Anwendungssoftware als "Normalfall"

IT-Controller sind es gewohnt, sich mit der Einführung neuer Anwendungssysteme oder der Erweiterung oder Anpassung von bereits genutzter Anwendungssoftware zu beschäftigen. Hier kommen regelmäßig Fragen zu Budgets, Terminen, Inhalten, Risiken und für die Durchführung der Maßnahmen notwendigen Ressourcen im Rahmen des vom Controlling zu verantwortenden IT-Portfoliomanagements auf die Agenda. Wenn Anwendungssoftware (z. B. Personalwesen, Rechnungswesen, Vertrieb) vom Softwareanbieter "außer Betrieb" genommen wird, also die offizielle Wartung beendet wird, sind die Fachbereiche in den Unternehmen i. d. R. wegen der fachlichen Auswirkungen (z. B. keine Updates mehr für Gesetzesänderungen in der Sozialversicherung bei Personalsoftware) involviert und das IT-Controlling ist im Rahmen des Software-Life-Cycle-Managements ebenfalls beteiligt.

Betriebssystem wird von Herstellern eingestellt

"Zeitbombe" Betriebssysteme

Besonders spannend wird es aber in vielen Unternehmen, wenn Betriebssysteme von den Herstellern "außer Betrieb" genommen werden. Fachanwender und auch IT-Controller beschäftigen sich weniger intensiv oder gar nicht mit Betriebssystemen, da diese naturgemäß kaum im Fokus der Fachabteilungen stehen und Teil der IT-Infrastruktur sind. In vielen Unternehmen ticken "Zeitbomben" in Form veralteter Betriebssysteme, die keiner regelmäßigen Wartung durch den Softwarehersteller mehr unterliegen und dennoch für betriebliche Zwecke weiter genutzt werden. Sie bilden die technische Basis für hierauf aufsetzende Anwendungssoftware.

Aktuelle Beispiele: Windows XP und Windows Server 2003

Diese Fragestellung ist hochaktuell und betrifft derzeit vor allem weit verbreitete Betriebssysteme der Firma Microsoft. Ein etwas älteres Beispiel ist das bereits außerhalb der Wartung befindliche Betriebssystem "Windows XP",[1] das mehrheitlich auf Endgeräten zum Einsatz kam und nach wie vor noch von vielen Unternehmen genutzt wird.[2] Als jüngstes Beispiel kommt das Serverbetriebssystem "Windows Server 2003" hinzu.[3] Es stellt die technische Grundlage für viele operative und dispositive Anwendungen (Logistik, Vertrieb, Buchhaltung o. Ä.) und damit eine willkommene Gelegenheit für "unerbetene Gäste" oder Angriffe von innen oder außen. Fehlerquellen im Betriebssystem können ungewollte Auswirkungen auch in der Anwendungssoftware nach sich ziehen.

Der vorliegende Beitrag greift zentrale Aspekte einer aktuellen Studie der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg auf,[4] thematisiert die aus dieser Situation resultierenden Risiken und zeigt Handlungsempfehlungen für den IT-Controller auf.

[1] Microsoft, 2014b.
[2] Redaktion ICT, 2014.
[3] Microsoft, 2014a.
[4] Gadatsch, 2014.

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