Erbschaftsteuer: Steuerbefr... / 8.5 Schuldenabzug

Stehen mit einem steuerbefreiten Familienheim Schulden im Zusammenhang, dann sind diese nicht abzugsfähig (§ 10 Abs. 6 Satz 1 ErbStG). Die Ausführungen in den Erbschaftsteuerrichtlinien 2011 für die Regelung des § 13 Abs. 1 Nr. 4b ErbStG kommen hier entsprechend zur Anwendung.

 
Praxis-Beispiel

Abzugsfähigkeit von Schulden

Der verwitwete Vater V hat seine Tochter T testamentarisch zur Alleinerbin eingesetzt. Der Erbfall tritt am 15.10.20019 ein. Das Erblasservermögen besteht zum einen aus einem Einfamilienhaus, welches V bis zu seinem Tod zu eigenen Wohnzwecken genutzt hat. Der gemeine Wert des Hauses (bewertet nach dem Vergleichswertverfahren, § 183 BewG) beträgt 1.600.000 EUR. Darüber hinaus ist noch ein Bankguthaben i. H. v. 800.000 EUR vorhanden. Tochter T zieht sofort nach dem Tod von V in das Einfamilienhaus ein. Das Einfamilienhaus ist mit Schulden i. H. v. 220.000 EUR belastet.

Lösung

Der Erwerb des Familienheims ist für Tochter T nach § 13 Abs. 1 Nr. 4c ErbStG steuerbefreit. Dagegen sind die Schulden i. H. v. 220.000 EUR nicht abzugsfähig (§ 10 Abs. 6 Satz 1 ErbStG).

Dies führt bei T zu folgender Besteuerung:

 
Vermögensanfall (Bankguthaben) 800.000 EUR
Familienheim (steuerfrei) ./. 0 EUR
Schulden (nicht abzugsfähig) ./. 0 EUR
abzüglich Beerdigungskostenpauschale ./. 10.300 EUR
abzüglich persönlicher Freibetrag (§ 16 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG) ./. 400.000 EUR
abgerundeter steuerpflichtiger Erwerb 389.700 EUR
Erbschaftsteuer (Steuersatz 15 %, § 19 Abs. 1 ErbStG) 58.455 EUR

Es ergibt sich für T eine Erbschaftsteuer i. H. v. 55.455 EUR.

Greift die Wohnflächenbegrenzung ein, dann ergibt sich ein teilweiser Schuldenabzug ergeben (so auch der Wortlaut der R E 13.4 Abs. 7 Satz 7 ErbStR 2019).

 
Praxis-Beispiel

Teilweiser Schuldenabzug

Die verwitwete Mutter M hat ihren Sohn S zum Alleinerben eingesetzt. Im Nachlass befindet sich ein von M bis zu ihrem Tod selbst genutztes Einfamilienhaus mit einem gemeinen Wert von 2.700.000 EUR. Die Wohnfläche beläuft sich auf 300 qm. Nach dem Tod von M am 1.9.2019 zieht S unverzüglich in das Haus ein. Das Einfamilienhaus ist noch mit Schulden i. H. v. 450.000 EUR belastet.

Lösung

Von der Steuerbefreiung des § 13 Abs. 1 Nr. 4c ErbStG wird nur eine Wohnfläche von 200 qm erfasst, 100 qm unterliegen der normalen Besteuerung bei S.

In die erbschaftsteuerliche Bemessungsgrundlage geht hier ein Betrag von 900.000 EUR (1/3 von 2.700.000 EUR) ein. Darüber hinaus sind die Schulden ebenfalls nur anteilig abzugsfähig, d. h. zu 150.000 EUR (1/3 von 450.000 EUR).

Dies führt bei S zu folgender Besteuerung:

 
Vermögensanfall (anteiliger Wert Wohnung) 900.000 EUR
abzüglich (anteilige) Schulden ./. 150.000 EUR
abzüglich Beerdigungskostenpauschale ./. 10.300 EUR
abzüglich persönlicher Freibetrag (§ 16 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG) ./. 400.000 EUR
abgerundeter steuerpflichtiger Erwerb 339.700 EUR
Erbschaftsteuer (Steuersatz 15 %, § 19 Abs. 1 ErbStG) 50.955 EUR

Damit ergibt sich für S eine Erbschaftsteuer i.  H.  v. 50.955 EUR.

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