Green Controlling / 3.2.2 Schwerpunkte der Umsetzung

Schwerpunkte in Themen- und Objektdimension

Das 2. Element einer ökologisch nachhaltigen Strategie adressiert die Schwerpunkte der Umsetzung des Themas im Unternehmen. Wodurch – unabhängig von der Intensität der Umsetzung – soll das Unternehmen ökologisch nachhaltig operieren? Diese Fragestellung unterteilt sich wiederum in eine objektbezogene sowie in eine thematische Dimension. Die objektbezogene Dimension unterscheidet dabei das Marktpotenzial (Produkte/Dienstleistungen) von der Leistungserstellung. Die thematische Dimension beinhaltet die Relevanz von ökologischen Themenfeldern (z. B. Klimawandel) für ein Unternehmen. Ein geeigneter strategischer Schwerpunkt setzt sich aus der Kombination der beiden Dimensionen zusammen (vgl. Abb. 5). Ein Schwerpunkt könnte bspw. durch die Fokussierung auf die Herstellung klimafreundlicher (emissionsarmer) Produkte (z. B. verbrauchsarme Pkws) gesetzt werden[1] oder auf eine Produktion, bei der nur ein geringes Abfallvolumen (z. B. Einsatz neuer Stanzverfahren) entsteht. Im Folgenden sollen die beiden Dimensionen genauer dargestellt werden.

Abb. 5: Schwerpunkt der Umsetzung ökologisch nachhaltiger Strategien

Objektbezogene Dimension: Produkte/Dienstleistungen und Produktion

Bei der objektbezogenen Dimension des Schwerpunkts der Umsetzung lässt sich das Marktpotenzial (Produkte/Dienstleistungen) von der Leistungserstellung abgrenzen. So kann es für Unternehmen zum einen relevant sein, ökologisch nachhaltige Produkte herzustellen, die in ihrer Anwendung (z. B. geringerer Stromverbrauch) nachhaltiger als vergleichbare traditionelle Produkte sind. Zum anderen kann das ökonomische Potenzial auch durch Verfahrensänderungen in der Leistungserstellung gehoben werden, z. B. durch die Vermeidung von abgabepflichtigen Giftstoffen (vgl. Abb. 1).[2]

Herstellung umweltfreundlicher, nachhaltiger Produkte

Der Schwerpunkt ökologischer Nachhaltigkeit kann auf der Herstellung umweltfreundlicher, nachhaltiger Produkte basieren. Das ökonomische Potenzial ökologischer Themen kann zum einen durch umweltfreundliche Produkte gehoben werden, die in ihrer Nutzungsphase einen positiven Effekt auf die ökologische Nachhaltigkeit generieren, bspw. indem in der Anwendung weniger Strom verbraucht wird. Kernaspekt der Produktdimension ist die Abschöpfung des Marktpotenzials einer ökologisch nachhaltigen Ausrichtung durch die Entwicklung und Gestaltung nachhaltiger Produkte.[3] Dies kann auch durch die Schaffung neuer Märkte für ökologisch nachhaltige Produkte passieren.[4] "Wie" diese Produkte produziert werden, ist dabei prinzipiell sekundär. Von Unternehmen aus Branchen mit einem hohen ökologisch nachhaltigen Marktpotenzial wird jedoch wiederholt darauf hingewiesen, dass der Absatz nachhaltiger Produkte nur dann möglich ist, wenn dem Kunden glaubhaft die umweltverträglichen Bedingungen der Produktion dargestellt werden können.[5] In einigen Fällen ist den Konsumenten die ökologisch nachhaltige Leistung von Produkten beim Kauf unmittelbar ersichtlich. Beispiele dafür sind die Energieeffizienzklassen von Waschmaschinen sowie der Ausweis des CO2-Ausstoßes von Pkws. Auch die zahlreichen Ökoproduktlabels (z. B. Blauer Engel) sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Auch wenn die Aussagekraft einige dieser Labels bisweilen kritisch gesehen wird, ist es schlussendlich nur entscheidend, ob ein Label beim Verbraucher eine Signalwirkung erzielt oder nicht. Die Nutzung der ökonomischen Potenziale auf der Produktseite ist häufig bei Unternehmen zu finden, die eine "Ganzheitlich grüne Strategie" verfolgen.[6]

Umweltfreundlicher, nachhaltiger Prozess der Leistungs­erstellung

Zum anderen kann das ökonomische Potenzial ökologischer Themen auch im Prozess der Leistungserstellung entstehen, z. B. durch Verfahrensänderungen, durch welche die Produktion energieeffizienter durchgeführt werden kann. Dabei bleiben die Eigenschaften der Produkte und deren Wirkung in der Nutzungsphase unberührt. Ansätze für mögliche Hebel in der Leistungserstellung bietet das prozessorientierte ICV-Konzept. Es unterteilt 4 Komponenten des Prozesses der Leistungserstellung, durch die ein ökonomischer Mehrwert geschaffen werden kann: verwendete Ressourcen (Inhaltsstoffe), sparsamer Ressourcenverbrauch, Schadstoffausstoß sowie Wiederverwendung und Verwertung.[7] Darüber hinaus ist auch die vorgelagerte Wertschöpfungskette Bestandteil der Leistungserstellung. Insbesondere in Bezug auf ökologische und soziale Themen ist festzustellen, dass Unternehmen viel stärker für das Handeln der Zulieferer verantwortlich gemacht werden.[8] Beispiele für Branchen, die ein ökonomisches Potenzial im Prozess der Leistungserstellung haben, sind die Chemiebranche und die Energiebranche aufgrund der Belastung der Umwelt durch die Produktion.

Produkt- und Produktionsdimension sind auch vereinbar, jedoch sollte ein Schwerpunkt festgelegt werden

Die Unterscheidung der Produkt- und Produktionsseite macht zum einen deutlich, welche Funktionsbereiche im Unternehmen im Rahmen der strat...

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