Tz. 1

Stand: 22. Auflage – ET: 10/2018

Nach § 143 FGO hat das Gericht mit Beendigung des Verfahrens bzw. eines selbstständigen Verfahrensabschnitts von Amts wegen eine Kostenentscheidung zu treffen, die sog. Kostengrundentscheidung. Es handelt sich um die Entscheidung, wer die Kosten des Rechtsstreites zu tragen hat; bei mehreren Kostenpflichtigen (§ 31 Abs. 1 GKG, § 136 Abs. 1 FGO), nach welchem Schlüssel sich die Kostenpflicht verteilt (Bruchteile, feste Beträge und restliche Kostenlast). Über die anzusetzenden Beträge (§ 139 FGO) wird im Kostenansatz- bzw. Kostenfestsetzungsverfahren entschieden (§ 19 GKG bzw. § 149 FGO). Die Kostengrundentscheidung bildet den Titel für die Kostenfestsetzung nach § 149 Abs. 1 FGO (§ 155 Satz 1 FGO i. V. m. § 103 Abs. 1 ZPO; § 149 FGO Rz. 1; zu alledem s. Vor § 135 FGO Rz. 30).

 

Tz. 2

Stand: 22. Auflage – ET: 10/2018

Die Kostengrundentscheidung ist Bestandteil des Urteils (§ 105 FGO); fehlt sie, muss das Urteil nach § 109 FGO ergänzt werden. Soweit in der Hauptsache kein Urteil ergeht, sei es wegen Rücknahme der Klage (§ 72 FGO), oder wegen Erledigung der Hauptsache (§ 138 FGO), erfolgt die Kostenentscheidung nur unter den Voraussetzungen des § 144 FGO (s. § 144 FGO Rz. 1). Ergeht ein Ruhensbeschluss (§ 155 Satz 1 FGO i. V. m. § 251 ZPO), ergeht darin keine Kostenentscheidung (z. B. BFH v. 21.05.2014, XI R 7/14, BFH/NV 2014, 1225; BFH v. 06.10.2016, IX B 81/16, BStBl II 2017, 196). Das Verfahren nach § 86 Abs. 3 FGO ist grds. ein unselbstständiges Zwischenverfahren ohne eigenständige Kostenentscheidung (BFH v. 25.02.2014, V B 60/12, BStBl II 2014, 478; BFH v. 05.05.2017, X B 36/17, BFH/NV 2017, 1183; a. A. offenbar BFH v. 15.10.2009, X S 9/09, BFH/NV 2010, 54; BFH v. 03.06.2015, VII S 11/15, BFH/NV 2015, 1100; s. § 86 FGO Rz. 7). Dementsprechend ist auch in einer Entscheidung über die Beiladung eine Kostenentscheidung nicht zu treffen (BFH v. 11.01.2018, X R 21/17, BFH/NV 2018, 529; s. Rz. 3).

 

Tz. 2a

Stand: 22. Auflage – ET: 10/2018

Nach dem Grundsatz, dass die Kostenentscheidung für die Kosten des ganzen Prozesses in allen Phasen einheitlich ergeht, bleibt die Entscheidung über die Kosten einer erfolgreichen NZB der Entscheidung über die Revision vorbehalten. Allerdings ist eine unrichtige Entscheidung des FG über die Verfahrenskosten vom BFH im Revisionsverfahren von Amts wegen unabhängig vom Ausgang des Verfahrens gem. § 143 Abs. 1 FGO zu berichtigen (z. B. BHF v. 19.12.2012, XI R 38/10, BStBl II 2013, 1053). Der Grundsatz der Einheitlichkeit der Kostenentscheidung ist auch dann gewahrt, wenn der BFH einen nach Verfahrensabschnitten getrennten Kostenausspruch vornimmt, etwa weil der Kläger zwar in der Revisionsinstanz obsiegt, ihm aber für das Klageverfahren die Kosten nach § 137 Satz 1 FGO aufzuerlegen sind (BFH v. 06.07.2000, VIII R 17/97, BStBl II 2000, 306; BFH v. 30.04.2003, II R 6/01, BFH/NV 2004, 341; BFH v. 24.07.2013, XI R 24/12, BFH/NV 2013, 1920). Entspricht das FA während eines Verfahrens wegen AdV dem Aussetzungsantrag während des Beschwerdeverfahrens vor dem BFH und wird daraufhin die Hauptsache für erledigt erklärt, so ist die Kostenentscheidung vom BFH nach Maßgabe von § 143 Abs. 1 FGO i. V. m. § 138 Abs. 1 FGO zu treffen (BFH v. 10.01.2008, IX S 21/07, juris; BFH v. 29.10.2008, III B 176/07, BFH/NV 2009, 192). Entsprechendes gilt für die Hauptsachenerledigung im Revisionsverfahren (BFH v. 19.11.2008, VI R 80/06, BStBl II 2009, 547). Zur Kostenentscheidung bei Zwischen- und Teilurteilen s. § 97 FGO Rz. 3, s. § 98 FGO Rz. 3 und s. § 99 FGO Rz. 9.

 

Tz. 3

Stand: 22. Auflage – ET: 10/2018

Nach § 143 Abs. 2 FGO kann der BFH dem FG die Kostenentscheidung übertragen, wenn er die Sache zur erneuten Entscheidung zurückverweist, und zwar unabhängig davon, ob die Sache durch Urteil nach § 126 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 FGO oder durch Beschluss nach § 116 Abs. 6 FGO zurückverwiesen wird (BFH v. 23.09.2009, IX B 52/09, BFH/NV 2010, 220; BFH v. 24.06.2014, III B 12/13, BFH/NV 2014, 1581). Weist der BFH in einer einheitlichen, aber mehrere Streitjahre betreffenden Streitsache die Revision zum Teil zurück und hebt er zum anderen Teil das angefochtene Urteil unter Zurückverweisung der Sache an das FG auf, so hat er diesem die Entscheidung über die gesamten Kosten des Revisionsverfahrens zu übertragen (z. B. BFH v. 17.03.2010, IV R 25/08, BStBl II 2010, 622; BFH v. 13.06.2013, III R 10/11, BFH/NV 2013, 1868). Die teilweise Aufhebung und Zurückverweisung bewirkt keine Abtrennung der einzelnen Teile i. S. von § 73 Abs. 1 FGO (BFH v. 14.06.1972, I B 16/72, BStBl II 1972, 707; BFH v. 13.09.2000, I R 61/99, BStBl II 2001, 67). Wenn der BFH über unselbstständige Nebenverfahren entscheidet (Gewährung von Akteneinsicht, Beschwerde eines Beigeladenen gegen den Beiladungsbeschluss), ergeht die Entscheidung über die diesbezüglichen Kosten erst im Rahmen der Entscheidung über die Gesamtkosten des Hauptverfahrens (BFH v. 17.03.2008, IV B 100, 101/07, BFH/NV 2008, 1177; BFH v. 13.07.2009, II B 10/09,...

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