Informieren – Intervenieren... / 4.2 Intervenieren – während der Entscheidung

Ziel dieser Phase und deren Relevanz: Der Phase während der Entscheidung kommt eine wichtige Rolle zu. Hier werden die Weichen der Entscheidung gestellt. Nach wie vor besteht an den oder die Entscheider die Anforderung, in der Gegenwart jene Option zu wählen, die den zukünftigen Anforderungen entspricht, sodass das in der Zukunft liegende Ziel optimal erreicht werden kann. Natürlich spielt die Datenbasis eine wichtige Rolle, also jene Informationen, die zum einen den Ist-Zustand widerspiegeln, aber zum anderen auch Abschätzungen zukünftiger Entwicklungen ermöglichen. Der Erfolg von Entscheidungsprozessen hängt auch maßgeblich an den beteiligten Personen. Kommt jeder zu Wort, kann jeder seine Bedenken einbringen? Wessen Vorschlag wird erwählt, wessen Vorschlag (zu) wenig beachtet? Welche Abteilung hat mit der zu wählenden Option die meiste Arbeit, wer ist "fein" raus? Dies sind nur einige Punkte, die die sozialen, parallellaufenden Prozesse aufzeigen.

Herausforderungen: Hürden und Schwierigkeiten im Entscheidungsprozess zeigen sich unter anderem in der Ausarbeitung des Ziels (was wollen wir und warum?), in der Beschaffung der richtigen Datenbasis, in der Erstellung eines möglichst zutreffenden Zukunftsbilds, mit dem geplant wird. Natürlich auch in der Auswahl der Option, nach welchen Kriterien dies geschieht sowie die nachgelagerte Steuerung der Maßnahmen (hat sich etwas geändert, muss ich deswegen meine Maßnahmen anpassen?).

Interventionen: Während des Prozesses ist ständig zu überwachen, ob mit den Handlungen, Optionen und Entscheidungen, die ich oder meine Gruppe trifft, weiter auf das langfristige Sachziel eingezahlt wird, oder ob unbemerkt andere Ziele in den Fokus gerückt sind (und sich dabei eben kognitive Verzerrungen einschleichen). Ein guter erster Ansatzpunkt ist, während des Prozesses bereits die Matrix in Abb. 3 auszufüllen. Diese stellt eine erweiterte Pro-Contra-Liste dar, die zusätzlich die zeitliche Komponente mit einbindet. Da "verzerrte" Entscheidungen meist zwar kurzfristig als vorteilhaft erscheinen, jedoch langfristig nicht auf das eigentliche Ziel einzahlen, lässt sich dieser Umstand besser durch das Ausfüllen der Matrix aufdecken.

Abb. 3: Einordnung einer Option bezüglich kurz- und langfristiger Vor- und Nachteile[1]

Nachdem die Felder ausgefüllt sind, geht es darum herauszufinden, wo bei der Option, die umgesetzt werden soll, die Schwerpunkte liegen. Viele Fehlentscheidungen zeigen in der späteren Analyse kurzfristige Vorteile bei langfristigen Nachteilen auf. Bei jener Option, die man hätte wählen sollen, war es umgekehrt. Im Moment der Entscheidung erschienen sie kurzfristig als nachteilig (man macht sich unbeliebt, muss in ein neues, unbekanntes Feld vordringen, verliert vielleicht sogar Kompetenzen…) – langfristig jedoch zeigte sich, dass diese Entscheidungen besser auf das ursprüngliche Ziel eingezahlt hätten (siehe Abb. 4).

Abb. 4: Muster von "gefährdeten" Optionen (links) und weniger "gefährdeten" Optionen (rechts)[2]

Bleiben wir beim ersten Muster: Hier zeigen sich kurzfristige Vorteile bei langfristigen Nachteilen. Häufig liegen die kurzfristigen Vorteile auf der Ebene der Bedürfnisse. Die langfristigen Nachteile drehen sich meist darum, dass die gewählte Option nicht optimal den Anforderungen des Entscheidungsziels entspricht. Um diesen kurzfristigen Vorteilen die übermäßige Gewichtung im Entscheidungsprozess "wegzunehmen", gibt es mehrere Interventionen. Deren Wirkung wird vor dem Hintergrund des beschriebenen Mechanismus des Zielwechsels noch deutlicher. Nachfolgend wird eine Auswahl an Interventionen vorgestellt:

 
Praxis-Beispiel

10/10/10 Rule

  • Ganz generell gilt der Mensch als myopischer, also kurzsichtiger Entscheider. Kurzfristige Vorteile werden oft stärker gewichtet als langfristige. Langfristigen Zielen fehlt es demnach an "Farbe", und ihre Verfolgung wird dadurch deutlich erschwert.[3]
  • Bei der 10/10/10-Intervention von Welch (2009) wird ein Perspektivenwechsel angestoßen. Dieser Perspektivenwechsel bezieht sich nicht auf eine andere Person, sondern auf die Person selbst, jedoch zu einem anderen Zeitpunkt. Dabei wird die Entscheidung dahingehend geprüft, wie sich die Person damit jeweils in zehn Minuten, in zehn Monaten und letztendlich in zehn Jahren wohlfühlen wird. Heath und Heath (2013, S. 163) fassen diese Intervention wie folgt zusammen: "Conducting an 10/10/10 analysis doesn’t presuppose that the long-term perspective is the right one. It simply ensures that short-term emotion isn’t the only voice at the table."
  • Der Wirkhebel der Intervention liegt darin, dass durch die veränderte zeitliche Perspektive lediglich kurzfristige Vorteile aufgedeckt werden sollen. Wenn sich die Entscheidung allein an diesen ausrichtet, kann der Zielwechsel ebenso aufgedeckt werden.
 
Praxis-Beispiel

"What would have to be true…"

  • Häufig werden Optionen gewählt, deren Erfolg vom Eintreten bestimmter Faktoren abhängt, die mehr als unsicher sind. Wenn es die "Lieblingsoption" ist, werden diese U...

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