Tz. 1

Stand: EL 34 - ET: 2/2018

IFRS 2 befasst sich mit der Bilanzierung anteilsbasierter Vergütungstransaktionen, zu denen nicht nur aktienbasierte, sondern auch sonstige Vergütungen zählen, die abhängig von der Kurs- oder Wertentwicklung von Eigenkapitalinstrumenten des Unternehmens oder eines anderen Konzernunternehmens sind (zur Differenzierung zwischen aktienbasierten und anteilsbasierten Vergütungstransaktionen vgl. Tz. 5 u. 26). Dabei hebt der Standard als zentrales Anliegen hervor, dass er vor allem Klarheit darüber schaffen möchte, wie die Aufwendungen im Zusammenhang mit Transaktionen, bei denen Mitarbeitern Aktienoptionen gewährt werden, zu behandeln sind (IFRS 2.1; IFRS 2.BC30).

 

Tz. 2

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Mit der Verabschiedung von IFRS 2 trug der IASB dem Umstand Rechnung, dass die damit zusammenhängenden Fragen lange Zeit zu den besonders kontrovers und intensiv diskutierten Rechnungslegungsfragen gehörten (vgl. Hoffmann/Lüdenbach, DStR 2004, S. 786 sowie zu den einzelnen Diskussionsinhalten ausführlich IFRS 2.BC29ff.), zu denen folglich auch im Lichte der IFRS eine Leitlinie gefunden werden musste. Das galt umso mehr, als in vielen Unternehmen un­terschiedlichster Größenordnung zunehmend Aktienoptionsprogramme eingeführt wurden (vgl. Heckeler/Lübbig, in: Beck’sches IFRS-Handbuch, 5. Aufl., § 24, Tz. 1). Die Situation bis zur Veröffentlichung des IFRS 2 wurde deshalb folgerichtig als (gravierende) Regelungslücke empfunden (vgl. Hasenburg/Seidler, in: Löw (Hrsg.), Rechnungslegung für Banken nach IFRS, S. 791).

 

Tz. 3

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Die weite Verbreitung anteilsbasierter Vergütungsformen, die in Deutschland erst Mitte der 90er-Jahre begann (vgl. Sauter/Babel, in: Kessler/Sauter (Hrsg.), Handbuch Stock Options, 2003, Tz. 1), ist vor dem Hintergrund des Shareholder-Value-Ansatzes und der Diskussion zur Entschärfung des Principal-Agent-Konflikts zu sehen (vgl. dazu ua. Sauter/Babel, in: Kessler/Sauter (Hrsg.), Handbuch Stock Options, Tz. 3ff. und Tz. 11ff. mwN; Simons, 2002, S. 50ff.). Inzwischen hat das Thema etwas an Brisanz eingebüßt, da aufgrund anhaltender Kritik an exorbitanten Managergehältern konventionellere Vergütungsformen nach und nach wieder in den Vordergrund gerückt sind. Auch eine gewünschte Eindämmung solcher nicht erwünschter Auswüchse schließt freilich die Verwendung anteilsbasierter Vergütungsformen nicht per se aus, sondern ist vielmehr als Motivation zu verstehen, alternative (restriktivere) Ausgestaltungen zu finden. Im Übrigen sah sich der deutsche Gesetzgeber anlässlich der Finanzmarktkrise veranlasst, im Juni 2009 durch das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG) auch rechtlich die Möglichkeiten zur Ausgestaltung von Aktienoptionsplänen einzuschränken (z. B. durch Verlängerung der Sperrfrist; vgl. Tz. 44).

 

Tz. 4

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Es ist zudem festzustellen, dass neben generellen Bedenken zur Entwicklung der Managergehälter vor allem die sich international (IASB, FASB) – trotz dogmatischer Bedenken – etablierte aufwandswirksame (dh. ergebnisbelastende) Buchung anteilsbasierter Vergütungen (IFRS 2.1; zur Auseinandersetzung mit potentiellen Einwänden vgl. IFRS 2.BC29ff.) dazu beigetragen hat, über Alternativen zu klassischen Stock Options nachzudenken (vgl. beispielhaft Hasbargen/Stauske, BB 2004, S. 1157f., die im Übrigen seinerzeit zutreffend prognostizierten: "Aktienbasierte Vergütung wird weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Gesamtvergütung – insb. für Führungskräfte – bleiben."). Insoweit kann das Bilanzrecht auch als Vehikel gesehen werden, gesellschaftspolitisch unerwünschten Entwicklungen entgegenzuwirken (idS zB Heimbürger, WPg 2008, S. 117).

 

Tz. 5

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Obgleich die amtliche deutsche Übersetzung von IFRS 2 (vgl. EG-VO Nr. 211/­2005) mit Ausnahme der Überschrift durchgehend von "aktienbasierten Vergütungsformen" spricht, ist wohl unstrittig, dass diese Übersetzung von "share-based payment" zu eng und damit irreführend ist. Vielmehr betrifft IFRS 2 prinzipiell jedwede "anteilsbasierte Vergütung"; eine Begrifflichkeit, die auch im Rahmen der vorliegenden Kommentierung präferiert und auch in der von der IFRS Stiftung herausgegebenen deutschen Übersetzung von IFRS 2 verwendet wird.

 

Tz. 6

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Dem IFRS 2 waren zunächst ein vom IASB als Diskussionspapier veröffentlichtes Positionspapier der G4+1 vom Juli 2000, das sich im Wesentlichen an SFAS 123 orientierte (vgl. dazu Roß/Baumunk, in: Kessler/Sauter (Hrsg.), Handbuch Stock Options, 2003, Tz. 275ff.), sowie ein am 7. November 2002 veröffentlichter Entwurf (ED 2) (vgl. dazu ua. Roß/Baumunk, KoR 2003, S. 29ff.; Roß/Baumunk, in: Löw (Hrsg.), Rechnungslegung für Banken nach IAS, 2003, S. 621ff.) vorausgegangen, die indes beide inhaltlich zT erheblich von dem späteren, am 19. Februar 2004 veröffentlichten IFRS 2 abweichen. Am 4. Februar 2005 wurde IFRS 2 durch die EG-VO Nr. 211/2005 der Kommission in das europäische Recht übernommen, womit zugleich die Vorla...

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