Bilanz Check-up 2020: Enfor... / 2.1.3 Ausübungs- und Nicht-Ausübungsbedingungen bei Leistungsbedingungen in aktienbasierten Vergütungsplänen (IFRS 2)

Der Enforcer beanstandete die Bilanzierung der anteilsbasierten Arbeitnehmervergütungen beim Abschlussersteller nach IFRS 2. Die Pläne waren wie folgt gestaltet:

  • Gewährung von Vorzugsaktien im Juli 2016 (grant date) nach einer Dienstzeit von 12 Monaten (Juli 2017 = final award date). Beendet der Arbeitnehmer sein Beschäftigungsverhältnis innerhalb dieser 12-Monatsfrist, hat er keinen Anspruch auf Vorzugsaktien.
  • Nichtübertragbarkeit der Vorzugsaktien für weitere 24 Monate im Anschluss an die erbrachte 12-monatige Dienstzeit (Nicht-Übertragbarkeitsperiode endet im Juli 2019).
  • Am Ende dieser 36 Monate können die Vorzugsaktien in Stammaktien umgewandelt werden; eine andere Verwendung der Vorzugsaktien scheidet aus. Das Umtauschverhältnis hängt dabei von der Performance des Unternehmens zwischen 2016 und 2019 einerseits und der Dauer des Beschäftigungsverhältnisses andererseits ab. Soweit alle anderen Bedingungen bestmöglich erfüllt sind, impliziert der beschäftigungsbezogene Umwandlungskoeffizient Folgendes:

    • Beendet der Arbeitnehmer das Beschäftigungsverhältnis zwischen Juli 2017 und Juli 2018, hat er Anspruch auf maximal 100 Stammaktien je Vorzugsaktie.
    • Beendet der Arbeitnehmer das Beschäftigungsverhältnis zwischen Juli 2018 und Juli 2019, hat er Anspruch auf maximal 200 Stammaktien je Vorzugsaktie.
    • Ist der Arbeitnehmer auch nach Juli 2019 noch beim Arbeitgeber beschäftigt, hat er Anspruch auf maximal 10.000 Stammaktien je Vorzugsaktie.

Der Abschlussersteller stufte die obigen Performance- und Beschäftigungskriterien für den Umtausch der Vorzugsaktien als Nicht-Ausübungsbedingung gem. IFRS 2.21A ein, da diese Kriterien einen längeren Zeitraum (36 Monate) als die anfängliche Dienstzeitbedingung (12 Monate) vorsehen.

Der Enforcer widersprach dieser Beurteilung. Er qualifiziert im obigen Sachverhalt die in den im Umwandlungskoeffizienten eingebetteten Performance- und Beschäftigungskriterien als Leistungsbedingungen (vesting performance conditions). Dienstbedingungen – so der Enforcer – müssten nicht zwingend explizit im Vertrag vereinbart sein, sondern könnten auch implizit gegeben sein (IFRS 2.BC346). So stellen die in den Umwandlungsbedingungen enthaltenen beschäftigungsbezogenen Kriterien eine implizite Dienstbedingung dar, da die Beschäftigung – verbunden mit dem Performancekriterium – einen erheblichen Anreiz für den Arbeitnehmer schaffe, das Beschäftigungsverhältnis über den 12-monatigen Dienstzeitraum hinaus bis zum Umtausch der Vorzugsaktien in Stammaktien aufrecht zu erhalten.

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