Gewinne einkaufen - Kostens... / 3.2 Lieferantendaten

Es erweist sich als sinnvoll, in einer Lieferantenstammdatei nicht nur die üblichen Informationen, also

  • Anschrift,
  • Firmierung,
  • USt-ID-Nummer,
  • Kontaktnummern,
  • Ansprechpartner,
  • Umsatz,
  • Gesellschafter,
  • Produkte

usw., zu pflegen, sondern auch Informationen über die maschinelle Ausstattung, Fertigungsverfahren, Stärken/Schwächen, die finanzielle Stärke, Vorlieferanten usw. zu sammeln.

 
Praxis-Tipp

Holen Sie auch mal eine Creditreform-Auskunft über den Lieferanten ein. Vielleicht braucht er ja dringend neue Aufträge. Dieses Wissen verbessert eindeutig Ihre Verhandlungsposition.

Haben Sie ein gutes Verhältnis zum Firmenkundenberater Ihrer Hausbank, können Sie diesen auch fragen. Diese Informationen können Sie zwar nicht offiziell auf den Tisch legen, als Hintergrundwissen sind sie jedoch unbezahlbar.

Informationen über die maschinelle Ausstattung, die Fertigungsverfahren, die Vorlieferanten bekommen Sie am besten bei einem Lieferantenbesuch. Bestehen Sie auf einer Betriebsbegehung und halten die Augen offen.

Informationen zu den Vorlieferanten bekommen Sie beispielsweise bei einer Lagerbegehung, wenn Sie nur auf die Produktbeschriftung und die Verpackung achten. Sie können bei den Vorprodukten ja mal eine eigene Anfrage starten.

 
Praxis-Tipp

Preisinformationen bekommen Sie auch hier vom statistischen Bundesamt oder vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (www.bme.de) oder vom Schweizer Verband für Materialwirtschaft und Einkauf (www.svme.ch).

Ein anderer Weg, diese Preisinformationen und vor allem Informationen über aktuelle und erwartete Entwicklungen zu bekommen, sind Fachmessen. Besuchen Sie auch ab und zu die Lieferanten Ihres Lieferanten.

 
Praxis-Beispiel

Qualitätskosten einkalkulieren

Ein existierendes Unternehmen hat bei der Anfrage nach einem neuen Kunststoffprofil diesen Fall erlebt. Die Angebote für das extrudierte Profil schwankten zwischen 1,40 EUR/Meter und 4,00 EUR/Meter. Der Jahresbedarf lag bei etwa 10.000 Meter. Der Auftrag ging an den Anbieter mit den 1,40 EUR? – Falsch getippt. Der Auftrag wurde zu einem Preis von 1,75 EUR/Meter vergeben. Der Anbieter mit 1,40 EUR wollte zusätzlich 18.000 EUR für das Werkzeug berechnen, der andere Anbieter hingegen nur 4.000 EUR. Wenn man dies nun über die drei Jahre Abschreibungsdauer des Werkzeugs berücksichtigt, dann kommt der Preis pro Meter im Fall der 1,75 EUR auf 1,87 EUR/Meter, der Preis von 1,40 EUR erhöht sich auf 1,76 EUR/Meter, hätte also zu insgesamt ca. 3.000 EUR Mehrkosten geführt.

Ein anderes Beispiel kann die Substitution eines Rohstoffes durch einen anderen sein, um die Werkzeugkosten zu senken. Das gleiche Unternehmen musste tiefgezogene Kunststoffschalen in größerer Menge produzieren. Dabei entsteht relativ viel Prozesswärme während der Fertigung. Anfangs wurden die Schalen aus Hart-PVC gefertigt. Die Folge war ein immens hoher Werkzeugverschleiß infolge entstehender Salzsäuredämpfe. Die Ursache war das PVC, das nach wie vor in vielen Einsatzbereichen unschlagbar in Bezug auf den Preis und die Einsatzmöglichkeiten ist. Das Unternehmen suchte aufgrund des hohen Werkzeugverschleißes Alternativen und setzte schließlich ein schlagfestes Polystyrol ein und fuhr so die Werkzeugkosten auf ein normales Maß zurück. Der Grundpreis der Schalen konnte sogar niedriger angesetzt werden als vorher.

Bei der Produktion von Maschinengehäusen aus Blech konnte durch einen anderen Werkstoff die Ausschussquote von 50 % auf 5 % gesenkt werden. Das Problem war, dass die ursprünglich eingesetzte Blechqualität bei den extremen Verformungen zur Rissbildung neigte. Die neuen Bleche waren zwar im Einkauf etwa 150 EUR je Tonne teurer, durch die verringerte Ausschussquote unter dem Strich aber kostengünstiger. Bei diesem Prozess konnten die Metalltechniker des Stahlherstellers übrigens sehr weiterhelfen.

Aus diesem Grunde möchten wir darauf hinweisen, dass es sehr vorteilhaft sein kann, dem Lieferanten zu zeigen, was Sie aus seinen Produkten fertigen. Zum einen kann sich ein Lieferant wesentlich besser auf Ihre Bedarfe einstellen, andererseits kann er Ihnen manchen nützlichen Hinweis geben und somit zur Kostensenkung in Ihrem Betrieb beitragen.

Umgekehrt sollten Sie natürlich regelmäßig Ihre A- und B-Lieferanten besuchen und deren Produktion besichtigen, um die Möglichkeiten und Fähigkeiten des Lieferanten einschätzen und nutzen zu können.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Finance Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Finance Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge