Lieferantenbeurteilungssystem / 5 Auswirkungen und Folgemaßnahmen der Lieferantenbeurteilung

Die Lieferantenbewertung wird den Waren und Dienstleistungen, die man vom Lieferanten kauft, gegenübergestellt. Weiterhin vergleicht man, wie die Lieferanten gleicher oder ähnlicher Waren bewertet wurden. Wichtig: Es muss hierbei die Vergleichbarkeit gewährleistet sein. Problematisch ist es, wenn kein anderer Lieferant für die Lieferung zur Verfügung steht. Die Kunden und Verbraucherorganisationen schauen immer kritischer auf den Bereich Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Kein Kunde möchte ein Produkt von einem Unternehmen kaufen, welches in der Öffentlichkeit in Zusammenhang mit Kinderarbeit, umweltbelastenden Produkten oder Dumping-Löhnen steht. Da die Verbraucher die in den Medien angeprangerten Produkte sofort meiden, werden in der Praxis die entsprechenden Lieferanten sofort ausgelistet, die Lieferantenbeziehung wird gekündigt. Hier ist im Vorfeld schon darauf zu achten, dass die Lieferanten entsprechende Verträge mit den Herstellern unterzeichnen, in denen sie sich verpflichten, die Compliance-Regeln einzuhalten. Dies gilt auch für Punkte wie Korruption, Bestechung sowie Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz.

Folgende Maßnahmen lassen sich aus der Lieferantenbewertung ableiten:

  • Reduzierung des Volumens bzw. Trennung von Lieferanten mit schlechter Beurteilung.
  • Mäßige Lieferanten hält man mit konstruktiven Zielvorgaben zu Verbesserungen an. Der Einkauf überprüft regelmäßig die Erfüllung der Zielvorgaben.
  • Gute Lieferanten bekommen ein höheres Auftragsvolumen und werden auf Lieferantentagungen öffentlich ausgezeichnet.
  • Bei monopolistischen Lieferanten sucht man aktiv nach Ersatzlieferanten bzw. versucht, die Waren anderweitig zu ersetzen oder das Teil ganz wegfallen zu lassen.
  • Weiterhin sollte man generell die Anzahl der Lieferanten reduzieren, um die Bestellabwicklungskosten zu senken. Dies ist durch eine Bündelung des Volumens von vorher mehreren Lieferanten auf einen einzigen Lieferanten möglich.

Das folgende Praxisbeispiel zeigt eine Lieferantenstrategie auf Basis der Lieferantenbewertung (s. Abb. 2):

Abb. 2: Lieferantenstrategie auf Basis der Lieferantenbewertung

Auf Basis der Bewertung wurden vom zuständigen Einkäufer gemeinsam mit seinen cross-funktionalen Partnern folgende Entscheidungen getroffen:

  • Der schlechteste Lieferant (Lieferant A) erhält zukünftig keinen Auftrag mehr.
  • Der beste Lieferant (Lieferant E) übernimmt dessen Volumen. Die Lieferbeziehung mit Lieferant E wird somit weiter ausgebaut.

Durch die Lieferantenbeurteilung werden bei Lieferantenverhandlungen die Bewertungsergebnisse stark versachlicht. Der Einkäufer kann konkret auf Faktenbasis diskutieren und ist weniger mit dem Vorwurf der Preisdrückerei konfrontiert. Der Lieferant hingegen ist in der Verpflichtung, Ideen und Maßnahmen zu präsentieren, wie er die in der Bewertung dokumentierten Schwächen beheben will.

 
Praxis-Tipp

Lieferantenbewertung ermöglicht Maßnahmen

Die Lieferantenbewertung liefert somit die Grundlage für Verhandlungen mit dem Lieferanten und trägt zu einem objektiven Urteil bei.

 
Praxis-Beispiel

Lieferantenbewertung im Mittelstand

Ein mittelständischer Hersteller von hochwertigen Elektronikteilen begann damit, seine rund 750 Lieferanten zu reduzieren. Auf Basis einer definierten Bewertungssystematik wurden die Kernlieferanten bewertet und in der Folge die übrigen Lieferanten reduziert. War bis zu diesem Zeitpunkt der Preis das weitgehend einzige Kriterium für die Lieferantenentscheidung, so kamen nun Qualität, Logistik und Technologie hinzu. Wie sich zeigte, konnte man dadurch beispielsweise in der Warengruppe Kunststoffspritzguss die über 20 Lieferanten drastisch reduzieren. Das Volumen hat man auf Vorzugslieferanten gebündelt, was deutliche Einsparungen zur Folge hatte. Im ersten Jahr wurde eine Materialkostenreduktion von 20 % angestrebt. Durch die Verringerung der Lieferantenanzahl sank außerdem der Betreuungsaufwand im Einkauf.

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