Um einen Vergleich der Kennzahlen so objektiv wie möglich zu gestalten, ist es wichtig, dass bei der Ermittlung der Kennzahlen einerseits ein identisches Verfahren angewendet wird und andererseits die in die Berechnung eingehenden Größen – Jahresüberschuss und Anzahl der ausstehenden Aktien – auf einheitlichen Grundlagen basieren. Problematisch bei der Ermittlung des Jahresüberschusses können bspw. Sondereinflüsse wie Unternehmenszusammenschlüsse oder Veräußerungen von Unternehmensteilen sein, kritisch bei der Anzahl der ausstehenden Aktien sind unter anderem unterjährig ausgegebene Aktien oder Stock Splits. Während die IFRS sowie die US-GAAP detaillierte Regelungen zur Ermittlung dieser Größen aufweisen, finden sich im Handelsrecht keine Anweisungen diesbezüglich. Hier hat die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Anlageberatung in Zusammenarbeit mit der Schmalenbach Gesellschaft jedoch einen Standard zur Ermittlung der Kennzahl entwickelt, welcher die Berechnungsweise sowie die eingehenden Größen im Detail definiert (Ergebnis je Aktie nach DVFA/SG). Nach IAS 33 ist eine Bereinigung grundsätzlich nicht zulässig.

2.1 Bereinigung des Jahresüberschusses

Um die Vergleichbarkeit der Kennzahl zwischen verschiedenen Unternehmen zu gewährleisten, muss der aus der Gewinn- und Verlustrechnung ablesbare Jahresüberschuss zum einen um Sondereinflüsse bereinigt werden, zum anderen müssen Effekte, die sich durch unterschiedliche Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden auf den Jahresüberschuss auswirken, eliminiert werden.

Ausgangsbasis für das Ergebnis nach DVFA/SG ist der Konzernjahresüberschuss, vgl. auch IAS 33.13. Dieser ist gemäß dem folgenden Schema zu bereinigen:

 
Konzernjahresüberschuss
+/- Ergebnisse aufgrund Änderungen im Konsolidierungskreis des Konzernabschlusses
+/- Änderungen in den latenten Steuern
= Angepasstes Konzernergebnis
+/- Bereinigungen der Aktiva
+/- Bereinigungen der Passiva
+/- Bereinigungen aufgrund sonstiger Sondereinflüsse
+/- Bereinigung von Fremdwährungseinflüssen
Zusammenfassung der Bereinigungen
= DVFA/SG Konzernergebnis
+/- Ergebnisanteile Dritter
= DFVA/SG Konzernergebnis für die Aktionäre des Mutterunternehmens
/ Anzahl der zugrunde gelegten Aktien
= Ergebnis je Aktie nach DVFA/SG

Im Rahmen der Erstellung eines handelsrechtlichen Konzernabschlusses werden aktive latente Steuern in der Regel nicht in vollem Umfang berücksichtigt. Nach DVFA/SG ist ein vollständiger Ansatz dieser Positionen erwünscht, aus Praktikabilitätsgründen kann der Ansatz latenter Steuern allerdings auf die Posten Rückstellungen und Verluste beschränkt werden.

Die Bereinigungen der Aktiv- und der Passivseite beruhen hauptsächlich auf Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, z. B. der Abschreibungsmethode oder der Methode zur Ermittlung von Pensionsrückstellungen. Eine Bereinigung aufgrund sonstiger Sondereinflüsse kann bspw. die Erfassung eines im Konzernabschluss nicht konsolidierten Tochterunternehmens sein. Die Bereinigung von Fremdwährungseinflüssen ist nur für ausländische Tochterunternehmen vorzunehmen, bei denen die Währungsumrechnung nicht nach der funktionalen Methode erfolgte. Unterschiede, die sich durch die angewandte Methode im Vergleich zur funktionalen Währungsumrechnung ergeben, sind zu beseitigen.

Der bereinigte Konzernüberschuss ist abschließend noch um die anderen Gesellschaftern zustehenden Gewinne zu verringern bzw. um die auf andere Gesellschafter entfallenden Verluste zu erhöhen.

IAS 33.69 stellt klar, dass ein Unternehmen das Ergebnis je Aktie auch dann auszuweisen hat, wenn die Beträge negativ (also als Verlust je Aktie) ausfallen.

Im Gegensatz zu der Ermittlung des Ergebnisses je Aktie nach der Methode der DVFA/SG, muss der Konzernjahresüberschuss nach IFRS nicht mehr weiter bereinigt werden, sondern kann direkt aus der Gewinn- und Verlustrechnung übernommen werden. Lediglich Nachsteuerbeträge von Vorzugsaktien, Differenzen bei der Tilgung von Vorzugsaktien und ähnlichen Auswirkungen von Vorzugsaktien, die als Eigenkapitlal klassifiziert werden, sind zu bereinigen, IAS 33.13. Das Augenmerk wird verstärkt auf die Ermittlung der richtigen Anzahl ausstehender Aktien gelegt.

2.2 Anzahl der ausstehenden Aktien

Das nach DVFA/SG ermittelte Konzernergebnis ist durch die durchschnittlich ausstehende Anzahl Aktien der Berichtsperiode zu dividieren. Vom Unternehmen gehaltene eigene Anteile dürfen dabei nicht berücksichtigt werden (vgl. auch IAS 33.IE2). Grundsätzlich kann zwischen dem unverwässerten und dem verwässerten Ergebnis je Aktie unterschieden werden.

2.2.1 Unverwässertes Ergebnis je Aktie

Das unverwässerte Ergebnis je Aktie (auch Basic oder Undiluted Earnings per Share genannt) stellt die Grundform der Kennzahl dar:

 
Unverwässertes Ergebnis je Aktie = Ergebnis  
Ausstehende Aktien  

Es werden nur die tatsächlich ausgegebenen Aktien, in Form eines zeitlich gewichteten Durchschnitts, berücksichtigt, IAS 33.10. Unter die ausgegebenen Aktien fallen dabei sowohl Stamm- als auch Vorzugsaktien. Besondere Aufmerksamkeit ist unterjährig ausgegebenen oder eingezogenen Aktien sowie Stock Splits zu widmen....

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