Zusammenfassung

 
Überblick

Am 3.11.2016 hat die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) e. V. die Prüfungsschwerpunkte für das Enforcement im Jahr 2017 veröffentlicht. Drei Prüfungsschwerpunkte gelten EU-übergreifend und wurden durch die europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (European Securities and Markets Authority – ESMA) festgelegt; diese Schwerpunkte wurden bereits am 28.10.2016 veröffentlicht. Sie betreffen die Darstellung der Ertragslage, die Abgrenzung zwischen Eigen- und Fremdkapitalinstrumenten sowie Anhangangaben zu Auswirkungen neuer IFRS. Ergänzt werden diese Themen um zwei nationale Prüfungsschwerpunkte, die durch die DPR festgelegt wurden. Dabei liegt der Fokus auf Anteilen an anderen Unternehmen und dem Werthaltigkeitstest von Sachanlagevermögen. Der nachfolgende Beitrag erläutert die Prüfungsschwerpunkte und gibt Tipps für den praktischen Umgang damit.

I. ESMA-Prüfungsschwerpunkte

1. Darstellung der Ertragslage (presentation of financial performance)

a) Nicht-IFRS-Informationen

Der erste europäische Prüfungsschwerpunkt ist der Darstellung der Ertragslage (financial performance) gewidmet. Dieser Fokus ist nicht überraschend, da die ESMA für das Jahr 2015 ermittelt hat, dass 21 % der Feststellungen der nationalen Enforcer die Darstellung (financial statements presentation) betreffen.[1] Es überrascht daher nicht, dass die ESMA die Bedeutung dieses Themas sowie Kernthesen zur Qualitätssteigerung bereits im Jahr 2015 in einem gleichlautenden Public Statement dargelegt hat.[2] Flankiert wurden diese Überlegungen von Leitlinien der ESMA zu sog. Nicht-IFRS-Informationen, auch als alternative Leistungskennzahlen (alternative performance measures[3]), Non-GAAP- oder Pro-Forma-Kennzahlen bezeichnet.[4] Diese Leitlinien sind von Unternehmen für ab Juli 2016 veröffentlichte Informationen zu beachten.

Auch der IASB widmet sich mit der Disclosure Initiative diesem Thema und hat zudem angekündigt, sich in den folgenden Jahren mit den Möglichkeiten der Verbesserung der Kapitalmarktkommunikation durch IFRS-Abschlüsse und einer aussagekräftigeren Abbildung der Performance eines Unternehmens zu befassen.[5] Der Prüfungsschwerpunkt greift also die aktuelle kritische Diskussion um die Darstellung der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Unternehmen auf und adressiert damit das primäre Interesse der Kapitalmarktteilnehmer an einer zutreffenden Beurteilung der Ertragskraft der Unternehmen.

Die Verwendung sog. alternativer Leistungskennzahlen, bei denen weder die Berechnung in den IFRS normiert ist, noch eine Angabepflicht besteht, bewegt sich seit jeher im Spannungsfeld zwischen Informationsnutzen (und unbestreitbarem) Investoreninteresse einerseits und dem Vorwurf der opportunistischen Verwendung durch Unternehmen andererseits.[6] Weit verbreitet ist bspw. die Berichterstattung über Kennzahlen wie EBIT und EBITDA oder ein unternehmensspezifisch definiertes "operatives Ergebnis", oft unter Herausrechnung bestimmter Aufwandskomponenten ("adjusted EBITDA", "EBITDA vor Einmaleffekten", "EBITDA vor Restrukturierungsaufwendungen").

Die formale Bindungswirkung dieser ESMA-Leitlinien umfasst zwar keine Jahresabschlüsse, sondern nur Informationen, die außerhalb des Jahresabschlusses veröffentlicht werden. Angesprochen sind damit insbesondere der Lagebericht, der "freie" (d. h. nicht der Jahresabschlussprüfungspflicht unterliegende) Teil des Geschäftsberichts sowie Ad-hoc-Mitteilungen. Da die Leitlinien die Unternehmen aber zu Konsistenz verpflichten, haben sie eine erhebliche faktische Bindungswirkung auch für den Jahresabschluss. Im Lagebericht sind solche Informationen im Regelfall sogar explizit geboten, da die Unternehmenssteuerung häufig auf alternative Leistungskennzahlen zurückgreift.[7]

Die Leitlinien verlangen u. a. eine Erläuterung der Berechnung der alternativen Leistungskennzahlen sowie eine Überleitung auf IFRS-Größen. Diesbezüglich gelten das sachliche und zeitliche Stetigkeitsprinzip: Die alternativen Leistungskennzahlen müssen über die verschiedenen Publikationsmedien und im Zeitablauf konsistent definiert und dargestellt werden, um die Vergleichbarkeit nicht zu gefährden.[8] Hervorzuheben ist die explizite Forderung der angemessenen Darstellung sog. "nicht-wiederkehrender" oder "seltener" Aufwandsposten. Solche Größen dürfen die Darstellung der Ertragslage nicht verzerren. Die Bezeichnung als "außerordentliche Posten" ist gem. IAS 1.87 ohnehin untersagt. Doch auch der Verweis auf die "Einmaligkeit" solcher Aufwandsposten ist häufig unzutreffend. Beispielsweise sind Auswirkungen von Unternehmenszusammenschlüssen, Restrukturierungen oder Wertminderungen regelmäßig als betriebsgewöhnlich zu charakterisieren.

Die DPR prüft im Lagebericht unter Rückgriff auf das interne Management-Reporting u. a., ob die dargestellten Kennziffern die bedeutsamsten internen Leistungskennzahlen sind, ob eine verständli-che Überleitungsrechnung zu den Abschlusszahlen veröffentlicht wird und ob die Bezeichnung vorgenommener Bereinigungen als "Einmaleffekt" oder als "Sondereffekt" sachgerecht ist.[9] Für die Beurteilung werden nach Aussage der DPR neben dem Ges...

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