Inventur: Bewertung und Buc... / 2 Bewertung der Vorräte nach 2 Grundsätzen

2.1 Grundsatz der Einzelbewertung

Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten sind zum Abschlussstichtag nach Handelsrecht grundsätzlich einzeln und isoliert voneinander zu bewerten..

Wesentlicher Zweck dieser Vorschrift liegt darin, die Saldierung der Einzelwerte zu verhindern. Bei einer Gruppe von Gegenständen werden dadurch möglicherweise große Wertunterschiede aufgedeckt und Risiken transparent gemacht. Für die Bewertung sind die objektiven Verhältnisse zum Stichtag maßgeblich, auch wenn sie erst später bekannt werden.

 
Praxis-Beispiel

Objektive Verhältnisse am Stichtag maßgebend

Brennt das Außenlager infolge einer vorwitzigen Silvesterrakete bereits vor Mitternacht teilweise aus, reduziert sich der Warenbestand zum 31.12. mengenmäßig um die vernichteten Vorräte und darüber hinaus um den Wert der Beschädigung bei den geretteten Gütern. Dieser Umstand fließt auch dann in das Inventar ein, wenn der Unternehmer davon erst nach einem ausgedehnten Skiurlaub erfährt.

Handelt es sich bei der Rakete aber um einen Spätzünder im neuen Jahr, so hat dieses missliche Ereignis keinen Einfluss auf Menge und Wert der Vorräte zum 31.12. gegen 24 Uhr. Ein solcher Umstand könnte aber im Jahresabschluss zu erläutern sein, insbesondere wenn ein Anhang zu erstellen ist. Hierzu sind Kapitalgesellschaften, die keine Kleinstgesellschaften im Sinne des § 267a HGB sind, sowie diesen gleichgestellte Personengesellschaften verpflichtet. Nach § 285 Nr. 33 HGB ist nämlich über wesentliche Ereignisse nach dem Bilanzstichtag zu berichten. Diese Rechtslage hat auch zur Folge, dass die Folgen, die sich aus der Corona-Pandemie ergeben, im Wesentlichen wertbegründend sind. Nach Ansicht des IDW sind deshalb bilanzielle Konsequenzen erst in Abschlüssen zu berücksichtigen, die nach dem 31.12.2019 ihren Stichtag haben. Eine Berichterstattung im Anhang und Lagebericht erscheint allerdings regelmäßig erforderlich.

Die Einzelbewertung eines Wirtschaftsguts beruht auf den Anschaffungs- oder Herstellungskosten dieses Wirtschaftsguts. Auch den Kfz-Händlern wird zugemutet, ihre Autos einzeln zu erfassen, weil deren Anschaffungskosten ohne Weiteres identifiziert und den einzelnen Vermögensgegenständen ohne Schwierigkeiten zugeordnet werden können.

Zu den Anschaffungskosten gehören alle Aufwendungen, um das Wirtschaftsgut zu erwerben und in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen, also auch Kosten für Transport, Verladung, Eingangszölle, die Kosten der Einlagerung usw. Dies können auch nachträgliche Aufwendungen sein. Skonti und Rabatte mindern die Anschaffungskosten.

Bei den Herstellungskosten sind die Einzelkosten steuerlich und handelsrechtlich zwingend zu berücksichtigen.. Das sind variable Kosten, die dem einzelnen Produkt direkt zuzuordnen sind.

Bezüglich der Gemeinkosten bestanden nach Handelsrecht bis 2009 Wahlrechte bezüglich der Material- und Fertigungsgemeinkosten. Durch die Änderungen durch das BilMoG erfolgte eine Anpassung an steuerliche Vorschriften in Richtung eines Vollkostenansatzes:

 
Fertigungsmaterial-Einzelkosten
+ Fertigungslohn und sonstige Einzelkosten der Fertigung
+ Sondereinzelkosten der Fertigung (Spezialwerkzeuge, Modelle, Entwurfskosten)
+ notwendige Materialgemeinkosten (Beschaffung, Lagerung, Materialverwaltung)
+ notwendige Fertigungsgemeinkosten (Werkzeuge, Werkstattkosten, Energiekosten)
+ Abschreibungen auf Anlagevermögen der Fertigung
= steuerlich und handelsrechtlich mindestens anzusetzende Herstellungskosten
+ allgemeine Verwaltungskosten (ohne Vertriebskosten)
+ Aufwendungen für soziale Einrichtungen (Kantine, Betriebsarzt)
+ Aufwendungen zur betrieblichen Altersversorgung (Pensionszahlungen und -rückstellungen, Direktversicherungen, Pensionskassen)
+ Fremdkapitalkosten, sofern die Zinsen auf den Herstellungszeitraum entfallen und das Fremdkapital ausschließlich zur Finanzierung der Fertigung verwendet wird.
= steuerlich maximal anzusetzende Herstellungskosten

Von den Anschaffungs- oder Herstellungskosten des Umlaufvermögens können "Gängigkeitsabschläge" auf den niedrigeren steuerlichen Teilwert vorgenommen werden. Dazu jedoch später.

2.1.1 Besonderheit beim Einzelhandel: Verkaufswertverfahren

Einzelhandelsunternehmen können bei einem großen Verkaufslager und Tausenden von Artikeln nur unter großen Schwierigkeiten ermitteln, aus welchen Lieferungen die noch vorhandenen Bestände stammen. Solche Kaufleute dürfen deshalb die Anschaffungskosten nach dem Verkaufswertverfahren retrograd aus den Nettoverkaufspreisen ermitteln. Dabei wird von den ausgezeichneten Preisen jeder Warengruppe der jeweilige Bruttogewinnaufschlag abgezogen, bei reduzierter Ware der verbleibende Verkaufsaufschlag.

Definition Bruttogewinnaufschlag

Unter Bruttogewinnaufschlag versteht man den Prozentsatz, um den der Kaufmann seine Ware teurer verkauft, als er sie eingekauft hat. Voraussetzung dieses gesetzlich nicht geregelten, aber steuerlich zulässigen Verfahrens ist jedoch, dass es zu keinen groben Schätzfehlern führt.

2.1.2 Ausnahmen vom Einzelbewertungsprinzip

Als Ausnahmen von der Einzelbewertung sind zunächst nur solche Fälle zugelassen, in denen die Wertermittlung tatsächlich unmöglic...

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