Doppelte Haushaltsführung / 4.2.1 Ansatz der Entfernungspauschale

Für Familienheimfahrten gilt die Entfernungspauschale von 0,30 EUR pro Entfernungskilometer. Die Erhöhung auf 0,35 EUR (ab 2024: 0,38 EUR) ab dem 21. Entfernungskilometer ist erst für Veranlagungszeiträume ab 2021 anzuwenden.[1] Die Entfernungspauschale für eine wöchentliche Familienheimfahrt im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung kann unabhängig vom Aufwand in Anspruch genommen werden.[2] Für den Werbungskostenabzug der wöchentlichen Familienheimfahrt ist daher zunächst unerheblich, mit welchem Verkehrsmittel die Heimfahrten durchgeführt werden und ob dem Steuerpflichtigen überhaupt Kosten für diese Wege entstanden sind. Steuerfrei geleistete Reisekostenvergütungen und steuerfrei gewährte Freifahrten sind jedoch mindernd auf die Entfernungspauschale anzurechnen. Dementsprechend sind Familienheimfahrten mit dem Firmenwagen nicht abzugsfähig.[3] Der Gesetzgeber nimmt eine Saldierung vor. Er verzichtet einerseits auf die Erfassung eines geldwerten Vorteils und verordnet andererseits den Ausschluss des Werbungskostenabzugs.[4]

Die Entfernungspauschale berechnet sich für die wöchentliche Heimfahrt wie bisher nach der Gesamtstrecke zwischen auswärtigem Beschäftigungsort und Ort des eigenen Hausstands. Die Begrenzung des Werbungskostenabzugs auf 4.500 EUR ist im Rahmen der doppelten Haushaltsführung ohne Bedeutung.

 
Wichtig

Nachweisführung über Familienheimfahrten

Bei größeren Entfernungen zwischen Familienwohnung und auswärtigem Beschäftigungsort fallen regelmäßig hohe Werbungskostenbeträge an. Da der Ansatz der Entfernungspauschale daran geknüpft ist, dass Familienheimfahrten tatsächlich durchgeführt werden[5], verlangen die Finanzämter insbesondere bei hoher Pkw-Fahrleistung den Nachweis der tatsächlichen Pkw-Nutzung. Es empfiehlt sich, durch geeignete Belege Beweisvorsorge zu treffen. In Betracht kommen die Tachometerstände in TÜV- oder Inspektionsrechnungen, aus denen sich die Gesamtjahresfahrleistung des jeweiligen Pkws ergibt. Der Nachweis der für das Fahrzeug tatsächlich angefallenen Kosten ist dagegen nicht erforderlich.

Übersteigen die tatsächlichen Kosten für öffentliche Verkehrsmittel die anzusetzende Entfernungspauschale, können die höheren Kosten als Werbungskosten geltend gemacht werden. Der Ansatz der tatsächlichen Kosten für Busse oder Bahn ist zulässig, wenn die nachgewiesenen Kosten laut Fahrschein höher sind als der sich nach der Entfernungspauschale ergebende Abzugsbetrag.[6] Außerdem sind Unfallkosten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung als außergewöhnliche Werbungskosten abzugsfähig, da diese mit dem Ansatz der Entfernungspauschale nicht abgegolten sind. Damit ist auch der zusätzliche steuerfreie Arbeitgeberersatz möglich. Zu den außergewöhnlichen Kosten zählen ebenso die Aufwendungen für einen Pkw-Stellplatz am Ort der Zweitwohnung. Die Garagen- oder Stellplatzmiete sind durch die Entfernungspauschale nicht abgegolten.[7] Voraussetzung für den Abzug ist, dass die Kosten für einen Stellplatz oder die Anmietung einer Garage bei der Zweitwohnung notwendig sind, etwa weil die Parkplatzsituation oder der Schutz des Firmenwagens im Einzelfall hierfür ursächlich sind.

 
Wichtig

Keine Entfernungspauschale für Flugstrecken

Der Ansatz der Entfernungspauschale gilt nicht für Flugstrecken.[8] Flugkosten, die für die wöchentliche Heimfahrt im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung anfallen, dürfen nach wie vor ausschließlich i. H. d. nachgewiesenen tatsächlich angefallenen Kosten angesetzt werden, sowohl für den Kostenabzug als auch für die steuerfreie Erstattung seitens der Firma.[9]

Eine weitere Ausnahme vom Ansatz der Entfernungspauschale gilt bei behinderten Arbeitnehmern mit einem Behinderungsgrad von mindestens 70 bzw. bei behinderten Arbeitnehmern, die erheblich gehbehindert sind und bei denen ein Behinderungsgrad von mindestens 50 vorliegt. Bei diesen Arbeitnehmern werden die tatsächlichen Kfz-Kosten bzw. der für berufliche Auswärtstätigkeiten geltende Kilometersatz von 0,30 EUR pro gefahrenen Kilometer bei Pkw-Benutzung als Werbungskosten anerkannt.

Ist der Arbeitnehmer aus beruflichen Gründen gehindert, eine Familienheimfahrt durchzuführen, können stattdessen die Aufwendungen für eine Besuchsfahrt der Ehefrau wie Werbungskosten angesetzt werden. Das Gleiche gilt unter Umständen für den Besuch der minderjährigen Kinder. Insgesamt dürfen jedoch höchstens die Beträge abgezogen werden, die der Arbeitnehmer bei einer wöchentlichen Familienheimfahrt hätte ansetzen können.[10]

Zu der sog. umgekehrten Familienheimfahrt hat der BFH entschieden, dass Besuchsfahrten nicht ohne weitere Voraussetzung an der Stelle von Familienheimfahrten Werbungskosten sind. Abzugsfähig sind Besuchsfahrten nur dann, wenn berufliche Gründe der wöchentlichen Familienheimfahrt des auswärts beschäftigten Arbeitnehmers entgegenstehen.[11]

Abziehbar sind bei Besuchsreisen der Ehefrau und der minderjährigen Kinder nur die Fahrtkosten, nicht dagegen Mehraufwendungen für Unterkunft und Verpflegung.[12]

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