Zusammenfassung

 
Überblick

Als Fortführung der BB-IFRS-Reporte in den Jahren 2007–2020 thematisiert der nachfolgende Beitrag in kompakter Weise die finalen Neuerungen und Änderungsvorhaben am Regelwerk der IFRS im Jahr 2021. Dargestellt werden die partiellen Einzeländerungen an den IFRS nebst dem seit dem letzten Beitrag veröffentlichten Diskussionspapier zu Unternehmenszusammenschlüssen unter gemeinsamer Beherrschung. Die weiteren Projekte des IASB zu Standardsetzungsaktivitäten werden überblicksartig behandelt. Ein erneutes Augenmerk wird auf das Arbeitsprogramm des IFRS IC gelegt, das sich Anwendungsfragen im Zusammenhang mit dem Regelwerk widmet.

I. Einleitung

Mit dem IFRS-Report 2021 werden neben der partiellen Ergänzung auch die aktuell bestehenden Entwürfe zur Änderung des Regelwerks vorgestellt.[1] Die "Period of Calm" des Vorjahrs aufgrund der COVID-19-Pandemie schwächt sich langsam ab. Es wurde zwar keine Erweiterung des House of IFRS auf den Weg gebracht, jedoch gab es neben vier Nachbesserungen zahlreiche Änderungsentwürfe. Von den vorgeschlagenen Entwürfen im Kalenderjahr 2021 ist erst einer in geltendes Recht umgesetzt. Das einzige Diskussionspapier des IASB zu Unternehmenszusammenschlüssen unter gemeinsamer Beherrschung von Ende 2020 nimmt sich einer langwährenden Diskussion neu an. Auch das IFRS IC hat mit acht Agenda-Entscheidungen seinen Beitrag zur Fortentwicklung der IFRS geleistet.

[1] Berücksichtigt wurden alle Verlautbarungen bis zum 30.11.2021, s. auch das Arbeitsprogramm des IASB, IFRS Foundation work plan, abrufbar unter www.ifrs.org/projects/work-plan/ (Abruf: 30.11.2021).

II. Ausrichtung der Strategie und Überprüfungen im Jahr 2021 im Fokus

Der IASB hat im Kalenderjahr 2021 sowohl strategische Themen als auch Überprüfungen auf den Weg gebracht. Am 30.3.2021 wurde die dritte öffentliche Agenda Konsultation angestoßen. Hierbei werden mittels eines Request for Information (RIF) Meinungen zur strategischen Ausrichtung und Priorisierung seines künftigen Arbeitsprogramms für die nächsten fünf Jahre eingeholt. Stellungnahmen werden bis zum 27.9.2021 erbeten. Der Request for Information teilt sich auf in drei Bereiche: 1) Strategische Ausrichtung und Ausgewogenheit der Aktivitäten des Board, 2) Kriterien für die Beurteilung der Priorität von Projekten, die dem Arbeitsprogramm des IASB hinzugefügt werden könnten und 3) Sachverhalte der Finanzberichterstattung, die dem Arbeitsprogramm des IASB hinzugefügt werden könnten.

Bereits am 30.11.2020 wurde ein zweites Diskussionspapier zu Unternehmenszusammenschlüssen unter gemeinsamer Kontrolle (under common control) veröffentlicht. Inhaltlich geht es v. a. um die Auseinandersetzung mit der Anwendung der Erwerbsmethode oder der Methode der Buchwertfortführung bei Transaktionen unter gemeinsamer Kontrolle (common control).

Auf der Ebene der Überprüfungen nach der Einführung von Standards (Post-Implementation Review (PIR)) stehen bzw. standen 2021 zwei Bitten zur Informationsübermittlung (RIF) an. Einerseits wurde bereits Ende 2020 ein RIF zu den Konsolidierungsstandards IFRS 10, IFRS 11 und IFRS 12 gestellt (die Kommentierungsphase endete am 10.5.2021). Weiterhin wurde der (umfangreiche) PIR von IFRS 9 am 30.9.2021 mit einem RIF zum Kapitel Classification and Measurement nebst den zugehörigen Anhangsangaben nach IFRS 7 gestartet (Feedback bis zum 28.1.2022). In der Novembersitzung des IASB wurde auch beschlossen, in der zweiten Jahreshälfte 2022 sowohl für den Abschnitt Wertminderungen des IFRS 9 als auch für IFRS 15 den PIR zu starten.[2] Der IASB führt für jeden neuen IFRS-Standard oder jede größere Änderung an einem Standard eine Überprüfung nach der Einführung durch. Nachdem die Unternehmen einen Standard mindestens zwei Jahre lang angewendet haben, ist eine Überprüfung vorgesehen (due process). Diese Überprüfungen bieten dem Board die Möglichkeit, die Auswirkungen der neuen Anforderungen zu bewerten.

Auch die IFRS-Stiftung war nicht untätig und veröffentlichte – vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie – am 13.1.2021 Lehrmaterial (educational material), das die Vorschriften von IAS 1, die für die Beurteilung der Annahme der Unternehmensfortführung (going concern) von Relevanz sind, zusammenfasst.[3] Die Publikation wurde im Einklang mit dem überarbeiteten Due Process Handbook erstellt und ergänzt oder ändert die Anforderungen in den Standards jedoch nicht.

Auf europäischer Ebene hat die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) am 29.10.2021 ihre europäischen Prüfungsschwerpunkte für das nachfolgende Kalenderjahr, betreffend Abschlüsse aus dem Kalenderjahr 2021, veröffentlicht.[4] Die diesjährigen gemeinsamen europäischen Prüfungsschwerpunkte betreffen die Auswirkungen von COVID-19 und klimabezogene Themen sowohl auf die finanzielle als auch die nicht-finanzielle Berichterstattung. Bei der finanziellen Berichterstattung stehen u. a. die Anforderungen von IAS 1.25 (going concern) aber auch zum Liquiditätsrisiko (IFRS 7.39) beim Thema COVID-19 im Mittelpunkt. Klimabezogene Angaben in der finanziellen Berichterstattung sollten mit den ni...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Finance Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Finance Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge