arbeitnehmers zu diesem Stichtag die Steuerklasse II hinterlegt war. Für Arbeitnehmer, die erstmals ab August 2020 die Voraussetzungen für die Steuerklasse II erfüllen, empfiehlt es sich, sorgfältig zu prüfen, ob der zusätzliche Entlastungsbetrag beim Lohnsteuerverfahren 2020 zum Abzug gekommen ist. Ist dies nicht der Fall, bleibt die Möglichkeit durch Abgabe einer Einkommensteuererklärung für das Jahr 2020 den Steuerfreibetrag von 2.100 EUR nachzuholen. Wenn erstmals im Jahr 2021 ein berücksichtigungsfähiges Kind zum Haushalt des Alleinerziehenden gehört, ist für den Abzug des Entlastungsbetrags i. H. v. insgesamt 4.108 EUR bei der Lohnabrechung ebenfalls eine Antragsstellung erforderlich. In diesem Fall sind ...

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