Wahl der Transaktionsform

In Deutschland sind bei Unternehmensverkäufen grundsätzlich die beiden Transaktionsformen Asset Deal und Share Deal in Abhängigkeit von der Rechtsform des Übertragungsobjekts möglich. Beide Varianten bieten charakteristische Vor- und Nachteile, wobei insbesondere in Insolvenzsituationen der Asset Deal die häufigste Form der Übertragung darstellt. Bei einem Asset Deal wird nur das Vermögen des Targets übernommen, während die im Unternehmen begründeten Verpflichtungen beim Verkäufer verbleiben. Somit kann sich ein Käufer alle oder ggf. nur selektive Vermögensgegenstände ("Assets") sichern, wie z. B. Grundstücke, Gebäude, Patente, Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung, Vorräte sowie den Kassenbestand (Kongruenz zu HGB), ohne die mit der Mantelgesellschaft verbundenen Verpflichtungen zu erwerben.

Andererseits können Schwierigkeiten bei der Einzelbewertung von immateriellen Vermögensgegenständen auftreten, wie z. B. bei Patenten oder des Goodwill, sowie Steuernachteile entstehen. Zudem bedarf es bei der Übertragung von Vertragsverhältnissen der Zustimmung des Vertragspartners. Trotzdem findet diese Transaktionsform hauptsächlich aufgrund der Risikoreduktion bei Distressed M&A-Transaktionen häufige Anwendung.

 
Hinweis

Asset Deal im Ausland nicht geläufig

Als problematisch stellte sich in einem Beispielprojekt heraus, dass den meisten ausländischen Investoren ein Asset Deal als Transaktionsform unbekannt war. Die Einarbeitung des ausländischen Investors in die nationalen Gesetzesvorschriften zum Asset Deal (insbesondere in das Umwandlungsgesetz) benötigt Zeit, was wiederum die Angebotsabgabe verzögert. Darüber hinaus gilt es Form- oder Gewährleistungsvorschriften zu beachten.

Ausländische Investoren bevorzugen aufgrund ihrer einschlägigen Erfahrungen überwiegend den Share Deal. Die Gründe liegen einerseits in der einfacheren Struktur, da nur die Gesellschaftsanteile übergehen und das Unternehmen mit all seinen Verträgen (insbesondere Kunden- und Lieferantenverträge), Verpflichtungen sowie Rechten und Pflichten bestehen bleibt. Andererseits kann durch Anwendung von EBIT- und Umsatz-Multiples das Gesamtunternehmen einfach und intuitiv bewertet werden, da diese die zukünftigen Nettoeinnahmen enthalten, die dem Investor bzw. Gesellschafter nützlich sein werden.[1] Ausländische Investoren berücksichtigten jedoch in diesem Zusammenhang zuerst nicht, dass sie dadurch ein deutlich höheres Risiko eingehen würden, indem sie auch die Verpflichtungen des angeschlagenen oder insolventen Unternehmens übernehmen.

Deutscher Kündigungsschutz unbekannt

Eine weitere häufig vorkommende Diskrepanz ist das Personal. Ausländische Investoren planen teilweise erhebliche Personalfreisetzungen für das notleidende Unternehmen ein, jedoch sind die Kündigungen nicht immer mit dem deutschen Arbeitsrecht vereinbar.[2] Bei einem Share Deal bleibt aus arbeitsrechtlicher Sicht der Arbeitgeber derselbe und Personalfreisetzungen unterliegen dabei dem Kündigungsschutzgesetz. Bei einem Asset Deal werden maßgeblich nur die Vermögensgegenstände übertragen. Jedoch ist zu prüfen, ob es sich hierbei um einen Betriebsübergang nach § 613a BGB handelt und dadurch die Beschäftigungsverhältnisse ebenfalls auf den Käufer übergehen. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) verlangt hierbei unter Einzelfallprüfung die Wahrung von Ansprüchen der Arbeitnehmer, selbst wenn das Übertragungsobjekt seine organisatorische Selbständigkeit nicht bewahrt.[3]

[1] Vgl. Leuner/Hattenbach, 2015.
[2] Vgl. Schaaf, 2015.

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