Bilanzgliederung / 4 Formblätter für besondere Geschäftszweige

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz ist ermächtigt, für Kapitalgesellschaften Formblätter vorzuschreiben, wenn der Geschäftszweig eine abweichende Gliederung erfordert.[1] Hiervon betroffen sind insbesondere Krankenhäuser, Versicherungs-, Verkehrs- und Wohnungsunternehmen sowie Kreditinstitute.

Bspw. sind durch die Verordnung über die Rechnungslegung der Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute (RechKredV) Kreditinstitute verpflichtet, vorgeschriebenene Formblätter anzuwenden. Hierzu sind 3 Formblätter vorgesehen: ein Formblatt für die Bilanz und 2 Formblätter für die GuV.[2] Auch betroffen sind z. B. Krankenhäuser. Die Anlagen zur Verordnung über die Rechnungs- und Buchführungspflichten von Krankenhäusern (Krankenhaus-BuchführungsverordnungKHBV) bestimmen insbesondere den Bilanzaufbau und die Ausgestaltung der GuV.[3]

 
Praxis-Beispiel

Formblatt nach Anlage 1 KHBV

Erstellt ein Krankenhaus einen Abschluss nach der Krankenhaus-Buchführungsverordnung ergibt sich folgender Bilanzaufbau:

 

Aktivseite

A. Anlagevermögen:
I. Immaterielle Vermögensgegenstände;
1. Selbst geschaffene gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte (KUGr. 0901);
2. entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten (KUGr. 0902);
3. Geschäfts- oder Firmenwert (KUGr. 0903);
4. geleistete Anzahlungen (KUGr. 091);
 
II. Sachanlagen:
1. Grundstücke und grundstücksgleiche Rechte mit Betriebsbauten einschließlich der Betriebsbauten auf fremden Grundstücken (KGr. 01; KUGr. 050, 053);
2. Grundstücke und grundstücksgleiche Rechte mit Wohnbauten einschließlich der Wohnbauten auf fremden Grundstücken (KGr. 03, KUGr. 052; KUGr. 053, soweit nicht unter 1.);
3. Grundstücke und grundstücksgleiche Rechte ohne Bauten (KGr. 04);
4. technische Anlagen (KGr. 06);
5. Einrichtungen und Ausstattungen (KGr. 07);
6. geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau;
 
III. Finanzanlagen:
1. Anteile an verbundenen Unternehmen (KUGr. 092);
2. Ausleihungen an verbundene Unternehmen (KUGr. 093);
3. Beteiligungen (KUGr. 094);
4. Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht (KUGr. 095);
5. Wertpapiere des Anlagevermögens (KUGr. 096);
6. sonstige Finanzanlagen (KUGr. 097), davon bei Gesellschaftern bzw. dem Krankenhausträger;
 
B. Umlaufvermögen:
I. Vorräte;
1. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe (KUGr. 100–105);
2. unfertige Erzeugnisse, unfertige Leistungen (KUGr. 106);
3. fertige Erzeugnisse und Waren (KUGr. 107);
4. geleistete Anzahlungen (KGr. 11);
 
II. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände:

1. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (KGr. 12),

davon mit einer Restlaufzeit von mehr als 1 Jahr;

2. Forderungen an Gesellschafter bzw. den Krankenhausträger (KUGr. 160),

davon mit einer Restlaufzeit von mehr als 1 Jahr;

3. Forderungen nach dem Krankenhausfinanzierungsrecht (KGr. 15),

davon nach der BPflV (KUGr. 151),

davon mit einer Restlaufzeit von mehr als 1 Jahr;

4. Forderungen gegen verbundene Unternehmen (KUGr. 161),

davon mit einer Restlaufzeit von mehr als 1 Jahr;

5. Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht (KUGr. 162),

davon mit einer Restlaufzeit von mehr als 1 Jahr;
6. Eingefordertes, noch nicht eingezahltes Kapital (KUGr. 164)

7. sonstige Vermögensgegenstände (KUGr. 163),

davon mit einer Restlaufzeit von mehr als 1 Jahr;
 
C. Ausgleichsposten nach dem KHG:
1. Ausgleichsposten aus Darlehensförderung (KUGr. 180);
2. Ausgleichsposten für Eigenmittelförderung (KUGr. 181);
 
D. Rechnungsabgrenzungsposten:
1. Disagio (KUGr. 170);
2. andere Abgrenzungsposten (KUGr. 171);
 
E. Aktive latente Steuern (KGr. 19);
 
F. Aktiver Unterschiedsbetrag aus der Vermögensverrechnung;
 
G. Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag.
 

Passivseite

A.   Eigenkapital:
1.   Eingefordertes Kapital (KUGr. 2003);
Gezeichnetes Kapital (KUGr. 2001) abzüglich nicht eingeforderter ausstehender Einlagen;
2.   Kapitalrücklagen (KUGr. 201);
3.   Gewinnrücklagen (KUGr. 202);
4. Gewinnvortrag/Verlustvortrag (KUGr. 203);
5. Jahresüberschuß/Jahresfehlbetrag (KUGr. 204);
 
B. Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens:
1. Sonderposten aus Fördermitteln nach dem KHG (KGr. 22);
2. Sonderposten aus Zuweisungen und Zuschüssen der öffentlichen Hand (KGr. 23);
3. Sonderposten aus Zuwendungen Dritter (KGr. 21);
 
C.   Rückstellungen:
1. Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen (KGr. 27);
2. Steuerrückstellungen (KUGr. 280);
3. sonstige Rückstellungen (KUGr. 281);
 
D.   Verbindlichkeiten:

1. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten (KGr. 34),

davon gefördert nach dem KHG,

davon mit einer Restlaufzeit bis zu 1Jahr;

2. erhaltene Anzahlungen (KGr. 36),

davon mit einer Restlaufzeit bis zu 1Jahr;

3. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (KGr. 32),

davon mit einer Restlaufzeit bis zu 1Jahr;

4. Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der Ausstellung eigener Wechsel ...

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