Zusammenfassung

 
Begriff

Der Geschäftsführer, der nicht an der GmbH beteiligt ist, ist der sog. Fremd-Geschäftsführer. Für ihn gelten besondere arbeitsrechtliche Bestimmungen. Im Sozialversicherungsrecht und im Steuerrecht wird er wie alle anderen Angestellten des Unternehmens behandelt.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Gesetzliche Regelungen finden sich in §§ 611 bis 630 BGB.

1 Stellung des Fremd-Geschäftsführers im Arbeitsrecht

Bei entgeltlicher Tätigkeit des Geschäftsführers handelt es sich um einen Geschäftsbesorgungsvertrag (§§ 611 bis 630 BGB), auf den die Regeln eines Dienstvertrags Anwendung finden. GmbH-Geschäftsführer sind nach allgemeiner Auffassung keine Arbeitnehmer (BGH, Urteil v. 29.1.1981, II ZR 92/80). Es finden keine Anwendung für den GmbH-(Gesellschafter)-Geschäftsführer:

 
Hinweis

Geschäftsführer als Arbeitnehmer

Das Bundesarbeitsgericht behandelt den GmbH-Geschäftsführer ausnahmsweise als Arbeitnehmer, wenn die konkrete Vertragsgestaltung seine Befugnisse außergewöhnlich stark einschränkt bzw. er stark persönlich abhängig ist. Das ist der Fall, wenn er als GmbH-Geschäftsführer regelmäßig einem bezüglich Zeit, Dauer, Art und Ort der Ausführung seiner Tätigkeit umfassenden Direktionsrecht unterliegt. Dies kann in Ausnahmefällen auf einen Fremdgeschäftsführer zutreffen, der etwa von einem Alleingesellschafter bis ins Tagesgeschäft hinein angewiesen und permanent kontrolliert wird.

Enthält der Anstellungsvertrag ausführliche Vorschriften bezüglich Zeit, Dauer, Art und Ort der Tätigkeit (z. B. Arbeitszeiten, Dienstort, Auswahl der zustimmungspflichtigen Geschäfte) bzw. erteilen die Gesellschafter dem Geschäftsführer regelmäßig entsprechende Weisungen, kann sich der Geschäftsführer im Falle einer Abberufung bzw. Kündigung des Geschäftsführer-Anstellungsvertrags auf seine (arbeitnehmerähnliche) Stellung als Arbeitnehmer berufen. Folge: Das örtliche Arbeitsgericht ist zuständig. Der Geschäftsführer kann ggf. bei gütlicher Einigung eine höhere Abfindungszahlung durchsetzen – die Arbeitsgerichte sind tendenziell "arbeitnehmerfreundlich".

2 Stellung des Fremd-Geschäftsführers in der Sozialversicherung

Fremd-Geschäftsführer und Minderheits-Gesellschafter-Geschäftsführer, die dem (faktischen) Weisungsrecht durch die Gesellschafter unterworfen sind, werden von der Sozialversicherung als versicherungspflichtig eingestuft und sind damit Pflichtmitglied der gesetzlichen Renten-, Arbeitslosen und Pflegeversicherung (Beispiele: Der auf Weisung der Konzernzentrale tätige Geschäftsführer einer Tochter-GmbH, der Minderheits-Gesellschafter-Geschäftsführer, der neben dem Mehrheits-Gesellschafter-Geschäftsführer lediglich Ressortverantwortlichkeit hat).

Die Leistungen der gesetzlichen Sozialversicherung wurden in den letzten Jahren deutlich abgebaut. Das schlechte Beitrags-/Leistungsverhältnis bedeutet – zumindest für Jahrgänge ab 1961, dass eine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Sozialversicherung nicht unbedingt attraktiv ist. Das betrifft die Rentenversicherung. Hier können private Versorgungsmodelle als deutlich besser einzustufen sein, wobei dies bei weiter anhaltender Niedrigzinsphase auch fraglich ist. Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (deutlicher Leistungsabbau z. B. beim Zahnersatz und den Hilfsmitteln) und der Unfallversicherung (seit 1.1.2001 deutlicher Abbau der Leistungen für alle Jahrgänge nach dem 1.1.1961) wurden ebenfalls zurückgefahren. Die Prämiensteigerungen bei den privaten Krankenversicherungen lassen dies aber nicht unbedingt als sinnvolle Alternative erscheinen.

Fremd-Geschäftsführer und Gesellschafter-Geschäftsführer mit Minderheitsbeteiligung, die von der Krankenkasse als sozialversicherungspflichtig eingestuft werden, können rechtsverbindlich prüfen lassen, ob sie tatsächlich Pflichtmitglied sein müssen. Diese Prüfung wird auf der Grundlage des offiziellen Feststellungsbogens zur versicherungsrechtlichen Beurteilung von Geschäftsführern vorgenommen. Eine Einstufung als "nicht versicherungspflichtig" auch eines Fremdgeschäftsführers kann z. B. erfolgen, wenn die Gesellschafter keinerlei Branchenkenntnisse haben (Erben) und in der Ausübung der Geschäfte vollends auf die Branchenerfahrung des Fremd-Geschäftsführers angewiesen sind, der in der GmbH wie ein Unternehmer handeln und entscheiden kann.

3 Stellung des Fremd-Geschäftsführers im Steuerrecht

Der Fremd-Geschäftsführer – übrigens auch der Gesellschafter-Geschäftsführer- wird steuerlich wie ein Arbeitnehmer der GmbH behandelt. Die Bezüge unterliegen der Lohnsteuer und werden im Lohnsteuerabzugsverfahren abgeführt. Wie ein Arbeitnehmer kann er Werbungskosten ansetzen, Vorsorgeleistungen anrechnen und den Vorwegabzug nutzen. Auch wenn der Fremd-Geschäftsführer im Vergleich zu einem vergleichbar tätigen Geschäftsführer mehr verdient ("unangem...

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