Einkünfte aus Kapitalvermögen / 12.5.3 Grenzsteuersatz über 25 %

Es kann aber nicht in allen Fällen auf den einkommensteuerlichen Grenzsteuersatz des Anlegers abgestellt werden. Werden im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung (erstmals) Steuervergünstigungen durch Einbeziehung der Kapitalerträge gewährt, kann auch bei einem über 25-prozentigen Grenzsteuersatz die tarifliche Einkommensteuer auf die Kapitalerträge günstiger als die Abgeltungsteuer sein.

Im Zweifel sollte die Vergleichsberechnung durchgeführt werden, damit dem Anleger keine steuerlichen Nachteile entstehen.

 
Praxis-Beispiel

Beispiel 1
(ohne Kirchensteuer) Grundfreibetrag auf Kapitalerträge

Ein Anleger (ledig) erzielt im Jahr 2020 nach Abzug des Sparer-Pauschbetrags 20.000 EUR Kapitaleinkünfte. Die übrigen Einkünfte führen zu einem zvE von 5.000 EUR.

 
  Mit gesondertem Tarif für Kapitaleinkünfte Progressiver Tarif für alle Einkünfte
  EUR EUR
ZvE "übrige ­Einkünfte" 5.000 5.000
zzgl. Kapital­einkünfte 20.000
ZvE 5.000 25.000
Einkommensteuer 0 3.714,00
SolZ hierauf   204,27
zzgl. fixe Steuer auf Kapitaleinkünfte (20.000 × 25 %) 5.000,00
SolZ hierauf 275,00
Gesamtsteuer 5.275,00 3.918,27

Obwohl der Grenzsteuersatz des Anlegers über 25 % liegt, ist die tarifliche Einkommensteuer auf alle Einkünfte für den Anleger günstiger, da sich hierbei erstmals der gesamte Grundfreibetrag auswirkt.

 
Praxis-Beispiel

Beispiel 2
(ohne Kirchensteuer) Altersentlastungsbetrag

Eheleute A und B (beide 82 Jahre alt) erzielen in 2020 Versorgungsbezüge, die zu einem zu versteuernden Einkommen i. H. v. 60.000 EUR führen. Weiterhin erzielen sie nach Abzug des Sparer-Pauschbetrags 10.000 EUR Kapitaleinkünfte. Diese entfallen zu je 1/2 auf die Ehegatten.

 
  Mit gesondertem Tarif für Kapitaleinkünfte Progressiver ­Tarif für alle ­Einkünfte
  EUR EUR
ZvE "übrige Einkünfte" 60.000 60.000
zzgl. Kapital­einkünfte 10.000
abzgl. Alters­entlastungsbetrag (2 × 1.900 EUR)   –3.800
ZvE 60.000 66.200
Einkommensteuer 10.374,00 12.308,00
SolZ hierauf 570,57 676,94
zzgl. fixe Steuer auf Kapitaleinkünfte (10.000 × 25 %) 2.500,00
SolZ hierauf 137,50  
Gesamtsteuer 13.582,07 12.984,94

Obwohl der Grenzsteuersatz der Anleger über 25 % liegt, ist die tarifliche Einkommensteuer auf alle Einkünfte für den Anleger günstiger, da sich hierbei erstmals der Altersentlastungsbetrag auswirkt. Dieser ist nicht zu berücksichtigen, wenn der Anleger nur Versorgungsbezüge (oder Renten) erzielt.[1]

 
Hinweis

Abzug des Härteausgleichs nur bis VZ 2013

Bis zum VZ 2013 konnte im Rahmen der Günstigerprüfung der Härteausgleich bei den Kapitaleinkünften abgezogen werden. Dies ist nach Änderung der § 46 Abs. 3 und 5 EStG und des § 70 Satz 1 EStDV ab dem VZ 2014 nicht mehr möglich.[2]

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