Ein Lieferer tätigt eine steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung, wenn der Abnehmer in einem anderen Mitgliedstaat erwerbsteuerpflichtig ist. Der Lieferer muss deshalb die aus dem anderen Mitgliedstaat stammende Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) des Abnehmers buchmäßig aufzeichnen (z. B. durch Ausweis in der Rechnung).

Bei einem innergemeinschaftlichen Reihengeschäft mit mehr als 3 Beteiligten ist die Vereinfachungsregelung für innergemeinschaftliche Dreiecksgeschäfte[1] nicht anwendbar. Jedoch ist bei einer drohenden Besteuerung im Ausland ggf. zu prüfen, ob dies durch die Einschaltung mehrerer Lieferer in der Reihe in die Beförderung/Versendung vermeidbar ist (gebrochene Beförderung/Versendung).[2]

 
Praxis-Beispiel

Warenbewegung vom EU-Ausland nach Deutschland

Beispiel 1

Unternehmer D aus Freiburg (Deutschland) bestellt bei Unternehmer C aus Brüssel (Belgien) eine Maschine. C hat die Maschine nicht vorrätig und bestellt beim Unternehmer B aus Madrid (Spanien). B bestellt die Maschine beim Hersteller A aus Paris (Frankreich). Die Ware gelangt direkt von A in Paris nach Freiburg zu D.

Folge: Es ergeben sich unterschiedliche Lieferorte abhängig davon, wer die Beförderung/Versendung vornimmt. Das Beispiel ist daher entsprechend alternativ zu lösen.

a)

Beförderung/Versendung durch den ersten Verkäufer = A

Die Beförderung/Versendung durch A ist seiner Lieferung zuzurechnen. Somit befindet sich der Ort der "warenbewegten" Lieferung des A im Ursprungsland Frankreich. Die Lieferung ist dort steuerfrei. A muss in Frankreich eine Zusammenfassende Meldung abgeben (mit der USt-IdNr. des Erwerbers B). Abnehmer B tätigt einen steuerpflichtigen innergemeinschaftlichen Erwerb in Deutschland und hat hieraus den Vorsteuerabzug. Die nachfolgenden "ruhenden" Lieferungen 2 des B und 3 des C unterliegen der deutschen Umsatzsteuer, d. h. B und C müssen sich in Deutschland registrieren lassen (die Vereinfachungsregelung des § 25b UStG greift nicht, da mehr als 3 Beteiligte gegeben sind).

b)

Beförderung/Versendung durch den letzten Abnehmer = D

Die Beförderung/Versendung durch D ist der Lieferung des C zuzurechnen. Der Lieferort der "warenbewegten" Lieferung 3 des C befindet sich im Ursprungsland Frankreich. Die Lieferung ist dort umsatzsteuerfrei. Abnehmer D tätigt im Bestimmungsland Deutschland einen innergemeinschaftlichen Erwerb und hat hieraus den Vorsteuerabzug. Die vorangehende "ruhenden" Lieferungen 1 des A und 2 des B sind im Ursprungsland Frankreich umsatzsteuerpflichtig (d. h. A und B müssen sich in Frankreich registrieren lassen).

c)

Beförderung/Versendung durch C (als Abnehmer)

Beweist der Unternehmer C (sowohl Lieferer als auch Abnehmer) nicht das Gegenteil (vgl. hierzu Reihengeschäft, Tz. 3.3), wird die Beförderung/Versendung der Lieferung 2 seines Vorlieferanten B zugeordnet. Die "warenbewegte" Lieferung 2 des B ist im Ursprungland Frankreich umsatzsteuerfrei. Die vorangehende "ruhende" Lieferung 1 des A ist im Ursprungsland Frankreich umsatzsteuerpflichtig. C tätigt einen steuerpflichtigen innergemeinschaftlichen Erwerb in Deutschland mit Vorsteuerabzug hieraus. Die nachfolgende "ruhende" Lieferung 3 des C ist im Bestimmungsland Deutschland steuerpflichtig.

d)

Beförderung/Versendung durch C (als Lieferer)

Hat C ausnahmsweise nachweislich in seiner Eigenschaft als Lieferer befördert bzw. ver­­sendet (vgl. hierzu Reihengeschäft, Tz. 3.3) wird die Beförderung/Versendung der Lieferung 3 des C zugerechnet. Die "warenbewegte" Lieferung 3 des C ist im Ursprungsland Frankreich umsatzsteuerfrei. Die vorangehenden "ruhenden" Lieferungen 1 des A und 2 des B sind im Ursprungsland Frankreich steuerpflichtig. D tätigt einen steuerpflichtigen innergemeinschaftlichen Erwerb im Bestimmungsland Deutschland mit Vorsteuerabzug hieraus.

e)

Beförderung/Versendung durch B (als Abnehmer)

Beweist der mittlere Unternehmer B (sowohl Lieferer als auch Abnehmer) nicht das Gegenteil, wird die Beförderung/Versendung der Lieferung 1 seines Vorlieferanten A zugeordnet. Die "warenbewegte" Lieferung 1 des A ist daher im Ursprungsland Frankreich umsatzsteuerfrei. Abnehmer B tätigt einen steuerpflichtigen innergemeinschaftlichen Erwerb im Bestimmungsland Deutschland und hat hieraus den Vorsteuerabzug. Die nachfolgenden "ruhenden" Lieferungen 2 des B und 3 des C sind im Bestimmungsland Deutschland umsatzsteuerpflichtig.

f)

Beförderung/Versendung durch B (als Lieferer)

Hat B ausnahmsweise nachweislich in seiner Eigenschaft als Lieferer befördert bzw. ver­sendet, wird die Beförderung/Versendung der Lieferung 2 des B zugerechnet. Die "warenbewegte" Lieferung 2 des B ist im Ursprungsland Frankreich umsatzsteuerfrei. Abnehmer C tätigt einen steuerpflichtigen innergemeinschaftlichen Erwerb im Bestimmungsland Deutschland mit Vorsteuerabzug hieraus. Die vorangehende "ruhende" Lieferung 1 des A ist im Ursprungsland Frankreich umsatzsteuerpflichtig. Die nachfolgende "ruhende" Lieferung 3 des C ist im Bestimmungsland Deutschland umsatzsteuerpflichtig.

 
Prax...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Finance Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Finance Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge