Rz. 84

Mit dem durch das BilMoG eingeführten § 246 Abs. 1 Satz 4 HGB wird der entgeltlich erworbene Geschäfts- oder Firmenwert (GoF) im Wege einer Fiktion zum zeitlich begrenzt nutzbaren VG erhoben. Eine Änderung des handelsrechtlichen VG-Begriffs geht nach der Regierungsbegründung damit nicht einher.[1] Die Gesetzesformulierung in § 246 Abs. 1 Satz 4 HGB, nach der der GoF als VG gilt, bringt zum Ausdruck, dass der GoF nach der Systematik des Gesetzes zwar kein VG ist, durch seine Behandlung wie ein VG aber zwingend zu aktivieren ist.[2] Das bis zur Änderung durch das BilMoG in § 255 Abs. 4 HGB aF vorgesehene Wahlrecht für die Bilanzierung des GoF ist entfallen und eine Aktivierungspflicht eingeführt worden.

 

Rz. 85

Flankiert wird die Regelung durch die Pflicht, den GoF nach § 253 Abs. 3 Satz 1 HGB planmäßig über seine betriebliche Nutzungsdauer abzuschreiben. Bei einer voraussichtlich dauernden Wertminderung sind gem. § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB außerplanmäßige Abschreibungen auf den niedrigeren beizulegenden Wert vorzunehmen. Ein niedrigerer Wertansatz eines GoF ist gem. § 253 Abs. 5 Satz 2 HGB beizubehalten (§ 253 Rz 334). Die Annahme einer betrieblichen Nutzungsdauer von mehr als fünf Jahren ist nach § 285 Nr. 13 HGB im Anhang zu begründen.

 

Rz. 86

Der Zweck der verpflichtenden Aktivierung des GoF ist eine Verbesserung der Vergleichbarkeit des handelsrechtlichen Jahresabschlusses. Darüber hinaus wird angestrebt, die Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage stärker als bislang an die tatsächlichen Verhältnisse bzw. den tatsächlichen Werteverzehr anzunähern.[3]

Unabhängig davon wird in diesem Punkt eine Annäherung an die steuerrechtliche Regelung des § 7 Abs. 1 Satz 3 EStG erreicht, wonach der GoF zu aktivieren und über einen Zeitraum von 15 Jahren abzuschreiben ist,[4] gleichwohl ohne eine Identität zwischen handels- und steuerrechtlichen Regelungen herzustellen, da die Nutzungsdauer nach wie vor unterschiedlich angesetzt werden kann oder muss (§ 253 Rz 208).

[1] Vgl. BT-Drs. 16/10067 v. 30.7.2008 S. 47 f.
[2] Vgl. Arbeitskreis Bilanzrecht der Hochschullehrer Rechtswissenschaft, BB 2008, S. 156.
[3] Vgl. BT-Drs. 16/10067 v. 30.7.2008 S. 48.
[4] Vgl. BT-Drs. 16/10067 v. 30.7.2008 S. 48.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Finance Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Finance Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge