Green Controlling / 4.4.2 Reportingsysteme/Datenprozesse managen

Methoden zur Quantifizierung von Umwelteinflüssen am Beispiel von CO2-Emissionen

Das Management von Reportingsystemen für ein Green Controlling unterscheidet sich nur wenig vom Management eines finanziellen Reportingsystems. Viel mehr noch: Idealerweise wird das Umweltreporting in das allgemeine Reportingsystem des Unternehmens integriert. Auf diese Weise ergeben sich nicht nur hohe technische Synergien, es hilft auch sicherzustellen, dass Umweltreporting und finanzielles Reporting strukturell und inhaltlich zusammenpassen.

Anders ist dies im Bereich der Prozesse zur Datenbeschaffung. Hier müssen i. d. R. neue Verfahren etabliert werden, die teilweise neue Datenquellen erschließen und zumeist eigene spezielle Berechnungsmethoden mit sich bringen. Im Folgenden soll dies am Beispiel der Quantifizierung von Emissionen dargestellt werden. Hierzu existiert ein Spektrum von Verfahren, die den jeweiligen Ausstoß eines Schadstoffs auf Basis von erhobenen Größen ermitteln. Aus Controlling-Sicht lassen sich diese Verfahren anhand dreier relevanter Dimensionen beschreiben:

  • nach der Berechnungsmethode zur Bestimmung der Emissionen mit ihren jeweiligen Eingangsgrößen,
  • nach der Art der Datenquelle und
  • nach der Art der Erhebung.

Berechnungsmethoden

Berechnung der Emissionen

Den Ausgangspunkt im Spektrum möglicher Berechnungsmethoden bilden jene Verfahren, bei denen die jeweilige Emissionen unmittelbar beobachtet und gemessen werden. Da die Messung von Zusammensetzung und Menge von Abgasen jedoch technisch sehr anspruchsvoll sein kann, ist dies in der Praxis wenig verbreitet.

Die Grundlage der meisten Berechnungen bilden daher diejenigen Verfahren, welche Emissionen auf der Grundlage der Inputfaktoren und entsprechender Umrechnungsgrößen berechnen.

Üblich ist die Berechnung auf Grundlage von Emissions­faktoren und Verbrauchs­mengen

So lassen sich bspw. die Emissionen aus der Verbrennung von Treibstoffen recht genau auf Basis der stattfindenden chemischen Reaktion und der verbrannten Treibstoffmenge (in Volumen oder Gewicht) an Energieträgern quantifizieren. Auch wenn es weitere Einflussgrößen zur "Sauberkeit" einer Verbrennung gibt, kann für die meisten in der Praxis verbreiteten normalen Verbrennungsprozesse ein quasi-funktionaler, linearer Zusammenhang zwischen Treibstoffmenge und Schadstoffausstoß angenommen werden. Zur Emissionsberechnung wird dann die Menge des jeweiligen Treibstoffs mit einem "Emissionsfaktor" multipliziert:

Einsatz von Äquivalenten bei der Berechnung

Dabei existiert für übliche Treibstoffe stets eine Reihe verschiedener Emissionsfaktoren, die für unterschiedliche Verbrennungsprodukte anwendbar sind, z. B. für Kohlendioxid, -monoxid, Schwefeldioxid etc. Inzwischen wird häufig ein Emissionsfaktor verwendet, der neben Kohlendioxid die weiteren verschiedenen bei einer typischen Verbrennung entstehenden Abgase – die Treibhausgase Methan (CH4), Di-Stickstoffoxid (N2O), teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (HFCs), perfluorierte Fluorkohlenwasserstoffe (PFCs) und Schwefelhexafluorid (SF6) – anhand ihrer Klimaschädlichkeit im Vergleich zu CO2 auf den Treibhauseffekt gewichtet und in sog. CO2-Äquivalente (CO2e) umrechnet.[1] Nach der DIN EN 16258 nimmt man so z. B. für die Verbrennung von einem Liter fossilen Diesels i. d. R. eine Emission von 2,67 kg CO2e an.[2]

Berechnung der Emissionen bei der Erzeugung genutzter elektrischer Energie oder Fremdwärme

Auf ähnliche Art und Weise ist es möglich, die Emissionen zu berechnen, die auf die Erzeugung von genutzter elektrischer Energie oder Fernwärme zurückgehen. Auch hier ergibt sich der Ausstoß aus der Multiplikation der genutzten Energiemenge mit einem Emissionsfaktor.

Der Emissionsfaktor für diese Energieformen ist jedoch nicht unmittelbar durch eine chemische Reaktion bestimmt, sondern muss spezifisch für den vom jeweiligen Energieanbieter genutzten Kraftwerksmix bestimmt werden. Abb. 27 zeigt am Beispiel der Gebäudeemissionen der TU Dresden, wie eine solche CO2e- Berechnung aufgebaut sein kann.

 
  Verbrauch in kWh CO2-Äquivalente in g/kWh CO2-Emissionen
in t
Anteil an CO2-Emissionen
Fernwärme 64.051.036 19,2 1.230 4,8 %
Erdgas 5.432.640 201,6 1.095 4,3 %
Strom 53.390.260 437,0 23.332 90,9 %
Summe 122.873.936   25.657  

Abb. 27: Darstellung von Energieverbrauch, Emissionsfaktor und CO2e im Umweltbericht der TU Dresden[3]

Direkte und indirekte Methoden

Den bislang beschriebenen Methoden ist gemeinsam, dass sie auf einer Messung beruhen, mit der Komponenten der für eine Emission ursächlichen chemischen Reaktion oder ihres Ergebnisses in Form der nutzbaren Energie erhoben werden. Sie beruhen auf Größen, die in direktem Zusammenhang mit dem jeweiligen Energieverbrauch stehen, weshalb häufig auch von "direkten Methoden" gesprochen wird.

Die zweite Gruppe von Methoden bilden sog. "indirekte Methoden", welche auf Größen beruhen, die nicht mehr unmittelbar im Zusammenhang mit der eigentlichen Verbrennungsreaktion zur Energieerzeugung stehen. Stattdessen wird bei diesen Methoden e...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Finance Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Finance Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge