Brexit: Umsatzsteuer - Fall 54: Ort der Lieferung bei Verkauf B2C

Fall:

Die A-GmbH verkauft Kleidung. Sie ist ein Online-Händler, der kein Geschäftslokal unterhält. Die Online-Plattform wird aus Deutschland von der A-GmbH betrieben. Andy Cheap kauft über diesen Online-Shop einen Mantel, den er sich von der A-GmbH an seinen Wohnsitz in Manchester liefern lässt. Die Ware wird von der A-GmbH direkt aus einem Lager aus Deutschland nach UK geliefert.

Lösung:

Die A-GmbH verkauft ihre Waren an Privatpersonen und damit an Nichtunternehmer. Die Lieferung unterliegt in UK, aber nicht in Deutschland der Umsatzsteuer. Zwar liegt der Ort der Lieferung an dem Ort des Beginns der Warenlieferung – dies ist hier Deutschland. Die Lieferung ist aber als Ausfuhrlieferung steuerfrei. In UK hat die A-GmbH eine Einfuhr zu erklären und mit Einfuhrumsatzsteuer zu besteuern. Die A-GmbH hat sich damit in UK umsatzsteuerlich zu registrieren, um die Einfuhrumsatzsteuer als Vorsteuer geltend machen zu können.

Hintergrundinfo:

Bisher bestimmte sich der Ort der Lieferung bei Lieferungen an Nichtunternehmer in einen anderen EU-Mitgliedstaat grundsätzlich nach § 3c Abs. 1 Satz 1 UStG (sog. Versandhandelsregelung). Danach ist Ort der Lieferung das Bestimmungsland, in diesem Fall Großbritannien. Dies galt allerdings gem. § 3c Abs. 3 UStG unter dem Vorbehalt, dass die relevanten Lieferschwellen überschritten sind. Nur wenn die A-GmbH entweder im laufenden oder im vorangegangenen Kalenderjahr für mehr als 70.000 GBP Waren als Gegenleistung nach Großbritannien geliefert hat, war die Vorschrift anzuwenden. Diese Regelung galt auch bei Kleinunternehmern als Kunde.

Dieses Bestimmungslandprinzip ist nur auf Lieferungen innerhalb der EU anwendbar. Nach dem Brexit gehört UK nicht mehr zur EU, sodass das Bestimmungslandprinzip keine Anwendung findet. Andy Cheap ist in UK und damit nach dem Brexit in einem Drittland ansässig. Es sind die allgemeinen Regelungen für die grenzüberschreitende Lieferung in ein Drittland anzuwenden. Bei einer bewegten Lieferung (Versendung) ist der Ort der Lieferung am Beförderungsbeginn und damit in Deutschland. Es liegt aber eine steuerfreie Ausfuhrlieferung gem. § 4 Nr. 1 Buchst. a UStG i. V. m. § 6 UStG vor.

 
Hinweis

Unerheblich ist insoweit, ob die Lieferung an einen Unternehmer oder – wie in diesem Fall – eine Privatperson erfolgt. In UK unterliegt die Lieferung der Einfuhr und der Einfuhrumsatzsteuer. Die Anmeldung und Abführung der Einfuhrumsatzsteuer kann von einem Logistikdienstleister vorgenommen werden. Bei einer Lieferung an einen Unternehmer kann die Einfuhrumsatzsteuer ggf. auch vom Erwerber übernommen werden.

Checkliste

  • Erfolgt eine Warenlieferung nach UK?
  • Werden die Waren aus Deutschland geliefert?
  • Wird die Einfuhrumsatzsteuer von einem Logistikdienstleister angemeldet und gezahlt?
  • Ist eine Registrierung in UK erfolgt?

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