Haftung des GmbH-Geschäftsf... / 4.2 Haftung bei Krise und Insolvenz

Eine firmeninterne Krise oder eine weltweite Wirtschaftskrise wirken sich früher oder später auf die finanzielle Situation eines Unternehmens aus. Zunächst bleiben Aufträge aus oder Kunden zahlen nicht mehr. Aber die fixen Kosten laufen weiter, erste Liquiditätsengpässe treten auf, die Banken reduzieren ihre Kreditbereitschaft und die Zahlungsunfähigkeit steht unweigerlich bevor.

GmbH-Geschäftsführer: Pflichten und Haftung in der Insolvenz Droht eine Insolvenz, so muss der Geschäftsführer das Gesellschaftsvermögen zur ranggerechten und gleichmäßigen Befriedigung aller künftigen Insolvenzgläubiger zusammenhalten. Kommt er dieser Aufgabe nicht nach, verletzt er seine Pflicht als Geschäftsführer.

Leistet ein Geschäftsführer nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung der GmbH noch Zahlungen, so ist er der Gesellschaft gegenüber zum Ersatz dieser Zahlungen verpflichtet. Ausgenommen hiervon sind lediglich Zahlungen, die auch nach diesem Zeitpunkt mit der Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmanns vereinbar sind. Dazu gehören Zahlungen im Zusammenhang mit Geschäftsraummiete, Löhnen, Personalnebenkosten, Telefonkosten.

Die Insolvenzverschleppung gilt inzwischen als Hauptproblem in der Außenhaftung.

 
Praxis-Tipp

Der Beurteilungsmaßstab "Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes"

Bei dem Beurteilungsmaßstab "Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes" handelt es sich um einen unbestimmten Rechtsbegriff, für den es somit keine Legaldefinition gibt. Sie müssen in dieser besonderen Situation bei jeder einzelnen Zahlung das individuelle Gläubigerinteresse sowie das öffentliche Interesse am Bestand überlebensfähiger Betriebe zu beachten. Der Gesellschaftszweck spielt bei dieser Betrachtung keine Rolle.

Zahlungen lange Zeit nach Eintritt der Überschuldung, insbesondere wenige Tage vor Einreichung des Insolvenzantrags wegen Zahlungsunfähigkeit, sind allerdings auch dann grundsätzlich nicht mehr zulässig.

 
Praxis-Tipp

Der Begriff der "Zahlung"

Unter "Zahlung" sind alle Verfügungen zu verstehen, die nach Eintritt der sog. Insolvenzreife vorgenommen werden und die die Insolvenzmasse schmälern.

Insofern müssen Sie bestehende Einzugsermächtigungen zurücknehmen bzw. vom Bankkonto abgebuchte Zahlungen fristgerecht widerrufen.

Die gleiche Verpflichtung zur Beachtung besonderer Sorgfaltspflichten trifft die Geschäftsführer für Zahlungen an Gesellschafter, soweit diese zur Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft führen mussten, es sei denn, dies war auch bei Beachtung der notwendigen Sorgfalt nicht erkennbar.

 
Achtung

Nehmen Sie es ganz genau!

Bereits fahrlässiges Handeln reicht aus, damit es zu einem Schadensersatzanspruch der GmbH gegenüber ihrem Geschäftsführer kommt.

Bei der Nichtabführung von Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen gelten Sonderregelungen.

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