Informieren – Intervenieren... / 4.3 Inspizieren – Nach der Entscheidung

Ziel dieser Phase und deren Relevanz: Das Ziel der Phase nach der Entscheidung besteht darin, aus vergangenen (Fehl-)entscheidungen zu lernen bzw. die Voraussetzungen zu schaffen, damit ein Lernen möglich ist. Zwar profitiert die abgeschlossene Entscheidung nicht mehr direkt davon, dafür aber die nachfolgenden. Zwar wird die vergangene Entscheidungssituation nicht 1:1 wieder so entstehen, jedoch lassen sich häufig Muster identifizieren, die immer wieder in ähnlicher Weise dazu führen, dass die Entscheidungen nicht ihr Ziel erreichen.

Herausforderungen: Eingangs wurde bereits das Problem angesprochen, dass man aus Fehlentscheidungen nicht automatisch lernt. Um für nachfolgende Entscheidungen eine Erkenntnis zu erlangen, die über den spezifischen Fall hinaus geht, muss deshalb eine Analyse jene Gründe aufdecken, die dazu geführt hatten, dass nicht die optimale Option gewählt wurde (und wir beziehen uns dabei auf Fälle, bei denen die bessere Option tatsächlich vorgelegen hätte). Grunwald (2008) bezeichnet diesen Prozess als Dekontextualisierung: Unabhängig von der spezifischen Situation wird ein Blick auf den Prozess der Auswahl und die Gewichtung einzelner Aspekte geworfen. Die dabei gefundenen, individuellen Muster werden bei nachfolgenden Entscheidungen besondere Beachtung geschenkt (Rekontextualisierung). Der nachträglichen Analyse liegt dabei der Gedanke zugrunde, dass Entscheider sich mit den getroffenen Entscheidungen prinzipiell nicht selber schaden wollen.[1] Wenn also Fehlentscheidungen entstehen, wieso erschienen diese dann zum Zeitpunkt der Entscheidung als so attraktiv und inwiefern wird der langfristige Nachteil überschattet? Nach Mehl und Wehner (2008) liefern die dabei begangenen Fehler Hinweise auf bewusst oder unbewusst angestrebte Ziele. Wir blicken auf diese Ziele wieder aus der Sicht der psychischen Bedürfnisse nach Kompetenz, Bestimmtheit und Affiliation. Inwiefern war die "Fehloption" auf diesen Ebenen vorteilhafter als jene Option, die der Entscheider hätte wählen sollen?

Interventionen: Auf dieser Ebene wird ein vertiefender Blick darauf geworfen, welche Aspekte bei der Entscheidung wie gewichtet wurden. Deshalb wird die damals gewählte (Fehl-)Option mit jener Option verglichen, die aus nachträglicher Sicht hätte gewählt werden sollen (siehe Abb. 5). Warum war diese Option, damals so unattraktiv, obwohl sie im Nachhinein betrachtet als die "bessere" Option angesehen wird? Lag es allein daran, dass neue Informationen zu einer solchen Bewertung geführt hatten? Oder war der Aspekt ausschlaggebend, dass bei der Entscheidung kurzfristige Vorteile mehr Gewicht bekommen hatten als eigentlich geplant?

Abb. 5: Die kurzfristigen Vor- und Nachteile der beiden Optionen[2]

Um die von Grunwald vorgeschlagene Dekontextualisierung sowie die darauffolgende Rekontextualisierung durchzuführen, ist es hilfreich, einen vertiefenden Blick bei der kurzfristigen Gewichtung mit aufzunehmen. Was hat die Fehloption so attraktiv erscheinen lassen?

Abb. 6: Vereinfachte Darstellung des Vergleichs von zwei Optionen bezüglich kurzfristig wirkender Bedürfnisse[3]

In Abb. 6 ist eine stark vereinfachte Form des Vergleichs zwischen den zwei Optionen hinsichtlich der drei psychischen Bedürfnisse gegeben. Dabei wird darauf eingegangen, inwiefern bestimmte Aspekte mit den jeweiligen Optionen zum Entscheidungszeitpunkt verbunden wurden – unabhängig davon, ob diese Einschätzung sich nachträglich als zutreffend herausgestellt hatte.

Was bei der Analyse von Fehlentscheidungen deutlich wird, ist, dass die Fehloption, in diesem Beispiel rot dargestellt, auf der Ebene der Bedürfnisse meist recht positive Werte hat. Die Fehloption hatte also bspw. dazu beigetragen, Kompetenz auszuweiten (bei einem Prestigeprojekt), war vielleicht die sichere Option (weil man den Anbieter schon kannte) oder besonders populär (gutes Standing in der eigenen Firma). Aus langfristiger Betrachtung zeigt sich jedoch, dass diese Vorteile nicht wirklich nachhaltig im Hinblick auf die Erreichung des eigentlichen Ziels waren. Oft zeigt sich auch, dass jene Option, die hätte gewählt werden sollen, auf diesen Ebenen gerade nicht punkten konnte. Fragen, die in solch einer Analyse beantwortet werden können, sind die folgenden:

  • Auf welchen Ebenen war die Fehlentscheidung vorteilhafter?
  • Warum waren mir persönlich diese Aspekte so wichtig, sodass das langfristige Ziel aus den Augen verloren wurde?
  • Wie war die damalige Entscheidungssituation? Was hat sie bei mir als Entscheider ausgelöst? Inwiefern war sie "bedrohlich" und wie habe ich mit der Auswahl der Option darauf reagiert?
[1] Holzkamp, 1986.
[2] Adaptiert nach Domeier, 2020.
[3] In Rot die "Fehloption", in Grün die "optimale Option", adaptiert nach Domeier, 2020.

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