Brexit: Umsatzsteuer - Fall 65: Zulieferung aus UK

Fall:

Die A-GmbH verkauft Waren aus UK in Deutschland. Die Zulieferung erfolgt von der Y-Ltd. aus UK.

Lösung:

Ort der Lieferung aus dem Drittland kann der Ort des Beförderungsendes sein. Dies gilt gem. § 3 Abs. 8 UStG aber nur, wenn der Lieferer, das heißt die Y-Ltd., die EUSt schuldet. Dies ist nur dann der Fall, wenn dies mit der A-GmbH entsprechend vereinbart ist, z. B. über den entsprechenden Incoterm DDP oder in einer gesonderten vertraglichen Vereinbarung. Durch die Überführung in den freien Verkehr ist die nachfolgende Lieferung an den Endkunden als innerdeutsche Lieferung der deutschen Umsatzsteuer zu unterwerfen.

Hintergrundinfo:

Bisher war bei Lieferungen aus UK der Leistungsort gem. § 3d UStG stets in Deutschland. Diese Norm ist aber auf Lieferungen aus dem Drittland nicht anwendbar. Für derartige Lieferungen gilt die Regelung des § 3 Abs. 6 Satz 1 UStG als Grundsatz. Danach ist der Ort der Lieferung am Beförderungsbeginn und damit grundsätzlich in UK. Dort ist sie aber regelmäßig als Ausfuhrlieferung steuerfrei. Die Einfuhr ist gem. § 1 Abs. 1 Nr. 4 UStG in Deutschland mit Einfuhrumsatzsteuer zu versteuern. Sofern die A-GmbH die Einfuhrumsatzsteuer nicht trägt, hat sich die Y-Ltd. in Deutschland umsatzsteuerlich zu registrieren.

Der Ort der Lieferung liegt gem. § 3 Abs. 8 UStG in Deutschland, wenn der Lieferer, d. h. die Y-Ltd. die Einfuhrumsatzsteuer schuldet. Ob dies der Fall ist, hängt von den zwischen der A-GmbH und der Y-Ltd. getroffenen vertraglichen Regelungen ab. Sofern Incoterms vereinbart werden, trägt der Lieferer nur bei dem Incoterm DDP die Einfuhrumsatzsteuer. Bei den anderen Incoterms trägt der Käufer, d. h. in diesem Fall die A-GmbH, die Einfuhrumsatzsteuer. Es kann aber auch außerhalb von Incoterms vertraglich vereinbart werden, wer die Einfuhrumsatzsteuer zu tragen hat.

 
Hinweis

Versendung der Ware vor dem Brexit

Wird die Ware vor dem BREXIT versendet, kommt sie aber erst nach dem BREXIT in Deutschland an, liegt eine innergemeinschaftliche Lieferung und keine Einfuhr vor. Die Einordnung der Warenlieferung bestimmt sich zu dem Zeitpunkt ihrer Ausführung. Dies ist der Versand/die Beförderung. Wird die Ware bei Einfuhr in Deutschland allerdings vom Zoll abgefertigt, so wird dies vonseiten der Finanzverwaltung nicht beanstandet.

Checkliste:

- Werden Waren aus UK bezogen?

- Sind Incoterms vereinbart?

- Ist der Incoterm DDP vereinbart?

- Ist vertraglich vereinbart, ob der Abnehmer oder der Lieferant etwaige Einfuhrumsatzsteuer trägt?

- Wenn Sie Zulieferer sind, sind Sie umsatzsteuerlich in Deutschland registriert?

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