Finanzielle Vermögensgegenstände basieren auf Finanzinstrumenten und sind abhängig von der Dauer des Verbleibs im Unternehmen im Anlagevermögen (§ 266 Abs. 2 A. III. HGB) oder im Umlaufvermögen (§ 266 Abs. 2 B. II.–III. HGB) auszuweisen.[59] Eine Legaldefinition von Finanzinstrumenten existiert im Handelsrecht nicht, was mit deren stetiger Weiterentwicklung begründet wird.[60] Anknüpfungspunkte finden sich jedoch in anderen Gesetzestexten, namentlich in § 2 Abs. 2b WpHG sowie § 1 Abs. 11 KWG.[61] So klassifizierte auch die BaFin Bitcoin und andere vergleichbare Kryptowährungen aufsichtsrechtlich als mit Devisen vergleichbare Finanzinstrumente in Form von Recheneinheiten (§ 1 Abs. 11 S.1 Nr. 7 Alt. 2 KWG).[62]

Für die handelsrechtliche Charakterisierung von Finanzinstrumenten wurde im Rahmen des Gesetzgebungsprozesses zum BilMoG deutlich, dass eine begriffliche Anlehnung an die abstrakte IFRS-Definition in IAS 32.11 beabsichtigt ist.[63] Finanzinstrumenten liegt hiernach zugrunde, dass ein finanzieller Vermögenswert vertraglich einer Gegenpartei zugeordnet werden kann, bei der dem Finanzinstrument eine finanzielle Verbindlichkeit mit Eigen- oder Fremdkapitalcharakter gegenübersteht.[64] Ebendiese Zuordnung gelingt indes bei Bitcoin aufgrund der Dezentralität der Daten- und Nutzerbasis nicht. So existiert keine zentral emittierende Institution, die Bitcoin ausgibt.[65] Vielmehr wird die Ausgabe über einen vordefinierten Algorithmus abgewickelt. Eventuell könnte das Bitcoin-Netzwerk als Gegenpartei des Vertrags gelten. Jedoch handelt es sich hierbei weder um eine juristische noch eine natürliche Person, die abgrenzbar wäre und damit als zweite Vertragspartei dienen könnte.[66] Außerdem verbriefen Bitcoin keine Rechte und Pflichten an einem anderen Vermögensgegenstand, einer Schuld oder einer Unternehmung (z. B. Eigentumsrechte, Anteile an einem Unternehmen) und führen dementsprechend auch nicht zu Eigen- oder Fremdkapital bei einer anderen Partei.

Bereits auf dieser allgemeinen Ebene ist eine Einordnung von Bitcoin als Finanzinstrument also zweifelhaft. Dieses soll für finanzielle Vermögensgegenstände nach § 266 Abs. 2 HGB konkretisiert werden.

Im Umlaufvermögen werden finanzielle Vermögensgegenstände entweder als Wertpapiere oder als Forderungen ausgewiesen. Bitcoin erfüllen wohl nicht die Eigenschaften von Wertpapieren, bspw. nach § 2 Abs. 1 WpHG.[67] Ein Ausweis unter den Wertpapieren (§ 266 Abs. 2 B. III. HGB) ist daher handelsrechtlich nicht zulässig.

Forderungen (§ 266 Abs. 2 B. II. Nr. 1–3 HGB) im Sinne des Handelsrechts implizieren, dass Zahlungen durch den Abnehmer einer Ware oder Dienstleistung noch ausstehen.[68] Im betrachteten Sachverhalt werden Bitcoin jedoch bereits im Unternehmen gehalten. Bitcoin sind auch keine Forderung ggü. einem Emittenten. Insgesamt ist also ein Ausweis unter den Forderungen handelsrechtlich nicht sachgerecht.

Als mögliche Lösung im Umlaufvermögen könnte der Posten Sonstige Vermögensgegenstände (§ 266 Abs. 2 B. II. Nr. 4 HGB) in Frage kommen. Dieser Sammelposten nimmt Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens auf, die anderweitig nicht in die gesetzliche Gliederungssystematik nach § 266 Abs. 2 HGB eingeordnet werden können.[69] Rechtsprechung und Literatur nennen beispielhafte Anwendungsfälle.[70] Diese knüpfen – wenn auch nicht ausschließlich – an Forderungstatbestände an, die nicht der allgemeinen Geschäftstätigkeit zuzuordnen sind.[71] Außerdem können unter diesem Posten auch zahlungsmittelähnliche Güter (z. B. Gold- und Silbermünzen), die jedoch kein gesetzliches Zahlungsmittel sind, ausgewiesen werden.[72] Hier zeigt sich auch der Charakter eines Sammelpostens, da die in diesem Zusammenhang genannten Beispiele gerade nicht auf eine Gegenpartei und damit nicht originär auf ein Finanzinstrument abstellen. Insofern erscheint im Umlaufvermögen ein Ausweis von Bitcoin unter den Sonstigen Vermögensgegenständen wohl zulässig und sachgerecht.

Wenn Bitcoin dem Anlagevermögen zuzuordnen sind, da sie dauernd dem Geschäftsbetrieb dienen sollen (§ 247 Abs. 2 HGB), erscheint der Fall ebenfalls unklar. Eine Zuordnung zu den Finanzanlagen scheitert daran, dass Bitcoin weder eine Beteiligung oder Anteile an einem Unternehmen (§ 266 Abs. 2 A. III. Nr. 1 und 3 HGB), noch eine Ausleihung (§ 266 Abs. 2 A. III. Nr. 2, 4 und 6 HGB) darstellen. Eine Zuordnung zu den Wertpapieren des Anlagevermögens (§ 266 Abs. 2 A. III. Nr. 5 HGB) scheitert ebenso daran, dass Bitcoin keine klassischen Wertpapiere i. S. d. § 2 Abs. 1 WpHG sind, auf die dieser Bilanzposten i. d. R. abstellt.[73]

[59] Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (Fn. 36), S. 319 f.
[60] Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (Fn. 36), S. 320.
[61] Vgl. Kuhner, in: Baetge/Kirsch/Thiele (Hrsg.), Bilanzrecht, Stand: Aug. 2017, § 254 HGB, Rn. 31; Scharpf, in: Küting/Pfitzer/Weber (Hrsg.), Handbuch der Rechnungslegung – Einzelabschluss, 5. Aufl., Stand: Mai 2015, § 254 HGB, Rn. 97. So auch IDW RS HFA 35, Rn. 34.
[62] Vgl. BaFin (Fn. 53), S. 26 f.; Sprengnether/Wächter, RdF 2...

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