Brexit: Umsatzsteuer - Fall 63: Grenzüberschreitende Beförderungsleistungen

Fall:

Die A-GmbH befördert für die B-GmbH Waren aus UK nach Frankreich und Deutschland. Die Kosten für die Einfuhr in die EU sind in der Bemessungsgrundlage bei der Einfuhr enthalten. Die A-GmbH befördert für die B-GmbH auch Waren nach UK.

Die A-GmbH fragt sich, ob sich für sie durch den Brexit etwas ändert.

Lösung:

Nach dem Brexit ist die von der A-GmbH erbrachte sonstige Leistung (Beförderungsleistung) in beiden Fällen in Deutschland gem. § 4 Nr. 3 Buchst. a UStG steuerfrei.

Hintergrundinfo:

Mit der Beförderung erbringt die A-GmbH eine sonstige Leistung in Form der Beförderung an die B-GmbH. Der Ort der Leistung liegt gem. § 3a Abs. 2 UStG an dem Ort, von dem aus der Leistungsempfänger sein Unternehmen betreibt, d. h. in diesem Fall Deutschland. Die Beförderungsleistung ist, da es sich um eine grenzüberschreitende Beförderung handelt, unter den Voraussetzungen des § 4 Nr. 3 Buchst. a UStG steuerfrei. § 4 Nr. 3 Buchst. a UStG setzt in Doppelbuchst. aa voraus, dass sich die Beförderungsleistung unmittelbar auf Waren der Ausfuhr bezieht. Bei einer Lieferung nach UK ist dies der Fall, sodass die Steuerbefreiung eingreift. Vor dem Brexit lag keine Ausfuhrlieferung, sondern eine innergemeinschaftliche Lieferung vor. Daher konnte die Steuerbefreiung gem. § 4 Nr. 3 Buchst. a UStG nicht in Anspruch genommen werden.

Gem. § 4 Nr. 3 Buchst. a Doppelbuchst. bb UStG ist die Beförderungsleistung für Waren aus UK steuerfrei, da die Gegenstände nach Deutschland oder in die EU eingeführt werden und die Kosten für die Einfuhr in der Bemessungsgrundlage bei der Einfuhr enthalten sind. Da nach dem Brexit die Waren nach Frankreich und Deutschland eingeführt werden, kann die Beförderungsleistung steuerfrei sein, wenn die Kosten in der Bemessungsgrundlage für die Einfuhr enthalten sind. Da vor dem Brexit keine Einfuhr der Waren erfolgte, sondern ein innergemeinschaftlicher Erwerb, war die Beförderungsleistung nicht gem. § 4 Nr. 3 Buchst. a UStG steuerfrei.

Die Regelung gilt nicht, wenn die Beförderungsleistung als Nebenleistung zu einer Warenlieferung anzusehen ist. Dann sind auch für die Beförderungsleistung die allgemeinen Vorschriften über Warenlieferungen anzusehen.

Die Regelung ist unabhängig davon, ob die Ware nach Deutschland oder in einen anderen EU-Mitgliedstaat geliefert wird, so lange der Leistungsempfänger in Deutschland ansässig ist.

Checkliste:

  • Wird eine Beförderungsleistung erbracht, die nicht als Nebenleistung zu einer Warenlieferung anzusehen ist?
  • Werden Waren aus UK oder nach UK transportiert?
  • Erfolgt der Warentransport für einen deutschen Kunden?
  • Werden die Transportkosten bei der Bemessungsgrundlage für die Einfuhr berücksichtigt?

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Finance Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Finance Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge