Die Unternehmensberichterstattung befindet sich in einem Umbruch. Die Tendenz geht dabei weg von der reinen finanziellen Abbildung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage hin zu Darstellung von nichtfinanziellen Faktoren. Schon bisher haben große Kapitalgesellschaften im Lagebericht über die bedeutsamsten nichtfinanziellen Leistungsindikatoren, wie Informationen über Umwelt- und Arbeitnehmerbelange, zu berichten, soweit diese für das Verständnis des Geschäftsverlaufs oder der Lage von Bedeutung sind (§ 289 Abs. 3 HGB). Diese gesetzliche Vorgabe ist in den letzten Jahren zunehmend um Nachhaltigkeitsberichterstattungen auf freiwilliger Basis ergänzt worden, wobei als Stichworte hierzu nur stellvertretend das Framework des International Integrated Reporting Councils (IIRC) und der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) zu nennen sind. Auf diesen Zug ist auch die EU aufgesprungen, indem im November 2014 die RL 2014/95/EU (sog. CSR-Richtlinie) verabschiedet wurde, die eine weitere Ausweitung der pflichtmäßigen Publizität nichtfinanzieller Informationen für bestimmte kapitalmarktorientierte Unternehmen seit dem Geschäftsjahr 2017 fordert. Insbesondere im Rahmen des weiter gefassten "Fitness Check" der Europäischen Kommission 2018 (Eignungsprüfung des EU-Vorschriftenrahmens im Bereich der Unternehmensberichterstattung, 2018, abrufbar unter: https://ec.europa.eu/info/consultations/finance-2018-companies-public-reporting_de (Abrufdatum: 7.6.2021)) zum Gesamtrahmen der Rechnungslegung in der EU durchführte, wurde allerdings offensichtlich, dass die bis heute unverändert geltenden nichtfinanziellen Berichtspflichten der CSR-Richtlinie dringend reformbedürftig sind. Der "Green Deal" der EU mit dem besonderen Fokus auf die notwendigen Herausforderungen der Berichterstattung und Finanzierung mit Blick auf die Bekämpfung des Klimawandels gab dieser Kritik weiteren Schub. Als derzeitiger Zwischenstand veröffentlichte die Europäische Kommission ihren finalisierten Vorschlag für eine "Corporate Sustainability Reporting Directive" (CSRD) (Proposal for a Directive of the European Parliament and of the Council amending Directive 2013/34/EU, Directive 2004/109/EC, Directive 2006/43/EC and Regulation (EU) No 537/2014, as regards corporate sustainability reporting, COM(2021) 189 final vom 21.4.2021, abrufbar unter: https://ec.europa.eu/info/publications/210421-sustainable-finance-communication_en#csrd (Abrufdatum: 7.6.2021) am 21.4.2021. Zudem legte sie ein ausführliches "Impact Assessment" dazu vor, abrufbar unter: https://ec.europa.eu/info/publications/210421-sustainable-finance-communication_en#csrd (Abrufdatum: 7.6.2021).

Klare Fokussierung auf Nachhaltigkeit und Bekämpfung des Klimawandels

Mit dem Entwurf der neuen CSR-Richtlinie soll die nichtfinanzielle Unternehmensberichterstattung in der EU gestärkt und gleichzeitig der Green Deal weiter vorangetrieben werden. Die vorgelegten Änderungen sollen für mehr Transparenz über nachhaltige Aspekte sorgen und lässt damit die Nachhaltigkeitsberichterstattung deutlich näher zur klassischen Finanzberichterstattung rücken – in dem Vorschlag wird sogar das Ziel der Gleichwertigkeit der beiden Berichtsformen erwähnt. Wurde in der Begründung für die Ausweitung der Berichterstattung über nichtfinanzielle Sachverhalte ab dem Geschäftsjahr 2017 vom europäische Richtliniengeber insbesondere auf das gesunkene Vertrauen des Kapitalmarkts in die Publizitätsqualität von Unternehmen des öffentlichen Interesses verwiesen, so werden jetzt die teils weitreichenden Neuregelungen im Kontext der Transformation der europäischen Wirtschaft verstanden:

"Die Kommission unterbreitet den delegierten Rechtsakt zur EU-Klimataxonomie, einen Vorschlag für eine Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (Corporate Sustainability Reporting Directive, CSRD) zur Überarbeitung der Richtlinie über die Angabe nichtfinanzieller Informationen sowie Änderungen delegierter Rechtsakte, damit Nachhaltigkeitspräferenzen im Rahmen von Versicherungs- und Anlageberatung sowie Nachhaltigkeitserwägungen bei der Produktüberwachung und treuhänderischen Pflichten besser Rechnung getragen wird. Diese Rechtsakte werden zum Übergang zu einem grüneren, gerechteren und nachhaltigeren Europa beitragen und die Verwirklichung der Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung unterstützen." (EU-Kommission COM(2021) 188 final, S. 1, abrufbar unter: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52021DC0188=EN (Abrufdatum: 7.6.2021)).

Die Verpflichtungen der EU zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2050 zusammen mit den gesteigerten Einsparzielen bis 2030 und 2040 schlagen somit auch ganz konkret auf die Unternehmen durch. Auffällig ist dabei allerdings, dass die EU hier den Weg über die Finanzierung und die Berichterstattung wählt, statt konkrete Vorgaben zu machen bzw. etwa den Emissionshandel auf weitere Branchen und Länder auszuweiten (und entsprechende Ein- und Ausfuhrregelungen zu implementier...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Finance Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Finance Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge