Rz. 1

Das UmwG kennt neben der Verschmelzung,[1] der Spaltung[2] und der Vermögensübertragung[3] als weitere Umwandlungsart den Formwechsel. Im UmwG wird der Formwechsel im 5. Buch als 4. der 4 Umwandlungsarten behandelt. Er umfasst den Wechsel von einem Rechtsträger in eine andere Rechtsform. Von der Anwendung ausgeschlossen sind die formwechselbezogenen Vorschriften des UmwG allerdings bei Änderungen der Rechtsform, die in anderen Gesetzen vorgesehen oder zugelassen sind, wie etwa in Fällen des Wechsels von einer offenen Handelsgesellschaft in eine Kommanditgesellschaft oder von einer Personenhandelsgesellschaft bzw. Partnerschaftsgesellschaft in eine GbR vice versa. Hierfür ist lediglich ein Gesellschafterbeschluss notwendig.

 

Rz. 1a

Die Besonderheit beim Formwechsel besteht im Wesentlichen darin, dass es zu keiner Übertragung des Vermögens auf einen anderen Rechtsträger kommt. Vielmehr bleibt der Rechtsträger bestehen und nur die Rechtsform wird geändert. Die wirtschaftliche Identität bleibt unverändert (sog. Identitätswahrende Umwandlung).[4] Es gibt demnach auch keine Rechtsnachfolge. Die §§ 190213 UmwG enthalten die allgemeinen Vorschriften über den Formwechsel, während die §§ 214304 UmwG rechtsformspezifische Vorschriften enthalten.

 

Rz. 2

Als Rechtsträger eines Formwechsels kommt dabei grundsätzlich ein Großteil der Rechtsformen des inländischen Rechts in Betracht. Einen Überblick über die vom UmwG erfassten Rechtsträger und deren Handlungsspielräume im Rahmen von Formwechseln liefern die Tabellen 1–4 in "Umwandlungen: Rechnungslegung".[5] Durch die Mobilitätsrichtlinie vom 27.11.2019[6] wurde erstmals u. a. der rechtliche Rahmen für grenzüberschreitende Formwechsel von Kapitalgesellschaften im EU/EWR-Raum geregelt.[7]

 

Rz. 2a

Neben den grundlegenden formwechselbezogenen Vorschriften der §§ 190213 UmwG, die den Ablauf eines Formwechsels (Vorbereitung → Beschluss → Vollzug → Rechtsfolgen) regeln, bestehen im UmwG mit den §§ 214304 UmwG rechtsformspezifische Vorgaben.[8]

 

Rz. 3

Sofern eine Fortführung eines aufgelösten Rechtsträgers in der bisherigen Rechtsform noch nicht ausgeschlossen ist, ist ein Formwechsel i. S. d. UmwG noch möglich.

 

Rz. 3a

Bilanzielle Behandlung[9]

Die §§ 17 und 24 UmwG finden keine Anwendung. Die Aufstellung einer handelsrechtlichen Bilanz ist für einen Formwechsel nicht erforderlich.

Eine Prüfung ist nur in Ausnahmefällen der Barabfindung nötig, §§ 208, 225 i. V. m. § 30 UmwG.

[4] Vgl. Quass, in Maulbetsch/Klumpp/Rose, UmwG, 2. Aufl. 2017, § 190, Rz. 15.
[5] Vgl. zur tabellarischen Übersicht "Umwandlungen: Rechnungslegung", Rz. 5.
[6] Richtlinie (EU) 2019/2121 des Europäischen Parlaments und des Rates v. 27.11.2019 zur Änderung der Richtlinie (EU) 2017/1132 in Bezug auf grenzüberschreitende Umwandlungen, Verschmelzungen und Spaltungen, ABl. v. 12.12.2019 L 321, 1. Vgl. dazu Bayer/Schmidt, BB 2018, 2562; Suchan/Albrecht, WPg 2019, S. 1181; Schmidt, BB 3/2020, I; ­Stelmaszczyk, GmbHR 2020, S. 61; Schulte, GmbHR 2020, S. 139.
[7] Vgl. ausführlich zur Grenzüberschreitenden Sitzverlegung und zum grenzüberschreitenden Rechtsformwechsel, Heckschen, GWR 2020, S. 449 ff.
[9] Zu weiteren Erfordernissen vgl. IDW RS HFA 41 – "Auswirkungen eines Formwechsels auf den handelsrechtlichen Jahresüberschuss".

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