Brexit: Umsatzsteuer - Fall 62: Besteuerung von bezogenen Dienstleistungen (B2B)

Fall:

Die A-GmbH lässt von der britischen Y-Ltd eine Marktstudie zum Kaufverhalten nach dem Brexit erstellen. Sie erhält eine Rechnung ohne Umsatzsteuer und ohne Hinweis auf ein etwaiges Reverse-Charge-Verfahren. Im Übrigen enthält die Rechnung alle erforderlichen Angaben i. S. d. § 14 UStG. Die A-GmbH fragt sich, ob sie aus dieser Rechnung Vorsteuer ziehen kann.

Lösung:

Die Rechnung berechtigt zum Vorsteuerabzug. Der Ort der Leistung hat sich durch den Brexit nicht verändert. Ein Hinweis auf eine Steuerschuldnerschaft des Empfängers ist für den Vorsteuerabzug nicht (mehr) erforderlich. Gleichzeitig ist der Umsatz im Rahmen des Reverse-Charge-Verfahrens von der A-GmbH in Deutschland der Umsatzsteuer zu unterwerfen.

Hintergrundinfo:

Sonstige Leistungen sind in Deutschland umsatzsteuerbar, § 3a Abs. 2 UStG. Dies gilt unabhängig davon, ob der leistende Unternehmer im EU-Ausland oder im Drittland ansässig ist. Gem. § 13b Abs. 2 Nr. 1, Abs. 5 Satz 1 UStG schuldet der inländische Unternehmer für im Inland erbrachte sonstige Leistungen eines ausländischen Unternehmers die Umsatzsteuer. Diese Regelung gilt auch für ausländische Unternehmer in Drittstaaten. Vor dem Brexit galt im Ergebnis die gleiche Regelung, allerdings war insoweit § 13b Abs. 1 und nicht Abs. 2 Nr. 1 UStG anzuwenden.

Unabhängig davon, ob ein Hinweis auf das Reverse-Charge-Verfahren gegeben wird, kann die Vorsteuer gezogen werden. Gem. § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 UStG ist für den Vorsteuerabzug in diesen Fällen das Vorliegen einer (korrekten) Rechnung keine Voraussetzung.

Checkliste:

- Ist die Umsatzsteuer erklärt und abgeführt worden?

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