Bertram/Kessler/Müller, Hau... / 2 Mögliche Rahmenwerke
 

Rz. 2

In den Erwägungsgründen zur CSR-RL ist beispielhaft eine Vielzahl von nationalen, unionsbasierten wie auch internationalen Rahmenwerken aufgeführt,[1] die genutzt werden können.[2] Dazu gehören

  • das auf der europäischen EMAS-Verordnung[3] und der internationalen Umweltmanagementnorm ISO 14001[4] basierende "Eco-Management and Audit Scheme" (EMAS) oder
  • auf internationaler Ebene das Rahmenprogramm "United Nations Global Compact",[5]
  • das "Protect, Respect and Remedy" Rahmenprogramm und Leitprinzipien der Vereinten Nationen,[6]
  • die "Leitsätze für multinationale Unternehmen" der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung,[7]
  • die "ISO 26000 Guidance on Social Responsibility" der Internationalen Organisation für Normung,[8]
  • die "Dreigliedrige Grundsatzerklärung über multinationale Unternehmen und Sozialpolitik" der Internationalen Arbeitsorganisation,[9]
  • der Berichtsrahmen des International Integrated Reporting Council (IIRC)[10]

sowie

  • die modularen, miteinander verbundenen Standards der Global Reporting Initiative (GRI-Standards), die zum 1.7.2018 die früheren "G4-Leitlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung" ablösten.
 

Rz. 3

In der Unternehmenspraxis sind, gerade bei multinationalen Unt, die GRI-Standards stark verbreitet.[11] Bei den GRI-Standards lassen sich drei universelle und diverse themenspezifische Standards in den Dimensionen wirtschaftliche Standards (GRI 201-206), Umweltstandards (GRI 301-308) und soziale Standards (GRI 401-419) unterscheiden.[12]

  • GRI 101 Grundlagen gibt einen Überblick über die Prinzipien der Berichterstattung und die Anforderungen des Rahmenwerks und vermittelt Erläuterungen zur Anwendung.
  • GRI 102 Allgemeine Angaben fordert Angaben zum Berichterstatter, einschließlich Organisationsprofil, Strategie, Ethik und Integrität, Unternehmensführung, Einbindung von Stakeholdern, Vorgehensweise bei der Berichterstattung sowie Berücksichtigung wesentlicher Themen. Hierbei sind die Optionen "Kern" sowie "Umfassend" zu unterscheiden. Bei Letzterer sind weitere Angaben, etwa zur Strategie und Geschäftsethik, zu machen und eine Berichterstattung zu allen themenspezifischen Standards vorzunehmen.[13]
  • Nach GRI 103 Managementansatz ist über den verfolgten Managementansatz i. R. d. Wesentlichkeit für jedes wesentliche Thema Auskunft zu geben, auch für jeden verwendeten themenspezifischen Standard.

Die GRI-Standards werden fortlaufend weiterentwickelt. So wurden beispielsweise bereits neue Standards GRI 303 Wasser und GRI 403 Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz verabschiedet (Inkrafttreten: 1.1.2021).

 

Rz. 4

Besondere Bedeutung, gerade auch im Kontext des CSR-RUG, besitzt das Wesentlichkeitsverständnis der GRI-Standards. Laut GRI 101, S. 28, ist ein wesentliches Thema ein solches, "das die erheblichen ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen einer Organisation widerspiegelt oder das sich wesentlich auf die Beurteilungen und Entscheidungen der Stakeholder auswirkt." Dieses Verständnis steht im Gegensatz zum deutschen CSR-RL-Umsetzungsgesetz, wo ein "doppelter Wesentlichkeitsvorbehalt" verankert ist: Sowohl die finanzielle wie auch die nichtfinanzielle (ökologische und soziale) Wesentlichkeit muss auftreten, um eine Berichtspflicht i. R. d. nichtfinanziellen Berichterstattung auszulösen.[14] Die EU-Kommission stellte allerdings in ihrem unverbindlichen Nachtrag zu den Leitlinien zur Erstellung eines nichtfinanziellen Berichts den Unternehmen eine Orientierungshilfe zu den Anforderungen an die klimabezogene Berichterstattung zur Verfügung. Dieser Orientierungshilfe liegt, wie auch den GRI-Standards, ein erweitertes Wesentlichkeitsverständnis zugrunde. Der Nachtrag verknüpft dabei die Anforderungen der CSR-Richtlinie mit den Anforderungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD). Es ist jedoch unklar, was dies für das Verständnis der Wesentlichkeit im § 289c Abs. 3 HGB bedeutet. Der Nachtrag selbst ist unverbindlich und auf europäischer Ebene liegt lediglich eine Richtlinie vor. Die Intention des deutschen Gesetzgebers, die sich im "doppelten Wesentlichkeitsvorbehalt" manifestiert, bleibt eindeutig.[15]

 

Rz. 5

Der Regierungsentwurf zum CSR-RL-Umsetzungsgesetz übernahm diese beispielhafte Aufzählung, ergänzt allerdings um den vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) entwickelten Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK).[16] Der DNK verweist berichterstattende Unt bei der Nutzung von Leistungsindikatoren auf die Indikatorensets der GRI und der European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS), zu deren Mitgliedern auch die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) gehört.

Ein gewähltes Indikatorenset soll konsistent über die gesamte Entsprechenserklärung genutzt werden,[17] wobei branchenspezifische Indikatoren ergänzt werden können. Es zeigt sich insgesamt eine Vielfalt an nationalen, europäischen und internationalen Vorgaben und Projekten.[18] Für berichterstattende Unt ist dies potenziell unübersichtlich. Darüber ...

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