Buchführung/IFRS-Umstellung / 4.6.2.2 Aufgabe von Geschäftsbereichen
 

Rz. 106

IFRS 5 schreibt sowohl für die zur Veräußerung gehaltenen langfristigen Vermögenswerte und Schulden einschließlich Veräußerungsgruppen sowie für die aufgegebenen Geschäftsbereiche zahlreiche Angaben im Anhang zum IFRS-Abschluss vor.

Die bilanzbezogenen Angabepflichten zu den zur Veräußerung gehaltenen langfristigen Vermögenswerten und Schulden einschließlich Veräußerungsgruppen lassen sich dadurch abbilden, indem zum Zeitpunkt der Reklassifizierung dieser Vermögenswerte und Schulden die zur Veräußerung gehaltenen langfristigen Vermögenswerte und Schulden einschließlich Veräußerungsgruppen auf separate(n) Kostenstelle(n) innerhalb der jeweiligen operativen Segmente umgebucht werden. Hierdurch lassen sich zum einen die Hauptgruppen der Vermögenswerte und Schulden der zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswerte einschließlich Veräußerungsgruppen identifizieren[1] als auch das Segment angeben, zu dem der langfristige Vermögenswert bzw. die Veräußerungsgruppe gehört.[2]

 

Rz. 107

Wenn das nach IFRS rechnungslegende Unternehmen in der Gesamtergebnisrechnung bzw. GuV-Rechnung nur den Mindestausweis für das Ergebnis aus aufgegebenen Geschäftsbereichen gemäß IAS 1.82 ea) wählt, so hat es zumindest im Anhang die folgenden quantitativen Aufgliederungen für die aufgegebenen Geschäftsbereiche offenzulegen:

  • Umsätze, Aufwendungen und Ergebnis vor Steuern aus aufgegebenen Geschäftsbereichen sowie der auf dieses Ergebnis entfallende Ertragsteueraufwand (IFRS 5.33 a (i) i. V. m. 5.33 b (i) und (ii)).
  • Gewinn und Verlust aus der Bewertung sowie aus der Veräußerung der dem aufgegebenen Geschäftsbereich zuzuordnenden Vermögenswerte und Schulden nach IFRS 5.15 sowie der auf dieses Ergebnis entfallende Ertragsteueraufwand (IFRS 5.33 a (ii) i. V. m. 5.33 b (iii) und (iv)).
  • Höhe der Netto-Cashflows aus betrieblicher Tätigkeit, Investitions- und Finanzierungstätigkeit (IFRS 5.33 c).
 

Rz. 108

Das Ergebnis vor Steuern schließt neben dem Betriebsergebnis das Beteiligungsergebnis und das Finanzergebnis ein. Dies bedeutet im Regelfall (d. h., wenn das Segmentergebnis nicht bereits mit der Ergebnisebene "Ergebnis vor Steuern" übereinstimmt) die Ermittlung von Unternehmensbereichsergebnissen auf einer dem Segmentergebnis nachgelagerten Ergebnisebene, da ein Geschäftsbereich entweder aus einer oder mehreren zahlungsmittelgenerierenden Einheiten besteht und maximal ein operatives Segment nach IFRS 8 umfassen kann.[3]

 

Rz. 109

Der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit kann näherungsweise aus dem Ergebnis vor Steuern bzw. einer dem Segmentergebnis vergleichbaren Ergebniskennziffer für den aufgegebenen Geschäftsbereich und den nicht zahlungswirksamen Aufwendungen/Erträgen abgeleitet werden. Insoweit ist lediglich die Verdichtung der nicht zahlungswirksamen Aufwendungen/Erträge auf Ebene der Unternehmensbereiche sicherzustellen, was jedoch wegen der Erfassung der Grunddaten auf wesentlich tiefer liegenden Ebenen innerhalb der Unternehmenshierarchie (i. d. R. Kostenstellen)[4] keine besonderen Schwierigkeiten bereiten dürfte. Bei den Cashflows aus Investitions- und Finanzierungstätigkeit brauchen nur die Cashflows für die Vermögenswerte und Schulden offen gelegt zu werden, die im Rahmen der Aufgabe veräußert, getilgt, verringert werden oder anderweitig ausscheiden. Diese Informationen lassen sich im Rahmen der Finanzbuchhaltung relativ einfach erzeugen, wenn die betreffenden Vermögenswerte und Schulden eine entsprechende Kennzeichnung in den Konteninformationen (Zugehörigkeit zu einem Unternehmensbereich bei Schulden bzw. Kostenstellenzugehörigkeit bei Vermögenswerten) erhalten.

 

Rz. 110

Der Gewinn und Verlust aus der Bewertung der dem aufgegebenen Geschäftsbereich zuzuordnenden Vermögenswerte und Schulden nach IFRS 5.15 ist durch buchhalterische Erfassung der Bewertungsergebnisse bei Umbuchung der Vermögenswerte und Schulden auf Kostenstellen bzw. Unternehmensbereiche, die einen aufgegebenen Geschäftsbereich bilden, zu generieren. Zudem sind die laufenden Bewertungsergebnisse sowie das Veräußerungsergebnis der einem aufgegebenen Geschäftsbereich zugeordneten Vermögenswerte und Schulden entweder über ein eigens eingerichtetes Buchhaltungskonto oder über kostenrechnerische Auswertung auf den entsprechenden Kostenstellen, welche die dem aufgegebenen Geschäftsbereich zugeordneten Vermögenswerte und Schulden enthalten, abzugrenzen und damit die Angabepflicht des IFRS 5.33 b) (iii) zu erfüllen. Der auf dieses Ergebnis zuzurechnende Ertragsteueraufwand ist ebenfalls – i. d. R. kontenmäßig – zu separieren.[5]

 

Rz. 110a

Die ebenfalls nach IFRS 5.33 d) anzugebende Untergliederung des auf die Anteilseigner des Mutterunternehmens und des auf die Anteile nicht beherrschender Gesellschafter entfallenden Ergebnisses aus aufgegebenen Geschäftsbereichen braucht nicht buchhalterisch umgesetzt zu werden, sondern wird im Rahmen der Erstellung des Konzernabschlusses durch die Anwendung des jeweiligen auf die Anteile nicht beherrschender Gesellschafter entfallenden Kapitalb...

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