Bilanzanalyse in der HGB- u... / 6.3.3.1 Eigenkapitalbereinigung
 

Rz. 154

Das Eigenkapital eines Unternehmens ist das elementare Charakteristikum für Sicherheit, Bonität, Unabhängigkeit und Entwicklungskraft. Es erfüllt die Finanzierungs-, Haftungs- und Garantiefunktion eines Unternehmens. Daneben beeinflusst es die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität einer Unternehmung, da es als Maßstab für Kreditwürdigkeit und Krisenfestigkeit gilt. So findet das Eigenkapital im Rahmen der Kreditwürdigkeitsanalyse z. B. bei der Berechnung von zahlreichen Kennzahlen Berücksichtigung.[1] Allerdings kann nicht nur der ausgewiesene Buchwert des Eigenkapitals betrachtet werden, da u. U. erhebliche Verzerrungen vorliegen, die eine Eigenkapitalbereinigung nötig machen.

 

Rz. 155

Die Bereinigung des Eigenkapitals erfolgt analog zur in Rz. 62 ff. dargestellten Jahresergebnisbereinigung. Wurden bei Letzterer die Erfolgswirkungen betrachtet, so sind bei der Eigenkapitalbereinigung die Bestände an Eigenkapital relevant. Daher sind einerseits Ausweisunterschiede zu korrigieren, was bereits in der Aufbereitung erfolgte, und andererseits sollen mögliche Verzerrungen der betriebswirtschaftlichen Lage durch stille Reserven oder Lasten beseitigt werden.

 

Rz. 156

In diesen stillen Reserven und Lasten sind auch alle Unterschiede bei Ansatz und Bewertung zwischen IFRS und HGB enthalten. So ist eine Bereinigung um steuerrechtlich bedingte stille Reserven oder Lasten, wie diese bei Abschlüssen nach HGB bis zur Umsetzung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) im Einzelabschluss notwendig war und aufgrund der Übergangsvorschriften auch noch weiterhin notwendig ist, nach IFRS sowie in Konzernabschlüssen nicht notwendig. Bei beiden Rechnungslegungsnormen sind unterschiedliche Deckungslücken für Pensionsrückstellungen zu berücksichtigen – die IFRS kennen zudem Neubewertungsrücklagen usw. Bei den Korrekturen ist stets auf die mögliche Auswirkung auf latente Steuern zu achten, sodass die stillen Reserven i. d. R. nur nach Korrektur um passive latente Steuern in die Eigenkapitalbereinigung einbezogen werden dürfen.

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