1.1 Übersicht Umsatzsteuer- und Vorsteuerpauschalierungen

Für die im Rahmen eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebs ausgeführten Umsätze[1] gelten – abweichend von der Regelbesteuerung – folgende Steuersätze und festgelegte Vorsteuersätze:

 
Art der Umsätze[2] Umsatzsteuersatz Vorsteuer Zahllast
Nr. 1: Lieferung (und Eigenverbrauch) von forstwirtschaftlichen Erzeugnissen, ausgenommen Sägewerkserzeugnissen[3] 5,5 5,5 0
Nr. 2: Lieferungen (ausgenommen Ausfuhrlieferungen und Umsätze im Ausland) in der Anlage 2 (zu § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG) nicht aufgeführter Sägewerkserzeugnisse und Getränke[4] sowie (sonstige) Verzehrleistungen z. B. in sog. Straußwirtschaften 19[5] 10,7 8,3[6]
Nr. 3: Übrige landwirtschaftliche Umsätze (z. B. Getreide, Vieh, Fleisch, Milch, Obst, Gemüse, Eier)[7] 10,7 10,7 0
Lieferungen und Eigenverbrauch der in der Anlage 2 aufgeführten Sägewerkserzeugnisse (z. B. Schnittholzabfälle, Hobel-, Hack- und Sägespäne) 10,7 10,7 0
Ausfuhrlieferung und im Ausland bewirkte Umsätze der in der Anlage 2 nicht aufgeführten Sägewerkserzeugnisse und Getränke[8] 10,7 10,7 0

Nur bei den Umsätzen nach § 24 Abs. 1 Nr. 2 UStG ergibt sich für den leistenden Land- und Forstwirt eine Zahllast von 8,3 %[9]; bei allen anderen Umsätzen ergibt sich keine Zahllast gegenüber dem Finanzamt. Jedoch hat der unterschiedliche Steuersatz Bedeutung für den unternehmerischen Abnehmer, der z. B. bei § 24 Abs. 1 Nr. 3 UStG einen höheren Vorsteuerabzug erhält; insoweit liegt eine "Subvention" des Staates für die Land- und Forstwirtschaft vor.

 
Praxis-Beispiel

Regelfall: Keine Umsatzsteuerlast

Landwirt L verkauft eine Kuh für 1.000 EUR an den Viehhändler V. V erteilt dem L darüber eine Gutschrift über 903,34 EUR zzgl. 96,66 EUR (10,7 % nach § 24 Abs. 1 Nr. 3 UStG).

L kann von der für seine Lieferung geschuldeten 96,66 EUR Umsatzsteuer eine pauschalierte Vorsteuer in gleicher Höhe abziehen, sodass er gegenüber dem Finanzamt keine Zahllast hat. V erhält vom Finanzamt den Vorsteuerabzug i. H. v. 96,66 EUR.

Allerdings kann der Land- und Forstwirt keinen höheren Vorsteuerabzug geltend machen, als er selbst nach den Durchschnittssätzen des § 24 UStG Umsatzsteuer schuldet. Deshalb kann es einen Vorsteuerüberschuss zu seinen Gunsten im Rahmen des § 24 UStG nicht geben.

 
Praxis-Tipp

Verzicht auf Durchschnittssatzbesteuerung in bestimmten Fällen sinnvoll

Tätigt der Landwirt daher erhebliche Investitionen (Stallbau usw.) mit einem hohen Vorsteuerabzug, sollte er auf die Anwendung der Durchschnittssatzbesteuerung verzichten.[10]

[1]

S. Abschnitt 2.

[3]

S. Abschnitt 1.2.

[4]

S. Abschnitt 1.3.

[5] Vom 1.7.2020 – 31.12.2020: 16 % (§ 28 Abs. 3 UStG).
[6] Vom 1.7.2020 – 31.12.2020: 5,3 %.
[7]

S. Abschnitt 1.4.

[8]

S. Abschnitt 1.5.

[9] Vom 1.7.2020 – 31.12.2020: 5,3 %.
[10]

S. Abschnitt 12.

1.2 Forstwirtschaftliche Erzeugnisse i. S. d. § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG

Unter § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG (Steuersatz + Vorsteuerabzug jeweils 5,5 % = Zahllast 0 EUR) fallen insbesondere folgende im Rahmen der Forstwirtschaft anfallende Erzeugnisse[1]:

Stammholz (Stämme und Stammteile), Schwellenholz, Stangen, Schichtholz, Industrieholz, Brennholz, sonstiges Holz (z. B. Stockholz, Pfähle, Reisig) und forstliche Nebenerzeugnisse wie Forstsamen, Rinde, Baumharz, Weihnachtsbäume, Schmuckgrün, Waldstreu, Pilze und Beeren.

 
Wichtig

Höherer Vorsteuerabzug für Erzeugnisse aus Sonderkulturen

Die Lieferungen von Erzeugnissen aus Sonderkulturen außerhalb des Waldes (z. B. Weidenbau, Baumschule, Obst- oder Weihnachtsbaumkultur, Schmuckreisig) sowie die Lieferung von sog. "Energieholz" zur Biomasseerzeugung aus sog. Kurzumtriebsplantagen (KUP) unterliegen als eigenständige Umsätze dem § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 UStG (Steuersatz + Vorsteuerabzug jeweils 10,7 % = Zahllast 0 EUR). Dies hat den Vorteil, dass unternehmerische Leistungsempfänger hieraus einen Vorsteuerabzug von 10,7 % erhalten (statt nur 5,5 %).

Holz aus Parkanlagen sowie Flurholz außerhalb des Waldes und Alleebäume, Grenzbäume u. Ä. rechnen nicht zur Forstwirtschaft i. S. d. § 24 UStG.

Wird Energie- oder Industrieholz von der Erntemaschine als Holzhackschnitzel aufgearbeitet, handelt es sich (noch) um ein landwirtschaftliches Erzeugnis (Durchschnittssatz 10,7 %). Erfolgen weitere Bearbeitungen (Trocknung, Pressen zu Pellets) gehört die Abgabe des fertigen Erzeugnisses nicht mehr in die Durchschnittsbesteuerung des § 24 UStG; evtl. greift der ermäßigte Steuersatz nach § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i. V. m. Nr. 48 Buchst. a der Anlage 2 zum UStG.

1.3 Erzeugnisse i. S. d. § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 UStG

Bei den in § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 UStG aufgezählten Erzeugnissen beträgt der Steuersatz 19 %[1] und der Vorsteuerabzug 10,7 %. Somit ergibt sich eine Zahllast 8,3 %[2] für den Lieferer. Zu den in der Anlage 2 des UStG nicht aufgeführten[3]

  • Sägewerkserzeugnissen i. S. d. § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 UStG gehören insbesondere Balken, Bohlen, Kanthölzer, besäumte und unbesäumte Bretter sowie Holzwolle und Holzmehl.
  • Getränken und alkoholischen Flüssigkeiten i. S. d. § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 UStG zählen insbesondere Wein, Obstwein und andere alkoholische Getränke, Traubenmost, Frucht- und Gemü...

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