Die neue CSR-Richtlinie erweitert die Zielgruppe auf alle großen Kapital- und denen über § 264a HGB gleichgestellte Personenhandelsgesellschaften und mittelfristig auch auf fast alle Unternehmen des öffentlichen Interesses unabhängig von der Größe.

Ausweitung der betroffenen Unternehmen

Neben der angestrebten qualitativen Verbesserung der Berichterstattung ist mit dem Vorschlag zur neuen CSR-Richtlinie (CSRD-Vorschlag) auch eine deutliche Ausweitung der betroffenen Unternehmen vorgesehen. Es soll mit Anwendung ab dem Geschäftsjahr 2023 die Schwelle von 500 Beschäftigten und das Kriterium der Kapitalmarktorientierung (§ 264d HGB) entfallen, so dass dann alle großen (§ 267 Abs. 3 HGB) Kapital- und denen über § 264a HGB gleichgestellten Personenhandelsgesellschaften unabhängig ob von öffentlichem Interesse (kapitalmarktorientierte i.S.v. § 264d HGB sowie Banken und Versicherungen) kapitalmarktorientiert nach § 264d HGB oder nicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung im Lagebericht verpflichtet werden.

Zudem sollen ab 2026 auch fast alle weiteren Unternehmen von öffentlichem Interesse verpflichtet werden – einzige Ausnahme wäre hier nur noch die Größenklasse der Kleinstkapitalgesellschaften. Diese kapitalmarktorientierten kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) sollen somit als eine Erleichterung erst drei Jahre nach Inkrafttreten der Berichtspflichten der CSRD unter die Berichtspflichten fallen, was insbesondere mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten rund um die Corona-Pandemie begründet wird. Die Europäische Kommission erhofft sich zudem, dass sich diese dreijährige Übergangsphase positiv auf KMU auswirken wird, da bis zur erstmaligen Anwendung die Berichterstattungs- und Prüfungspraxis hinsichtlich nachhaltigkeitsrelevanter Informationen einen höheren Reifegrad erreicht haben würde. Andere – nicht kapitalmarktorientierte – KMU müssen weiterhin keine Nachhaltigkeitsinformationen von Gesetzes wegen offenlegen; die Entwicklung angemessener, freiwilliger KMU-Standards soll ihnen jedoch dabei helfen, impliziten Berichtspflichten z.B. aufgrund ihrer Geschäftsbeziehungen nachzukommen.

Analog sollen ab dem Geschäftsjahr 2023 auch alle konzernrechnungslegungspflichtigen Unternehmen (§ 290 HGB) im Konzernlagebericht (§ 315 HGB) die Nachhaltigkeitsinformationen aufnehmen, wobei jedoch eine Selbstbefreiung des Mutterunternehmens erlaubt werden soll.

Das DRSC erwartet für Deutschland eine Verdreißigfachung der betroffenen Unternehmen von derzeit von ca. 500 auf ca. 15.000 Unternehmen (DRSC Stellungnahme CSRD, abrufbar unter: https://www.drsc.de/app/uploads/2021/05/210526_DRSC_SN_BMJV_CSRD.pdf (Abrufdatum: 7.6.2021).

Eine Befreiung soll weiterhin wie schon bisher nach § 289b Abs. 2 HGB bestehen, wenn die Kapitalgesellschaft in den Konzernlagebericht eines Mutterunternehmens einbezogen ist und dieser Konzernlagebericht nach Maßgabe des nationalen Rechts eines Mitgliedstaats der Europäischen Union oder eines anderen Vertragsstaats des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum im Einklang mit der Richtlinie 2013/34/EU aufgestellt wird und eine Nachhaltigkeitsberichterstattung enthält.

 
Praxis-Tipp

Selbstbefreiung

In dem Richtlinienentwurf wird nun explizit klargestellt, dass auch eine Selbstbefreiung möglich, so dass das Mutterunternehmen sich von der Nachhaltigkeitsberichterstattung im Lagebericht durch die Aufstellung einer solchen Berichterstattung im Konzernlagebericht befreien kann (Art. 29a Absatz 6 und 7 CSRD-Vorschlag).

Die Befreiung ist im Lagebericht der Kapitalgesellschaft mit einer Erläuterung anzugeben, wobei auch anzugeben ist, welches Mutterunternehmen den Konzernlagebericht offenlegt und wo der Bericht in deutscher oder englischer Sprache offengelegt oder veröffentlicht ist. Schon bislang wurde allerdings mit § 315b Absatz 3 Satz 2 HGB klargestellt, dass ein Mutterunternehmen, das sowohl nach bisherigem § 289b HGB als auch nach § 315b HGB berichtspflichtig ist, seinen eigenen gesonderten nichtfinanziellen Bericht mit dem gesonderten nichtfinanziellen Konzernbericht für die Konzernebene zusammenfassen kann. Diese Möglichkeit diente ebenfalls der Vermeidung von Doppelangaben, Verweisen und Wiederholungen.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Finance Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Finance Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge