Bilanz Check-up 2020: Enfor... / 2.1.4 Weitere im 23. EECS-Entscheidungsreport enthaltene Entscheidungen

Angaben zur Zeitwertbewertung von Beteiligungen durch Investmentgesellschaften (IFRS 10, IFRS 12, IFRS 13, IAS 1)

Die Enforcement-Entscheidung betrifft eine Investmentgesellschaft, die ein Beteiligungsportfolio an börsennotierten und nicht börsennotierten Gesellschaften in verschiedenen Industriesektoren verwaltet. Die Beteiligungen werden indirekt über eine Kette von Tochterunternehmen gehalten. Der Abschlussersteller und alle seine Tochterunternehmen erfüllen die Definition einer Investmentgesellschaft nach IFRS 10.27, so dass der Abschlussersteller auf die Konsolidierung der Beteiligungsunternehmen gem. IFRS 10.31 f. verzichtet und sämtliche Anteile an Tochterunternehmen ergebniswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet hat. Diese werden zusammengefasst als eine Bilanzposition (Tochterunternehmen bewertet zum beizulegenden Zeitwert) ausgewiesen und umfassen 99,98 % der Bilanzsumme; im Abschluss fanden sich weitere Informationen zu den Tochterunternehmen nur in einem eingeschränkten Umfang.

Der Enforcer resümierte, dass der Abschlussersteller aufgrund der Wesentlichkeit dieser Abschlussposition weitere Angaben zu den beizulegenden Zeitwerten seiner indirekt gehaltenen Beteiligungen zu machen hat. Der Enforcer hat zwar festgestellt, dass IFRS 12 keine speziellen quantitativen und qualitativen Angaben zu den beizulegenden Zeitwerten von Beteiligungen fordert. Er weist indes darauf hin, dass nach IAS 1.31 zusätzliche Angaben zu machen sind, wenn die in den IFRS geforderten Angaben nicht ausreichen, um dem Abschlussadressaten ein Verständnis der Auswirkungen auf die Finanz-, Vermögens- und Ertragslage des Unternehmens zu ermöglichen. Unter Berücksichtigung der im Abschluss dargestellten Informationen sind nach Ansicht des Enforcers vorliegend die quantitativen und qualitativen Angaben nach IFRS 13.93 zur Zeitwertbewertung der indirekt gehaltenen Beteiligungen ergänzend zu den Angaben nach IFRS 12 zu machen.

Auswirkungen von Stundungsvereinbarungen auf die Bestimmung, ob ein signifikanter Anstieg des erwarteten Kreditausfallrisikos (significant increases in credit risks (SICR)) vorliegt (IFRS 9)

Der Enforcement-Entscheidung liegt der Abschluss einer Finanzinstitution zugrunde, die Kunden im Falle von wirtschaftlichen Schwierigkeiten auch Stundungsvereinbarungen gewährt, die sie ohne Vorliegen von wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht gewährt hätte. Die Erfassung von über die Laufzeit erwarteten Kreditverlusten basierte beim Abschlussersteller insbesondere auf dessen internem Ratingsystem. Nach diesem System führte der Abschluss einer Stundungsvereinbarung nicht zwingend zu einem signifikanten Anstieg des erwarteten Kreditausfallrisikos nach IFRS 9.5.5.3.

Nach Auffassung des Enforcers lösen – aufgrund der Verbindung mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Kunden – erwartete und gewährte Stundungsmaßnahmen zumindest einen signifikanten Anstieg des erwarteten Kreditausfallrisikos aus, was zur Erfassung von über die Laufzeit erwarteten Kreditverlusten (lifetime expected credit losses (ECL)) für diese gestundeten finanziellen Vermögenswerte führt. Darüber hinaus hat der Enforcer den Abschlussersteller verpflichtet, eine Werthaltigkeitsprüfung vorzunehmen, da die finanziellen Schwierigkeiten der Kunden und der entsprechende Abschluss von Stundungsvereinbarungen einen Indikator für eine potentielle Wertminderung darstellen.

Hinweise auf eine Wertminderung von Vermögenswerten (IAS 36, IAS 34)

Der Enforcer hat eine unterlassene Wertminderungsprüfung in der Quartalsberichterstattung des Abschlusserstellers, einem Schifffahrtsunternehmen, beanstandet. Entgegen der Auffassung des Unternehmens sah der Enforcer einige Indikatoren für eine Wertminderung als erfüllt an. Der Abschlussersteller sah sich schwierigen Marktbedingungen mit Überkapazitäten ausgesetzt. Dies hatte bereits zu Liquiditätsproblemen beim Abschlussersteller und dazu geführt, dass Verhandlungen mit den Kreditgebern über eine Stundungsvereinbarung aufgenommen wurden. Der Enforcer war u. a. der Auffassung, dass ein erheblich über der Marktkapitalisierung liegender Buchwert des Eigenkapitals einen bedeutenden Indikator für eine potentielle Wertminderung darstellt. So betrug im Sachverhalt der Entscheidung der Marktwert des Eigenkapitals 40 % des Buchwerts des Eigenkapitals. Des Weiteren hat der Enforcer u. a. festgestellt, dass einige Wettbewerber in ihrem Abschluss bereits Wertberichtigungen auf Schiffe vorgenommen hatten. Zudem waren in einigen Fällen die Verluste aus dem Verkauf von Schiffen, auch wenn bezogen auf das Periodenergebnis und die Bilanzsumme unwesentlich, jedoch wesentlich bezogen auf den Buchwert der verkauften Schiffe.

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