Kirchensteuer / 2.1 Ehegatten-/Lebenspartnerbesteuerung

Der Kirchensteuer unterliegt nur das einzelne Kirchenmitglied. Daraus können Besonderheiten bei der Ehegattenbesteuerung entstehen.

Leben Ehegatten/Lebenspartner in konfessionsgleicher Ehe (beide Partner gehören derselben Kirche an) wird der Kirchensteuersatz im Fall der Zusammenveranlagung auf die gemeinsame Einkommensteuer angewandt, bei der Einzelveranlagung auf die jeweilige Ehegattensteuer.

Bei der konfessionsverschiedenen Ehe (Ehegatten/Lebenspartner sind verschiedenen Kirchen gegenüber steuerpflichtig) bemisst sich die Kirchensteuer unter Anwendung des vollen Steuersatzes bei jedem Ehegatten/Lebenspartner

  • im Fall der Zusammenveranlagung je aus der Hälfte der gemeinsamen Steuerschuld (Halbteilungsgrundsatz) und
  • bei der Einzelveranlagung aus der Steuerschuld für den jeweiligen Ehegatten.

Bei der glaubensverschiedenen Ehe/Lebenspartnerschaft (nur einer der Ehegatten/Lebenspartner ist kirchensteuerpflichtig) bildet Bemessungsgrundlage grundsätzlich nur das Einkommen des Kirchenmitglieds (Individualbesteuerung).

Entscheiden sich die Partner zur Einzelveranlagung wird dieser Grundsatz konsequent eingehalten, d. h. nur das Einkommen des kirchensteuerpflichtigen Ehegatten unterliegt der Kirchensteuerpflicht. Je nach Höhe dieses Einkommens fällt ggf. keine Kirchensteuer an.

Bei der Zusammenveranlagung bildet die Bemessungsgrundlage für die Ermittlung der Kirchensteuer der Einkommensteueranteil des kirchenzugehörigen Partners an der gemeinsamen Steuer. Er wird nach dem Verhältnis der Einkommensteuer ermittelt, wie es sich durch Anwendung der Grundtabelle auf die Summe der Einkünfte eines jeden Ehegatten ergibt. Dieser Betrag wird mit dem besonderen Kirchgeld verglichen, das aus einer Kirchgeldtabelle mit 13 Stufen zu ermitteln ist und zwischen 96 EUR und 3.600 EUR jährlich beträgt. Bemessungsgrundlage für das Kirchgeld bildet das gemeinsame zu versteuernde Einkommen der Ehe- oder Lebenspartner. Es beträgt z. B. in der Stufe 5 bei einem zu versteuernden Einkommen von 75.000 EUR – 87.499 EUR jährlich 540 EUR. Der jeweils höhere Betrag wird im Einkommensteuerbescheid unter Anrechnung der vom kirchenangehörigen Partner erhobenen Kirchenlohnsteuer festgesetzt. Das besondere Kirchgeld kommt zum Tragen, wenn der kirchenangehörige Partner ein geringeres Einkommen als sein Partner oder kein eigenes Einkommen bezieht.

 
Hinweis

Besonderes Kirchgeld

Höchstrichterlich wurde mehrfach entschieden, dass von einem Nichtkirchenmitglied die Erhebung von Kirchensteuer unzulässig ist, weshalb bei der Einzelveranlagung ein besonderes Kirchgeld ausscheidet. Hingegen wird bei der Zusammenveranlagung die Berechtigung für das Kirchgeld darin gesehen, dass der kirchenangehörige Partner infolge des gemeinsamen Ehegatteneinkommens über eine höhere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit verfügt und damit finanziell in der Lage ist, sich an der Finanzierung der kirchlichen Aufgaben in einem höherem Maße zu beteiligen.[1] Das besondere Kirchgeld wird von den evangelischen Landeskirchen, einigen römisch-katholischen Diözesen sowie einigen kleineren Religionsgemeinschaften erhoben. In Bayern wurde die Regelung allgemein ab 2018 abgeschafft. Das besondere Kirchgeld ist keine Annexsteuer zur Einkommensteuer, sondern eine eigenständige Steuer, die auf einem kircheneigenen Steuertarif beruht. Es ist gleichwohl als Sonderausgabe abzugsfähig.[2]

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