Umsatzsteuerlich kann sich in den Kalenderjahren 2020 und 2021 ein weiteres Prüfungsfeld auftun. Die Besonderheit der zeitweisen Senkung der Umsatzsteuersätze kann für die Umsatzsteuerprüfung ein weiteres Prüfungsgeld darstellen. Die Umsatzsteuersätze wurden zum 1.7.2020 von 19 % bzw. 7 % auf 16 % bzw 5 % gesenkt und werden voraussichtlich zum 1.1.2021 wieder auf das bisherige Niveau von 19 % bzw. 7 % angehoben werden. Das bedeutet tatsächlich "doppelte" Fehlerquelle.

Der Themenbereich in Zusammenhang mit der Steuersatzänderung ist sehr weitläufig und sollte nicht unterschätzt werden. Grundsätzlich ist für die Bestimmung des Umsatzsteuersatzes maßgebend, wann der Umsatz ausgeführt worden ist.[1] Grundsätzlich nicht von Bedeutung sind

  • einerseits die Rechnungsstellung und
  • andererseits die Zahlung.

Für die Masse der täglich auftretenden Vorgänge kann dieser Grundsatz ohne Probleme angewandt werden. Allerdings treten im Wirtschaftsleben auch viele Konstellationen auf, bei denen es nicht ganz so einfach ist, den richtigen Steuersatz zu wählen. Auf die besonderen Konstellationen sollten Sie schon bei der Beurteilung des umsatzsteuerlichen Sachverhalts achten. Spätestens jedoch dann, wenn eine Prüfung (Umsatzsteuerprüfung oder auch eine Betriebsprüfung) ansteht, sollten Sachverhalte dieser Art nochmals auf ihre richtige Würdigung überprüft werden. Im Schreiben vom 30.6.2020[2] hat das Bundesfinanzministerium ausführlich zu diesen Besonderheiten Stellung genommen. Im Einzelnen sind hierbei beachtenswert:

  • Steuersatzwahl bei "Ist-Versteuerung"
  • Behandlung von Teilentgelten im Umsatz- und Vorsteuerbereich
  • Umsatzsteuerliche Behandlung von Teilleistungen sowohl im Umsatz- als auch Vorsteuerbereich (inkl. der richtigen formalen Bedingungen für das Vorliegen von Teilleistungen)
  • Vorausrechnungen
  • Richtige Abrechnung von Leistungen und Teilleistungen bei Anzahlungen; ggf. richtige Darstellung möglicherweise unterschiedlicher Steuersätze
  • Langfristige Verträge – richtige Besteuerung Dauerleistungen
  • Richtige Besteuerung Entgeltminderungen, Skonti, Boni – richtige umsatzsteuerliche Würdigung
  • Änderung der Besteuerungsgrundlagen
  • Änderung von Bemessungsgrundlagen – umsatzsteuerliche Würdigung diverser Möglichkeiten
  • Telekommunikationsleistungen
  • Energielieferungen und andere sonstige Leistungen (z. B. Strom, Gas, Wasser, Abwasser)

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