Forderungen: Wie richtig ge... / 2.2 Umsatzsteuerliche Behandlung einer Forderung

Bei der Sollbesteuerung entsteht die Umsatzsteuer bereits mit Ausführung der entsprechenden (Teil-)Leistung bzw. mit Ablauf des Veranlagungszeitraums, in dem diese tatsächlich ausgeführt wurde.

 
Praxis-Beispiel

Umsatzsteuer entsteht bei Lieferung

Ein Unternehmer liefert seinem Kunden am 20.12. eine Frankiermaschine. Die Rechnung vom 9.1. lautet über 10.000 EUR zzgl. 1.900 EUR Umsatzsteuer. Da der Unternehmer die geschuldete Lieferung im Dezember ausgeführt hat, entsteht die Umsatzsteuer mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums Dezember. Dass über die Lieferung im alten Jahr nicht abgerechnet wurde, ist für die Entstehung der Umsatzsteuer unbedeutend.

Bei Großprojekten, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken – oft über Jahre hinweg – ist es ratsam, Abschlagsrechnungen zu erteilen.

Werden bei Werklieferungen bzw. Werkleistungen auch Teilleistungen vereinbart und abgerechnet, entsteht die Umsatzsteuer nicht erst bei Rechnungsstellung, sondern bereits mit Fertigstellung der Teilleistung. Hier ist das Bauabnahmeprotokoll maßgeblich.

 
Praxis-Tipp

Umsatzsteuerfalle: Schlussrechnung

Werkunternehmer machen bei der Schlussrechnung oft Fehler. Die Schlussrechnung muss den Gesamtleistungsumfang, den Wert der Forderung netto sowie den Anteil der Umsatzsteuer und den Bruttobetrag ausweisen. Erhaltene Abschlagszahlungen und die jeweils darauf entfallende Umsatzsteuer werden in der Schlussrechnung gesondert aufgeführt und vom Endbetrag abgezogen. Weist der Unternehmer in der Schlussrechnung die Abschlagszahlungen nur in einem Bruttobetrag aus, muss er die bereits in den Abschlagszahlungen enthaltene Umsatzsteuer noch einmal an das Finanzamt abführen.

Die Steuerschuld nach § 14c Abs. 1 UStG entsteht auch bei einer Rechnungserteilung an Nichtunternehmer. Auch wenn die Rechnungen später erfolgreich berichtigt wird, entsteht immer ein Schaden dadurch, dass er für die Dauer des doppelten steuerlichen Ausweises Zinsen gem. § 233 a AO i. H. v. 0,5 % pro Monat an das Finanzamt zahlen muss. Denn die Korrektur einer Rechnung wirkt sich erst in dem Voranmeldungszeitraum aus, in dem die berichtigte Schlussrechnung dem Leistungsempfänger zugeht.

Eine Rechnungskorrektur entfaltet im Fall des § 14 c UStG keine Rückwirkung. Der Umstand, dass nach der Rechtsprechung des EuGH einer Rechnungsberichtigung beim Vorsteuerabzug unter bestimmten Voraussetzungen Rückwirkung zukommen kann, führt deshalb in Bezug auf § 14 c Abs. 1 Satz 2 UStG zu keiner anderen Beurteilung.

Die Rückwirkung einer Rechnungsberichtigung beim Vorsteuerabzug gilt unabhängig davon, ob die Berichtigung zum Vorteil oder zum Nachteil des Leistungsempfängers wirkt. Auch der Stornierung einer Rechnung nebst Neuausstellung einer sie ersetzenden Rechnung kann eine solche Rückwirkung zukommen.

Vorsicht ist auch geboten bei Schlussrechnungen an nicht zu Vorsteuerabzug berechtigte Bauträger.

Die wirksame Berichtigung eines Steuerbetrags nach § 14c Abs. 1 Satz 2, § 17 Abs. 1 UStG erfordert grundsätzlich, dass der Unternehmer die vereinnahmte Umsatzsteuer an den Leistungsempfänger zurückgezahlt hat.

 
Achtung

Umsatzsteuersenkung aufgrund des Zweiten Corona-Steuerhilfegesetzes für alle Unternehmer

Vom 1.7.2020 bis zum 31.12.2020 wird sowohl der reguläre Umsatzsteuersatz von 19 % auf 16 % als auch der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 % auf 5 % gesenkt.

Allein entscheidend ist der Zeitpunkt der Ausführung der Umsätze. Liegt dieser nach dem 30.6.2020 und vor dem 1.1.2021, so kommen die reduzierten Steuersätze zur Anwendung. Keine Rolle spielen Datum des Vertragsabschlusses, der Zeitpunkt der Rechnungsstellung oder des Zahlungseingangs. Auch die Form der Steuererhebung (Soll- oder Istversteuerung) hat keinen Einfluss auf den anzuwendenden Steuersatz.

Der Unternehmer muss sicherstellen, dass seine Ausgangsrechnungen mit dem korrekten Steuersatz abgerechnet werden. Bei Ausstellung von Rechnungen mit einem zu hohen Steuersatz (19 % statt 16 %) schuldet der Unternehmer neben der gesetzlich geschuldeten Umsatzsteuer (16 %) auch die zu hoch ausgewiesene Umsatzsteuer, d. h. insgesamt 19 %.

Eine Korrektur setzt sowohl die Berichtigung der Rechnung auch die Rückzahlung der zu hohen Umsatzsteuer durch den leistenden Unternehmer an den Kunden voraus.

Die Finanzverwaltung hatte sich bereits am 11.6.2020 mit einem Entwurf zur befristeten Absenkung des allgemeinen und ermäßigten Umsatzsteuersatzes zum 1.7.2020 geäußert. Ein weiterer, ergänzter Entwurf datierte vom 23.6.2020.

 
Wichtig

Umsatzsteuer für die Gastronomie ab 1.7.2020 bis 30.6.2021

Für Speisendienstleistungen gelten zwei Begünstigungszeiträume.

1.7.2020 bis 31.12.2020: Anwendung ermäßigter Steuersatz von 5 % (s. oben 2. Corona-Steuerhilfegesetz).

1.1.2021 bis 30.6.2021: Anwendung ermäßigter Steuersatz von 7 %.

Von der Absenkung der Umsatzsteuersätze sind sämtliche Unternehmen betroffen, die Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen – mit Ausnahme der Abgabe von Getränken – erbringen.

Diese befristeten umsatzsteuerlichen Begünstigungen gelten für Restaurants, Ga...

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