Brexit: Umsatzsteuer - Fall 69: Elektronische Dienstleistungen nach UK

Fall:

Die A-GmbH bietet Musik und Filme zum Download sowie andere elektronische Dienstleistungen an. Die Nutzer sind Privatpersonen (Nichtunternehmer) und kommen sowohl aus dem In- und Ausland, darunter auch aus UK. Diese laden die Musik und Filme herunter und bezahlen für jeden heruntergeladenen Titel.

Die A-GmbH ist in Deutschland für das Mini-One-Stop-Shop-(MOSS)-Verfahren registriert. Sie gibt daher nur in Deutschland eine Umsatzsteuererklärung ab, die alle Umsätze innerhalb der EU umfasst.

Lösung:

Die A-GmbH hat nach dem Brexit für die Kunden aus UK britische Umsatzsteuer auszuweisen und diese in UK an den Fiskus abzuführen. Dazu hat sie sich in UK umsatzsteuerlich zu registrieren. Für die Umsätze in Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten kommt weiterhin das MOSS-Verfahren zur Anwendung.

Hintergrundinfos:

Die A-GmbH erbringt eine sonstige Leistung. Diese wird an Privatpersonen und damit an Nichtunternehmer erbracht. Der Ort der Leistung ist damit gem. § 3a Abs. 4 Satz 2 Nr. 1 UStG der Ort des Wohnsitzes des Leistungsempfängers. Der Ort der Leistung ändert sich durch den Brexit daher nicht.

Die Umsätze innerhalb der EU (und damit auch Deutschland) können auch nach dem Brexit im Rahmen des MOSS-Verfahrens erklärt werden. Insoweit ändert sich die umsatzsteuerliche Situation für die A-GmbH nicht. Da UK nach dem Brexit nicht mehr zur EU gehört, können die Umsätze mit Nutzern aus UK nicht mehr vom MOSS-Verfahren erfasst werden. Sofern sich Nutzer aus UK Musik und Filme herunterladen, ist britische Umsatzsteuer auszuweisen und abzuführen. Die A-GmbH hat sich dafür in UK umsatzsteuerlich zu registrieren.

Sollen bereits gemeldete Umsätze nach dem BREXIT berichtigt werden, ist zu unterscheiden, ob es sich dabei um Umsätze in UK handelt oder nicht.

  • Umsätze in UK, die vor dem BREXIT ausgeführt worden sind, deren Meldung aber nach dem BREXIT korrigiert werden soll, sind entsprechend den Regelungen in UK zu korrigieren.
  • Sollen vor dem BREXIT ausgeführte Umsätze außerhalb von UK nach dem BREXIT berichtigt werden, ist die MOSS-Meldung entsprechend zu korrigieren, wobei die UK-Umsätze unverändert bleiben. Auch wenn die korrigierte Meldung erst nach dem BREXIT eingereicht wird, sind daher die vor dem BREXIT gemeldeten Umsätze weiterhin in der Meldung (unverändert) aufzunehmen.

Diese Regelung gilt für alle elektronischen Dienstleistungen.

Checkliste:

  • Werden elektronische Dienstleistungen an Privatpersonen und/oder Nichtunternehmer erbracht?
  • Ist das Unternehmen, das die elektronische Dienstleistung erbringt, in Deutschland (oder in einem anderen EU-Mitgliedstaat außer UK) ansässig oder unterhält dort eine Niederlassung?
  • Hat das Unternehmen Nutzer in verschiedenen Mitgliedstaaten der EU sowie in UK?
  • Nimmt das Unternehmen bereits vor dem Brexit am MOSS-Verfahren teil
  • Ist eine umsatzsteuerliche Registrierung in UK für die Zeit nach dem Brexit erfolgt?

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