Die ESMA hat das zweite Jahr in Folge die Angaben gem. IAS 8.30 zu erwarteten Auswirkungen neuer bzw. geänderter Standards zu einem Prüfungsschwerpunkt erklärt.[1] Die ESMA wünscht sich diesbezüglich quantitative, unternehmensspezifische Informationen anstelle von Floskeln ohne Informationsgehalt (boilerplate disclosures).

Das fortgesetzte Fehlen von quantitativen, unternehmensspezifischen Informationen kann darauf hindeuten, dass das Unternehmen mit der Analyse und Implementierung der neu anzuwendenden Standards im Rückstand ist. Das Vorgehen der DPR wird daher zunächst auf die Einsichtnahme der unternehmensinternen Dokumentation der Analyse der Auswirkungen als Prüfungshandlung setzen. Liegt diese (intern) detailliert vor, sind aber die (externen) Angaben unzureichend, so geht die DPR von einem Fehler aus. Ist dagegen auch die unternehmensinterne Dokumentation bzw. Analyse nicht ausreichend detailliert, dann wird die DPR das Unternehmen im Rahmen der Stichprobenauswahl der sog. Risikogruppe zuordnen und ggf. eine Anlassprüfung des Halbjahresabschlusses 2018 ansetzen.[2] Gemäß den novellierten Grundsätzen für die Stichprobenauswahl der zu prüfenden Unternehmen vom 15.12.2016 liegt die Wahrscheinlichkeit bei Unternehmen mit abstraktem Risiko in der ersten Stufe bei immerhin 40 %, sofern nicht ohnehin eine Anlassprüfung angesetzt wird.[3]

Als künftig anzuwendende Standards mit bedeutsamen Auswirkungen sind insbesondere IFRS 9, IFRS 15 und IFRS 16 angesprochen. Eine detaillierte Analyse der Auswirkungen darf vor allem erwartet werden zu IFRS 9 und IFRS 15, denn diese sind bereits für Geschäftsjahre ab dem 1.1.2018 verpflichtend anzuwenden.[4] IFRS 16 ist ab dem 1.1.2019 verpflichtend anzuwenden.

IFRS 9 und IFRS 15 normieren Sachverhalte umfassend neu, die jedes Unternehmen unabhängig von der Branche betreffen. In Bezug auf IFRS 9 ist eine Analyse der Auswirkungen des neuen Konzepts zur Erfassung von Wertminderungen (sog. Expected-Loss-Modell)[5] für Forderungen sowie der neuen Hedge-Accounting-Regeln zu erwarten.[6] IFRS 16 erfordert die Bilanzierung von Nutzungsrechten und Leasingverpflichtungen. Als Folge ist mit Bilanzverlängerungen, einem anderen Ausweis der Aufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung und einer anderen Periodisierung zu rechnen.

[1] In Bezug auf die Anwendung von IFRS 15 machten einer Analyse der PWC GmbH von 100 Geschäftsberichten deutscher nach IFRS bilanzierender Unternehmen mit Stichtag zwischen 30.6.2016 und 31.12.2016 zufolge 73 % der untersuchten Unternehmen zu den erwarteten Auswirkungen gar keine Angaben und 24 % der Unternehmen lediglich qualitative Angaben. Nur 3 % der Unternehmen machten (grobe) quantitative Angaben. Vgl. Pricewaterhousecoopers GmbH, Anhangangaben zu IFRS 15, 2016, abrufbar unter https://www.pwc-wissen.de/pwc/de/shop/13081250/Anhangangaben+zu+IFRS+15/?card=22841 (Abruf: 5.12.2017), S. 14. Eine Analyse der BDO AG von 88 Geschäftsberichten zum 31.12.2016 kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Danach stellen nur fünf Unternehmen quantitative Informationen zu den erwarteten Auswirkungen bereit. Vgl. BDO AG, Anhangangaben zur Einführung von IFRS 15, 2017, abrufbar unter https://www.bdo.de/getmedia/ff108048-8999-4305-b641-0acf7d452b98/Studie_IFRS-15.pdf.aspx (Abruf: 5.12.2017), S. 3.
[2] Vgl. Thormann, Unterlagen zum Vortrag "Rechnungslegungsthemen im Fokus der DPR" am 23.11.2017 auf der 9. Jahrestagung Bilanzkontrolle und Abschlussprüfung des Deutschen Aktieninstituts, S. 8.
[3] Vgl. DPR, Grundsätze für die stichprobenartige Prüfung gem. § 342b Abs. 2 S. 3 Nr. 3 HGB, abrufbar unter www.frep.info (Abruf: 5.12.2017), S. 2 f. An die erste Stufe schließt sich die zweite Stufe (geschichtete Stichprobe) an, die eine Auswahl derart vorsieht, dass Unternehmen aus dem DAX, MDAX, SDAX und TecDAX alle vier bis fünf Jahre geprüft werden. Ein in Stufe 1 nicht gezogenes Unternehmen kann in Stufe 2 gezogen werden.
[4] Eine Ausnahme in Bezug auf die erstmalige Anwendung von IFRS 9 hat der IASB im September 2016 für Versicherungsunternehmen beschlossen. Diese können bis Ende 2020 weiterhin IAS 39 anstelle von IFRS 9 anwenden.
[5] Im Gegensatz zum bisherigen Incurred-Loss-Modell des IAS 39 werden Ausfälle nicht erst bei Eintritt erfasst. In der praktischen Umsetzung ist die Beurteilung zentral, ob sich im Berichtszeitraum die Kreditrisiken wesentlich erhöht haben (sog. significant increase in credit risk, SICR). Vgl. hierzu etwa Bosse/Stege/Hochgesandt, WPg 2017, 5 ff.
[6] Vgl. zu den neuen Hedge-Accounting-Normen etwa Herrmann/Lachmann/Burkhardt, KoR 206, 525 ff. und Thomas, KoR 2015, 291 ff.

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