Rz. 1

Der Konzernabschluss ist auf den Stichtag des Jahresabschlusses des MU aufzustellen.

 

Rz. 2

Ein Wechsel des Gj beim MU hat aufgrund des eindeutigen Gesetzeswortlauts zwangsläufig auch den Wechsel des Stichtags des Konzernabschlusses zur Folge und führt zu einem Konzern-Rumpf-Gj.[1] Dies gilt selbst dann, wenn ein MU bspw. wegen change of control zwei Rumpf-Gj einlegt, deren Dauer zusammen zwölf Monate beträgt und damit der Begrenzung des Zeitraums von Gj in § 240 Abs. 2 Satz 2 HGB nicht entgegenstehen würde.[2]

 
Praxis-Beispiel

Der Stichtag des Jahresabschlusses des MU wird vom 31.12. auf den 30.6. verlegt. Im Jahr der Umstellung legt das MU ein Rumpf-Gj für den Zeitraum 1.1.–30.6. ein. Dieser Zeitraum ist auch das maßgebliche Konzern-Rumpf-Gj. Die anzugebenden Vj-Zahlen in der Konzern-GuV betreffen den Zeitraum 1.1.–31.12.

 
Praxis-Beispiel

Im Geschäftsjahr 01 entsteht erstmalig ein Konzernverhältnis durch Erwerb der Anteile an einem ersten TU mit Wirkung ab 1.10.01. Das Gj des MU entspricht dem Kalenderjahr. Neben dem Konzernstichtag ist auch das Konzern-Gj aus Sicht des MU zu beurteilen, d. h., die Erträge und Aufwendungen des MU sind ab 1.1.01, die des TU ab Erstkonsolidierungszeitpunkt 1.10.01 in den Konzernabschluss 01 zu übernehmen.

 

Rz. 3

Aufgrund von unterschiedlichen Zeiträumen der Konzern-Gj sind die Vergleichbarkeit mit den Vj-Zahlen und die Aussagefähigkeit der Konzernbilanz und der Konzern-GuV eingeschränkt. Dies führt aber nicht dazu, dass Anpassungen hinsichtlich der Dauer des KonzernGj vorgenommen werden dürfen. Die fehlende Vergleichbarkeit führt zu einer Angabe- und Erläuterungspflicht im Konzernanhang nach § 298 Abs. 1 i. V. m. § 265 Abs. 2 Satz 2 HGB.[3] Bei eingeschränkter Aussagefähigkeit schreibt § 297 Abs. 2 Satz 3 HGB zusätzliche Angaben im Konzernanhang vor, um ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns zu vermitteln. Dies kann z. B. anhand von Vergleichsrechnungen mit gleicher Gj-Dauer erfolgen.

[1] Vgl. Begründungsteil der BT-Drs. 14/8769 v. 15.5.2002; IDW RH HFA 1.019.2; IDW, WPH Edition, Wirtschaftsprüfung & Rechnungslegung, 16. Aufl. 2019, Kap. G Tz. 206.
[2] So Störk/Deubert, in Beck Bil-Komm., 12. Aufl. 2020, § 299 HGB Rz 4.
[3] So auch Störk/Deubert, in Beck Bil-Komm., 12. Aufl. 2020, § 299 HGB Rz 4; vgl. auch IDW RS HFA 39.11.

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