Der Werbungskostenabzug für ein häusliches Arbeitszimmer ist nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG nur möglich, wenn das Arbeitszimmer von den übrigen Wohnräumen abgetrennt ist, fast ausschließlich beruflich genutzt wird und kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Da aus Gründen des Infektionsschutzes oder aufgrund behördlicher Anweisung derzeit viele Arbeitsplätze gar nicht bzw. nur sehr eingeschränkt nutzbar sind, steht vielen Arbeitnehmern kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, sodass sie – bei Vorliegen der weiteren Voraussetzungen – innerhalb dieses begrenzten Zeitraums ein häusliches Arbeitszimmer begründen.[18] Erfolgen die wesentlichen Arbeiten dabei weiterhin am Arbeitsplatz und werden lediglich einzelne Tage im Homeoffice verrichtet, so ist der Werbungskostenabzug auf 1.250 EUR[19] beschränkt. Bildet das häusliche Arbeitszimmer hingegen den Mittelpunkt der Tätigkeit, ist der Abzug in unbegrenzter Höhe möglich.

Sofern die weiteren Voraussetzungen für ein häusliches Arbeitszimmer – von den übrigen Wohnräumen abgetrennt und fast ausschließlich berufliche Nutzung – nicht vorliegen oder dieses nicht angesetzt wird, kann für die Jahre 2020 und 2021 eine Homeoffice-Pauschale[20] i. H. v. 5 EUR pro Kalendertag, an dem die Arbeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung erbracht wurde, angesetzt werden. Die Pauschale ist dabei auf maximal 600 EUR pro Kalenderjahr beschränkt und zählt zu den Werbungskosten. Im Ergebnis führt dieser Betrag somit erst zu einer steuerlichen Entlastung, wenn weitere Werbungskosten i. H. v. über 400 EUR geltend gemacht werden, da in allen anderen Fällen weiterhin der Werbungskosten-Pauschbetrag i. H. v. 1.000 EUR greift.

Die Arbeit im Homeoffice kann jedoch auch unerwünschte steuerliche Folgen haben, wenn Grenzpendler, die normalerweise täglich von ihrem Wohnsitz in einen anderen Staat zur Arbeit pendeln, nun vermehrt im Homeoffice arbeiten. In einer Vielzahl von Doppelbesteuerungsabkommen ist eine Höchstgrenze von Tagen festgelegt, an denen der Tätigkeitsort in einem anderen Staat nicht aufgesucht werden muss und die Arbeit im Ansässigkeitsstaat ausgeübt werden darf, ohne dass es zu einem (teilweisen) Wechsel des Besteuerungsrechts kommt.[21] Um während der Corona-Pandemie keine steuerlich nachteiligen Folgen zu erzielen, hat Deutschland daher mit einigen Staaten zeitlich befristete Sonderregelungen getroffen,[22] die dazu führen, dass Tage, die aktuell im Homeoffice verbracht werden, als im Tätigkeitsstaat verbrachte Arbeitstage fingiert werden. Im Zuge dieser Überlegungen könnte – insbesondere vor dem Hintergrund, dass flexible Homeoffice-Regelungen immer stärker von Arbeitnehmer und -geber forciert werden – gegebenenfalls auch darüber nachgedacht werden, ob diese Höchstgrenze heute überhaupt noch zeitgemäß ist.

[18] Voraussetzung ist jedoch weiterhin, dass ein abgeschlossener Raum vorliegen muss, der (in dieser Zeit) zu maximal 10 % privat genutzt wurde; vgl. BFH, Beschluss v. 27.7.2015, GrS 1/14, BStBl 2016 II S. 265; BFH, Urteil v. 22.3.2016, VIII R 10/12, BStBl 2016 II S. 881; BMF, Schreiben v. 6.10.2017, IV C 6 – S 2145/07/1002 :017, BStBl 2017 I S. 1320.
[19] Dieser Betrag wird pro Wirtschaftsjahr gewährt und ist nicht zeitanteilig zu kürzen; vgl. BMF, Schreiben v. 6.10.2017, IV C 6 – S 2145/07/1002 :017, BStBl 2017 I S. 1320, Rn. 22.
[20] Vgl. Jahressteuergesetz 2020 v. 21.12.2020, BGBl 2020 I S. 3096.
[21] Dieser Wechsel ist z. B. in den Doppelbesteuerungsabkommen von Deutschland mit Luxemburg, den Niederlanden, Belgien und Österreich vorgesehen. Nach dem Doppelbesteuerungsabkommen mit Frankreich haben die zusätzlichen Tage im Homeoffice für Beschäftigte im Grenzgebiet keine Auswirkungen auf die Aufteilung der Besteuerungsrechte.
[22] Vgl. beispielhaft Verständigungsvereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Belgien v. 6.5.2020, Verlängerung v. 23.3.2021; Konsultationsvereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik v. 13.5.2020, Verlängerung v. 16.3.2021; Verständigungsvereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Großherzogtum Luxemburg v. 3.4.2020, Verlängerung v. 7.10.2020; Konsultationsvereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich der Niederlande v. 6.4.2020, Verlängerung v. 23.3.2021; Konsultationsvereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Österreich v. 15.4.2020, Verlängerung v. 15.1.2021.

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